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Nachrichtendienst · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. Seite 7

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— 1 — „Fürsorgeerziehung", Frl. Fürst über „Neuzeitliche Führung der Kindergärten und Horte", Frl. Karminski und Dr. Lubinski über „Tie schulentlassene Jugend" zu nennen. In der Sozialhygiene konnten — wie auf allen anderen Gebieten — auch nur einige besonders bedeutsame Fragen zur Behandlung gelangen, so „Volksbelehrung als Aufgabe der Gesundheitsfürsorge", über welche Rechtsanwalt Dr. Philipsborn und Frl. Neuseld referierten, ferner eine allgemeine Einführung in die „Gesundheitsfürsorge" mit Magistrats-Medizinalrat Dr. Gold mann als Referenten, und schließlich „Praktische Tuberkulosefürsorge", über welche Dr. Samson, und „Geschlechtskrankenfürsorge" über welche Stadtarzt Dr. Löwen st ein berichtete. Tie Vorlesungen wurden zum Teil durch Arbeitsgemeinschaften in willkommenster Weife ergänzt; außerdem fanden einige Besichtigungen statt. Wie der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle, Rabbiner Dr. Baeck, in seiner Schlußansprache hervorhob, sollte die Fortbildungsveranstaltung vor allem dazu dienen, Theorie und Praxis, die allzu leicht verschiedene Wege gehen, erneut miteinander zu verbinden. Die Schulungswoche, aus deren Erfahrungen manches für die Ausgestaltung späterer Veranstaltungen entnommen werden konnte, soll den Anfang weiterer Schulungsmöglichkeiten bilden. Es ist auch beabsichtigt, den wesentlichen Inhalt der Vorlesungen zu verössentllchen, damit die zahlreichen starken Anregungen der Vortragenden über den Kreis der unmittelbaren Teilnehmer hinaus auf die praktische Arbeit sortwirken können. Sobald die Veröffentlichung vorliegt, werden wir auf den Inhalt der Vorlesungen und Erörterungen und aus die praktischen Ergebnisse der Schulungswoche nochmals besonders zurück kommen. Tagung der Letter und Letterinnen der jüdischen Erziehungsanstatten Deutschlands Der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands hielt am 19. März dieses Jahres im Anschluß au die Jüdisch-soziale Schulungswoche in Berlin in der Aula des Auerbachschen Waisenhauses eine zahlreich besuchte Sondertagung ab. Die Sitzung begann mit zwei öffentlichen Vorträgen, zu der auch viele Teilnehmer der Schulungswoche erschienen waren. Als erster sprach Waisenhausdirektor Dr. Rothschild- Dinslaken in äußerst instruktiver und aufschlußreicher Weise über das Thema: „Was können wir aus der Erziehungs- Weise der Landerziehungsheime für unsere Anstaltserziehung verwenden?" Dem folgte ein Vortrag von Dr. Georg Lubinski-Berlin über „Die schulentlassene Jugend" mit einer ausgezeichneten Analyse des Seelenlebens und der neuzeitlichen Bestrebungen junger jüdischer Menjchen. — Nach einer Pause gelangten in einer geschlossenen Ätzung interne Berufs- und Standesfragen zur Behandlung. Es konnte" festgestellt werden, daß der Verein in freundschaftlichem Konnex zur Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, mir der ihn viele gemeinsame Interessen verbinden, getreten ist. Herrn Direktor Peritz, dem 1. Vorsitzenden des Vereins, der sich um den Aufbau der jungen Organisation große Verdienste erworben hat, wurde herzlicher Dank ausgesprochen; er und die übrigen Vorstandsmitglieder Direktor Dr. Feist-Berlin, Oberlehrer Rothschild-Eßlingen, Direktor Silberberg-Ahlem wurden gewählt, außerdem neu in den Vorstand: Anstaltsleiterin Fräulein Fiegel-Frankfurt a. M. — Die Diskussionen, die sich mit den Zielen und Aufgaben der jüdischen Erziehungsanstalten beschäftigen, umfaßten Fragen über Zentralisation und Dezentralisation, Sonderausgaben einzelner Anstalten, Lektüre und sonstige lebenswichtige pädagogische Probleme. Eine Reihe von wertvollen Anregungen für die wgiterq Ausgestaltung des Vereins und seine Zukunstsaufgaben wurde gegeben. Als nächster Ort der Vereinstagung wurde Hamburg in Aussicht genommen. Sozialer Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine Während der Schulungswoche konstituierte sich auch der Soziale Ausschuß des genannten Reichsverbandes. Ueber die Gründungssitzung — die am 20. März unter Vorsitz von Herrn Georg Sawady, Berlin, stattfand — und das nächste Arbeitsprogramm werden wir ausführlich in der nächsten Nummer des Nachrichtendienstes berichten. Allgemeine Wohlfahrtspflege und sozialpolitische Grenzgebiete Jubiläum des Hilssvereins für die jüdischen Taubstummen Am 9. April feierte der H i l f s v e r e i n für die jüdischen Taubstummen in Deutschland sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Anläßlich dieses Jubiläums fand ein Festakt im Logentempel in Berlin statt, an welchem zahlreiche Vertreter der Jüdischen Gemeinde, der Gemeinde Adaß Jisroel, des Magistrats Berlin und einer Reihe von Wohlfahrtsorganisationen teilnahmen. Als Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle war deren Geschäftsführer bei der Feier anwesend. Die Vorsitzende dieses Vereins ist seit 1922 Frau Johanna Löwenberg. Der Hilfsverein unterhält seit 1907 ein Altersheim für Taubstumme, das sich ursprünglich in gemieteten Räumen, seit 1912 in einem eigenen Haus in Niederschönhausen befindet und 50 Plätze hat. Der Hilfsverein — der auch stets besonderen Wert auf die Veranstaltung und Ausgestaltung von Gottesdiensten für Taubstumme gelegt hat — plant jetzt die Schaffung einer Arbeitsstätte, um arbeitsfähigen jüdischen Taubstummen für den Fall ihrer Erwerbslosigkeit Beschäftigung zu sichern. Anläßlich des Jubiläums ist eine Festschrift erschienen, auf die wir noch besonders zurückkommen werden. Auswanderersürsorge des Hilssvereins der deutschen Juden Dem Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen, herausgegeben vom Hilssverein der deutschen Juden vom Mürz 1928, entnehmen wir folgenden Bericht über die Auswanderersürsorge des HilfsVereins verdeutschen Juden: Die Durchwanderung durch Deutschland war im Jahre 1927 zum Teil größer als im Vorjahre. Das Büro der Zentrale des Hilssvereins in Berlin, seine seit Jahrzehnten bestehenden Komitees in Hamburg und Bremen und Vertrauensmänner im Reiche nahmen sich der Auswanderer nach Kräften an. Bahnhofsdienste, die vom Hilfsverein organisiert sind, bestehen in Berlin am Schlesischen Bahnhof, in Stentsch (deutsch-polnische Grenze) und in Osnabrück. Unter Fürsorge des Hilfsvereins passierten 1927: Berlin: Schlesischer Bahnhof Bahnhofsdienst des Hilfsvereins, Aus- und Rückwanderer 38105 Personen davon: 21 580 Männer 10 854 Frauen 5 671 Kinder (davon Nichtjuden 18085). Ihren Weg nahmen über Stentsch: 13822 Osnabrück: 5085 Hamburg: Im Ueberseeheim trafen ein 2 882 „ Außerdem passierten Hamburg zirka 500 „ die in der Stadt logierten. Bremen: Nach privaten Feststellungen wunderten über Bremen aus rund 1 260 „ Berlin er Büro: Individuelle Beratung, Fürsorge und Unterstützung fanden in unserem Büro, Steglitzer Straße 12 982 „ Aenderung des Mieterschutzgesetzes Aenderungen des Mieterschutzgesetzes sind am 1. April 1928 in Kraft getreten. Die wichtigste Neuerung ist das Kündigungsrecht des Vermieters. Diese Kündigung ist möglich, wenn schuldhafte erhebliche Belästigung des Vermieters oder an-

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