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Nachrichtendienst · 1928-06-01 · Heft 5 (Juni 1928) · p. Seite 3

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gungsmöglichkeiten in jüdischen Anstalten (Sayn, Lohr, Weißensee, Beelitz) sind für die mannigfaltigen Bedürfnisse nicht ausreichend, die Unterbringung in nichtjüdischen Anstalten bringt manche Schwierigkeiten mit sich. Es ist daher dringend notwendig, Abhilfe zu schaffen. Für die Weiterbehandlung dieser Frage wurde Hne besondere Kommission bestimmt. Berichtet wurde ferner über den Fortgang der Aktion zur Errichtung jüdischer Jugend- und Gemeindeheime, die bald über das Stadium der Vorbereitungen hinaus zu praktischen Vorschlägen kommen wird. Gesamtvorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Am 29. April trat der auf Grund der Satzung von 1927 neugebildete Gesamtvorstand zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Ueber die erfreulich vollständige Beteiligung wurde bereits in der jüdischen Presse berichtet. Der Vorsitzende, Dr. Baeck, führte in seiner Begrüßungsansprache aus, daß es vor allem zwei Gedanken in dem abgelaufenen Geschäftsjahr gewesen sind, die in der Tätigkeit zum Ausdruck kamen: Die unbedingt notwendige Verbindung von Zentralisation und Dezentralisation und das Bewußtsein von der Größe der gemeinsamen Arbeit, die keinerlei Gegensätze entstehen ließ. Als die nächsten Aufgaben bezeichnete Dr. Baeck, die wenigen Landesteile, die der Zentralwohlfahrtsstelle noch nicht formell angeschlossen sind, in sie einzufügen und den Ausbau der Fürsorge für männliche Tuberkulöse und für Nerven- und Geisteskranke zu fördern. Den Tätigkeitsbericht, der in der letzten Nummer des Nachrichtendienstes veröffentlicht ist, erstattete der Geschäftsführer, Dr. Ollendorff, den Finanzbericht der Schatzmeister der Zentralwohlfahrtsstelle, Herr Otto Eskeles. Im Anschluß an den Tätigkeitsbericht wurde nachdrücklich auf die Notwendigkeit der Errichtung jüdischer Jugend- und Gemeindeheime zur Förderung des jüdischen Gemeindelebens und der Jugendbewegung hingewiesen; auch die Frage der Altersheime, die gegenwärtig zum Teil zu hohe Pflegesätze haben, und dadurch für die am meisten hilfsbedürftigen Kreise oft nicht in Frage kommen, war Gegenstand eingehender Beratung. Ferner fanden über die beiden vom Vorsitzenden berührten Fragen der Gesundheitsfürsorge und über die Frage der Bewahrungsheime Aussprachen statt. Im Mittelpunkt der Gesamtvorstandssitzung stand ein Referat von Herrn Bankdirektor Wilhelm Kleemann über: „Gesichtspunkte, welche für die Errichtung der seit einiger Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind". Direktor Kleemann gab insbesondere eine eingehende Darstellung der Vorzüge und Nachteile der gemeinnützigen Darlehnskassen und der Kreditgenossenschaften. Er glaubt zwar, daß die in Berlin vorliegenden Erfahrungen mit der Kreditgenossenschaft noch zu jung sind, als daß man sie als Allheilmittel empfehlen und den anderen Gemeinden genauere praktische Vorschläge machen könne. Schon jetzt läßt sich aber feststellen, daß eine Ausdehnung des Gedankens und der Organisationsform der Kreditgenossenschaft über Berlin hinaus zweifellos wünschenswert sei, so daß auch der Beitritt auswärts wohnender Genossen zu der Berliner Kreditgenossenschaft durchaus erwogen werden kann. Zu warnen ist — und darauf wurde vor allem auch nach auswärtigen Erfahrungen hingewiesen — vor einer Zersplitterung innerhalb der einzelnen Gemeinden. Wie stark zurzeit das Bedürfnis der Gewährung von Darlehen an aufstrebende Kreise in vielen Gemeinden empfunden wird, zeigte die sehr rege Aussprache über das Kleemann'sche Referat, in welcher von ähnlichen Bestrebungen wie in Berlin auch aus zahlreichen anderen Landesteilen berichtet wurde. Die bedeutungsvolle Gesamtfrage soll in einer von der Zentralwohlfahrtsstelle im Herbst einzuberufenden Sachverständigenberatung weiter geklärt werden. Tagung des württembergifchen Landesverbands für israelitische Wohlfahrtspflege in Stuttgart. Die aus allen Teilen Württembergs zahlreich besuchte diesjährige Mitgliederversammlung des Landesverbands für israelitische Wohlfahrtspflege, dem fast sämtliche Gemeinden und Vereine des Landes sowie die Hohenzollernschen Gemeinden angehören, hatte eine reichhaltige Tagesordnung zu bewältigen. In seinen Begrüßungsworten gab der Vorsitzende, Herr Arthur Effing er, dem Bedauern Ausdruck, daß noch in manchen Kreisen der Sache des L.J.W. nicht das genügende Interesse entgegengebracht werde. Aus der Betriebsrechnung für 1927 ergab sich ein Betrag von RM. 7059,28 in Einnahme und Ausgabe; die letztere war nm RM. 658,— größer als die Einnahme, so daß sich das Vermögen um dieses Defizit auf RM. 4605,23 verringerte. Auch der Entwurf für 1928 stellt einen Fehlbetrag von RM. 1035,— in Rechnung; der Etat selbst wird dabei auf RM. 6515,— berechnet. Der Vorsitzende sowie verschiedene Diskussionsredner wiesen darauf hin, daß angesichts solcher Rechnungsergebnisse eine größere Mithilfe der Vereine und der Gemeinden erreicht werden müsse. — Die Herren Leopold K o h n, S,topolb Levi, Dr. Rieger und andere Diskussionsredner bemängelten die kleinen Beiträge aus einer Reihe von Gemeinden und Vereinen. Dr. Tänzer (Göppingen) wies demgegenüber auf die eigenartigen Verhältnisse in diesen Gemeinden hin, die durch interne Lasten beschwert seien. Eine lebhafte Debatte erhob sich über die Frage der Höhe der künftigen Beiträge. Zur Annahme gelangte der Antrag Dr. Ri eg er, den Gemeinden und Vereinen nahezulegen, daß sie 1 Prozent der Steuern bzw. ihrer Einnahmen als Beitrag an den L.J.W. leisten mögen. Im Zusammenhang hiermit fand eine Auseinandersetzung über die Frage der Wanderarmenfürsorge statt, wobei besonders Dr. Tänzer und Spier-Haigerloch darlegten, wie schwierig auf dem Land und in den von der Zentrale entfernten Gemeinden sich diese Frage gestalte. Andere Redner wiesen darauf hin, daß die Wanderarmenfürsorge nur von der Zentrale aus richtig versehen werden könne. Die Leitung des L.J.W. unterstützte die letztere Auffassung und verlangte, daß die Beiträge der Gemeinden für die Unterstützung der Wanderarmen erheblich erhöht werden müßten. — Der von der Fürsorgerin Fräulein Weil erstattete ausführliche Tätigkeitsbericht wies die vom L.J.W. geleisteten laufenden und einmaligen Geldnnterstützungen nach, die sich auf RM. 1324, - beliefen. Weiterhin wurden an 150 Erwachsene und 80 Kinder Kleidungsstücke abgegeben, z. B. auch nach Gemeinden außerhalb Stuttgarts und an die Insassen von Krankenhäusern und Pflegeanstalten. Weitere Beiträge wurden neben der Wanderfürsorge noch der Tuberkulosenfürsorge, der Anstalts-, der Gefängnis- und der Erholungsfürsorge zugewendet; weiterhin leistete der L.J.W. Beihilfe zur Berufsausbildung von jungen Leuten sowie zu einigen Darlehen, durch die eine Existenz ermöglicht wurde. Besonders schwierig gestalte sich, so betonte die Referentin, die Stellenvermittlung. Tie Gefangenenfürsorge erstreckte sich in sechs Fällen auch auf Rechtsvertretung; der Israelitische Oberrat leistete hier eine Beihilfe. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden sowie den öffentlichen Wohlfahrtsstellen vollzog sich in bester Weise. — Auch bei der großen Wohlfahrtsausstellnng in Stuttgart sowie bei der Ausstellung „Das junge Deutschland" hat sich der Verband beteiligt. — Im Anschluß an den Tätigkeitsbericht wies Fräulein Weinreich im Auftrage der Zentralwohlfahrtsstelle, die sie bei der Tagung vertrat, auf deren nene Bestrebungen hin, die größere Kosten verursachten; sie erbat deshalb eine Erhöhung des Beitrags an die Zentralwohlfahrtsstelle, die in Aussicht gestellt wurde. — Herr Rudel berichtete für die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge über die Notwendigkeit der Errichtung einer Arbeiterkolonie und bat um finanzielle Hilfe. Die Versammlung beschloß, im Herbste d. I. für diesen Zweck eine besondere Propaganda in die Wege zu leiten. — Herr Steckelmach er (Heilbronn) bot im Auftrag des Landesverbands des C.-V. die Mitarbeit des letzteren bei der Stellenvermittlung an, was dankend angenommen wurde. — Für den verstorbenen Dr. Straßburger (Ulm) wurde Herr Leopold H i l b (Ulm) in den Ausschuß gewählt; als Vertreterin des Württembergisch-Hohenzollernschen Landesverbandes des Jüdischen Frauenbundes wurde Frau Dr. R i e g e r in den Wohlfahrtsrat berufen. Zum Schluß baten die Berliner Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle und der Wanderfürsorge, um möglichst weite Veröffentlichung der Verhandlung, was die Versammlung guthieß. Wohlfahrtstag des Bundes Israelitischer Wohlfahrtsoereinigungen in Baden. Aus Anlaß seines 10jährigen Bestehens veranstaltete der Bund Israelitischer Wohlfahrtsvereinigun-

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