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Nachrichtendienst · 1928-06-01 · Heft 5 (Juni 1928) · p. Seite 2

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Aus dem reichen und erfüllten Leben von Henriette May, geborene Lövinson, seien folgende Daten mitgeteilt: Sie wurde am 25. März 1862 in Berlin geboren, als älteste von 10 Geschwistern, besuchte die Augustaschule und das Lehrerinnenseminar in Berlin nnd war sodann Erzieherin in Berlin und London. 1890 verheiratete sie sich mit Max May, der damals Prokurist, später Fabrikdirektor in Berlin war. Die Ehe blieb kinderlos. Henriette May verlor ihren Mann durch einen frühen Tod im Jahre 1914. Ihre soziale Tätigkeit begann Mitte der 90er Jahre unter dem Einfluß von Frau Jeanette Schwerin; Henriette May wurde Mitglied der Gesellschaft für ethische Kultur und Mitarbeiterin von Dr. Albert Levy, der unter ihrer Mitarbeit das erste Buch über die Wohlfahrtseinrichtungen in Groß-Berlin herausgab. Ihr ganzes Dasein aber wurzelte im jüdischen Leben. Und wenn es ihrem Wesen, das weit offen und empfänglich war für alles Lebendige, auch nicht entsprach, ihr Schaffen weltanschaulich zu begrenzen, so galt doch ihr soziales Wirken im besonderen der jüdischen Gemeinschaft. So wurde sie Mitbegründerin des Jüdischen Frauenbundes, so war sie auch Mitbegründerin der Z entralw o hlf ah rtsst elle d er d eutsch en I ud en, deren Arbeit Henriette May bis zuletzt tief verbunden blieb. Ihre auf Vermittlung und Ausgleich gerichtete Persönlichkeit war, verbunden mit Temperament, Anmut und Würde, wie keine zweite geschaffen für zwei Aufgaben der Zentralwohlfahrtsstelle, deren Erfüllung für Lcken und Geist unserer Organisation besonders bedeutungsvoll wurden: Für die Vertretung der jüdischen Wohlfahrtspflege in den allgemeinen humanitären Organisationen und für die Pflege persönlicher Beziehungen unter den Mitarbeitern der Zentralwohlfahrtsstelle. So wirkte sie anregend und belebend auf den Ausbau der Organisation und so hatte sie zu jedem Einzelnen der Mitarbeiter ein besonderes Verhältnis, das dazu beitrug, manche Schwierigkeit in der Arbeit zu überwinden. Ganz von selbst wurde sie der Mittelpunkt eines Kreises, der ihren Tod als schmerzende Lücke empfindet, und der chr stets in Dankbarkeit verbunden bleiben wird. Die Beisetzung von Henriette May fand am 20. Mai auf dem Friedhof in Weißensee statt. Nach dem Gesang des „Enausch" würdigte Rabbiner Dr. Baeck die Entschlafene, indem er, anknüpfend an das Wort: „Ihre Seele lebte im Guten", ein Bild von der harmonischen, in sich geschlossenen Persönlichkeit und von ihrem gesegneten Wirken und Schaffen entwarf. Es sprachen sodann für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde und für das Wohlfahrts- und Jugendamt Herr Eugen Caspary, für den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Herr Dr. Holländer, für den Hilfsverein der deutschen Juden und für den Verein „Jüdisches Lehrerinnenheim" Herr Professor Schaefer, für den Verein für häusliche Gesundheitspflege Herr Professor Lennhoff, für die Gesellschaft „Ort" Herr Graetz, für die „Jüdische Kinderhilfe" Herr Dr. Stahl und für den Verein für jüdische Familiensorschung Herr Dr. Czellitzer. Eine eindrucksvolle Trauerfeier wurde vom Jüdischen Frauenbund am 22. Mai veranstaltet, bei der Frau Brenner, Frau Falkenberg, Frau Eschelbacher, Frau Wronsky und Dr. Ollendorff Ansprachen hielten. Für die Freunde von Henriette May wird eine Gedenkschrift herausgegeben werden. Dr. Claude Montefiore, London. Anläßlich des 70. Geburtstages von Herrn Dr. Claude Montefiore, London, hat die Zentralwohlfahrtsstelle folgendes Glückwunschschreiben an ihn gerichtet: Hochverehrter Herr Dr. Montefiore, unter den vielen Organisationen jüdischer Wohlfahrts¬ und Kulturarbeit aller Länder möchte auch die Zentralwohlfahrtsstellc der deutschen Juden Sie in treuer Verbundenheit grüßen und Ihnen von ganzem Herzen ihre Wünsche darbringen. Sie gedenkt dabei der zahlreichen Arbeiten, in denen Sie auf dem weiten Gebiete jüdischer Wohlfahrt und Jugendwohlfahrt führend und erfolgreich gewirkt haben, und erinnert sich besonders freudig der gemeinsamen Arbeiten in der Jewish Association for the Protection of Girls and Women. Sie hofft zuversichtlich auf weitere lange Jahre solchen gemeinsamen Wirkens für die Ehre des jüdischen Namens und für den Schutz und die Rettung Gefährdeter, in dem Bewußtsein, wie dringend notwendig die Verstärkung und die Vereinigung aller jüdischen Bemühungen vor allem auf diesem Gebiete ist . Die Zentralwohlfahrtsstelle hofft. Sie bei Ihrer bevorstehenden Anwesenheit in Berlin auch persönlich begrüßen und Ihnen chre Wünsche wiederholen zu können. Mit dem Ausdruck herzlicher Verehrung begrüßen wir Sie als Ihre ergebenen Baeck, Vorsitzender. Ollendorff, Geschäftsführer. Dr. Claude Montefiore hat telegraphisch seinen Dank für den Empfang des Schreibens ausgesprochen. Neue Geschäfisstelle der Zenkralwohlfahrksstelle der deutschen Juden Folgende Stellen haben am 1. Juli 1928 ihre Geschäftsstelle nach Berlin - Charlottenburg, Kantstraße 158 (Fernsprecher: Bismarck 1064/65) verlegt: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden (bisher Oranienburger Straße 69), Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" (bisher Oranienburger Straße 69), Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Tuberkulosefürsorge" (bisher Oranienburger Straße 69), Sozialer Ausschuß des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes (bisher Oranienburger Straße 69), Sozialer Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reich (bisher Oranienburger Straße 69), Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege, Brandenburg (bisher Oranienburger Straße 69), Sammlung „Jüdische Not" (bisher Oranienburger Straße 13/14). Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände hat feine Geschäftsstelle von Oranienburger Straße 69 nach Oranienburger Straße 13/14 (Telephon Norden 7324) verlegt. Organisation — Allgemeines Geschaftsführender Vorstand der ZentralwohlfahrtssteUe der deutschen Juden. Die letzte Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes war auch von auswärtigen Mitgliedern gut besucht. Sie befaßte sich vor allem mit der Vorbereitung der Gesamtvorstandssitzung (s. u.), mit dem Ausbau der Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege in der Provinz Sachsen und in Thüringen sowie in den Provinzen Brandenburg und Grenzmark. Aus besonderen sachlichen Gründen wird in Zukunft die Durchführung der Aufgaben der Wohlfahrtspflege in den beiden letzten Provinzen nicht mehr gemeinsam, sondern nach Provinzen getrennt erfolgen. Eine längere Beratung galt der Frage der Unterbringung jüdischer Nerven- und Geisteskranker. Die Unterbrin-

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