Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 5 schenReichszusammenschlußsürGerichts Hilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge zu verbinden. Auf dem Gebiete der Psychopathenfürsorge ist in den Beratungen ein Plan zur Sicherstellung rechtzeitiger Beobachtung und Heilberatung schwer erziehbarer Kinder und Jugendlicher aufgestellt worden, der gegenwärtig im Zusammenwirken mit den örtlichen und provinziellen Stellen zur Durchführung gebracht wird. Eine wesentliche Unterstützung dieser Bestrebungen wird sicherlich das neue Heim in Marburg a. d. Lahn bieten, das von dem —durch Vertreter verschiedener Organisationen erweiterten — Kuratorium des früheren Schüler- und Lehrlingsheims (Vorsitzender Rabbiner Dr. Cohn-Marburg) unter Mitwirkung und Förderung auch der Zentralwohlfahrtsstelle und der Arbeitsgemeinschaft Jüd. Gefährdetenfürsorge demnächst als jüdisches Heilerziehungsheim eröffnet werden wird. Bei den Arbeiten über Pfychopothenfürsorge war auch die „Jüdische Kinderhilfe" in Berlin (leitender Arzt Dr. Stahl) wesentlich beteiligt. Auf dem Gebiete der eigentlichen Jugendfürsorge nahm einen breiten Raum die durch den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und sein Kuratorium für die Fürsorgeerziehung unter Mitwirkung der Z.W.St. z. Zt. im Gange befindliche Reform der Fürsorgeerziehung ein. Während diese Reform für die Fürsorgeerziehungsanstalt für schulentlassene Mädchen in Cöpenick bereits weitgehend durchgesührt worden ist, steht die Errichtung einer neuen Erziehungsanstalt für schulentlassene Knaben an Stelle der zurzeit in Repzin befindlichen noch bevor; die Vorbereitungsarbeiten stehen jedoch unmittelbar vor dem Abschluß. Die Zentralwohlfahrtsstelle ist sodann im Berichtszeitraum in einer Anzahl von Fällen, auch von außerhalb,, zu schwierigen Verhandlungen über Umstellungen und Zusammenlegungen von Anstalten und Einrichtungen als vermittelnde Stelle zugezogen worden, wie es scheint, mit einem gewissen Erfolge. Der Geschäftsführer und die Fachreferenten stehen jederzeit für solche beratende Tätigkeit auch außerhalb von Berlin den Gemeinden und Organisationen zur Verfügung. Neben den vorgenannten Arbeitsgebieten konnte ebenso wie auf dem Gebiete der Wirtschaftssürsorge in zahlreichen einzelnen Fällen gefährdeter Jugendlicher, für die eine andere Stelle nicht oder noch nicht zuständig war, beratend und vermittelnd eingegrissen werden, zum Teil auch zur Abhilfe vorübergehender schwerer Not mit einmaligen Beihilfen aus einem kleineren, zur Verfügung stehenden offenen Fonds der Gefährdetenfürsorge. Die Arbeiten aus dem Gebiete der Jugendpflege und Jugendbewegung konnten dem Reichsausschust der jüd. Iu g end v erb änd e — der sich im Jahre 1927, wie bereits erwähnt, aus einer Abteilung der Zentralwohlfahrtsstelle zu einer selbständigen Organisation entwickelt hat — übergeben werden, so daß eine Doppetbearbeitung nicht stattzufinden braucht. Der Reichsausschuß, der eine Zusammenfassung aller jüdischen Jugendverbände der verschiedenen Richtungen in Deutschland darstellt, ist vor allem erfolgreich bemüht, auch in einzelnen größeren Gemeinden die Jugend aller Richtungen zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuschließen, was bereits in den Städten Berlin, Breslau, Hamburg, Köln und Leipzig gelungen ist. Mit dem Reichsausschuß ist auch von der Zentralwohlfahrtsstelle ein Vertrag über die Bewirtschaftung des der Zentralwohlfahrtsstelle gehörenden, früheren Jacobsohn'schen Waisenhauses, I a - awbsohn-Heim in Seesen a. Harz, abgeschlossen worden, das nunmehr als Erholungsheim für Jugendliche, sowohl Jungen als Mädchen, vom Reichsausschuß betrieben wird. Für die Einzelheiten der Arbeiten des Reichsausschusses wird auf den in der Märznummer des Nachrichtendienstes enthaltenen kurzen Bericht hingewiesen. Die Zentralwohlfahrtsstelle erhofft gerade von der Arbeit des Reichsausschusses — dem vor allem auch der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden weitgehende Unterstützung zuteil werden läßt — bedeutungsvolle Ergebnisse für die gesamte jüdische Jugend und für alle sozialen Bestrebungen, die ihr gelten. In diesem Zusammenhänge sei auch kurz der von der .Zentralwohlfahrtsstelle in Gemeinschaft mit der Großloge für Deutschland U.O.B.B., dem Jüdischen Frauenbund und dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände eingeleiteten Aktion für jüdische Gemeinde- und Jugendheime gedacht, auf die wir zum Schluß noch zurückkommen. 4. Archiv, Auskunstserteilung, Veröffentlichungen, Film Das Archiv der Zentralwohlfahrtsstelle ist im Jahre 1927, besonders nach der Richtung der Einrichtungen der offenen Wohlfahrtspflege, aber auch in allen seinen übrigen Abteilungen, vor allem bezüglich der Fachzeitschriften und Fachaufsätze, ausgebaut worden. Die Zahl der Fachzeitschriften beträgt gegenwärtig 117, davon 79 allgemeine und 48 jüdische; unter den genannten sind 11 ausländische. An jüdischen Zeitungen und Gemeindeblättern werden 35 gehalten und regelmäßig durchgearbeitet. Die Aufsätze werden kartothekmäßig geordnet und laufend im Nachrichtendienst veröffentlicht. Auf Grund des Archivs wurden etwa in 30 Fällen Materialzusammenstellungen für Vorträge und Arbeiten angefertigt und in vielen Fällen mündliche Beratungen, insbesondere auch an Sozialbeamte und an Schüler und Schülerinnen der Wohlfahrtsschulen, erteilt. Ebenso wurde das Anstaltsarchiv mit Material über etwa 250 geschlossene und offene Einrichtungen vielfach benutzt, wenn auch gerade die Benutzung dieses Teils des Archivs, wie wir hoffen, in Zukunft noch weiter ausgestaltet werden wird. > Das im Jahre 1927 erheblich ausgebaute, zum Teil neu angelegte Archiv der offener Fürsorge umfaßt genaues Material über mehr als 1000 Vereine und etwa 400 Gemeinden; es konnte als Unterlage für die statistischen Angaben gegenüber den Behörden und der Liga, insbesondere auch für die Dauerausstellung des Reicksarbeitsministeriums, dienen. Bor allem aber konnte auf Grund des Archivs und der neuen Umfragen der bereits erwähnte „F ü h - rer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland" bearbeitet werden, der abgeschlossen ist und demnächst erscheint. Neben diesem Führer sind eine Reihe weiterer Veröffentlichungen in Vorbereitung, von denen eine kurze Darstellung der für die Praxis der jüdischen Wohlfahrtspflege bedeutungsvollsten Reichs- und Landes-Gesetze und ein Schristchen über: „Was ist und was will die Zentralwohlfahrtsstelle?" genannt seien. Der Nachrichtendienst wird seit Beginn dieses Jahres monatlich herausgegeben. Die B i b l i o t h e k der Zentralwohlfahrtsstelle ist im Berichtsjahr vermehrt worden und umfaßt gegenwärtig rund 600 Bände. Sie wird aber, um den steigenden Anforderungen, die an sie von vielen Seiten gestellt werden, zu genügen, im nächsten Jahre erheblich ausgebaut werden müssen. In diesem Zusammenhang sei schließlich noch ein Wort über die Zusammenarbeit mit der Presse, insbesondere mit der jüdischen Presse, hinzugefügt. Unser Bestreben war darauf gerichtet, dieses Zusammenarbeiten zu verstärken und in möglichst kurzen Zwischenräumen ausführliche Mitteilungen über wichtige Arbeiten der Zentralwohlfahrtsstelle an die Presse gelangen zu lassen. Dies ist in der Ueberzeugung geschehen, daß es kein wirksameres Mittel als dieses gibt, um das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit für die jüdische Wohlfahrtsarbeit im allgemeinen und für ihre besonderen Fragen zu gewinnen. Wir können dankbar feststellen, daß dieses unser Bestreben bei der gesamten jüdischen Presse, aber auch bei den nichtjüdischen Fachzeitschriften, vollstes Verständnis und Entgegenkommen gefunden hat. Auch in der Berichtszeit ist der W o h l f a h r t s f i l m der Zentralwohlfahrtsstelle „Ein Freitagabend" in weitgehendem Maße zur Aufführung verlangt worden, und zwar im Jahre 1927 47 Mal im Reich und 8 Mal in Berlin. Insgesamt ist er 94 Mal, und zwar 72 Mal im Reich und 22 Mal in Berlin, zur Aufführung gelangt. Mit Befriedigung konnte festgestellt werden, daß der Film überall, wo er gezeigt wurde, großen Beifall fand und sich als geeignet zur Werbung neuer Kräfte und finanzieller Mittel erwies.