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Nachrichtendienst · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. Seite 4

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 meinschaft Jüdische Tuberkulosefürsorge" ist bereits in der Februar-Nummer dieses Nachrichtendienstes veröffentlicht worden, so daß auf ihn Bezug genommen werden kann; nach diesem Bericht sind im Jahre 1927 für 135 verschickte Patienten über 20000,— Mark aufgewendet worden. Die Arbeitsgemeinschaft stand in der Berichtszeit unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Seligmann; der Tuberkulosekommission — die im Jahre 1927 zu 14 Sitzungen zusammentrat — gehören außerdem Frau Henriette May und als Facharzt Dr, Samson an; Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft ist unsere Gesundheitsfürsorgereferentin, Frl. Frieda Weinreich. Demnächst werden neue Richtlinien für die Bewilligung von Beihilfen aus dem Offenen Fonds aufgestellt werden. Die segensreiche Wirkung dieses Fonds — der, unter sorgfältiger Heranziehung aller in Frage kommenden öffentlichen Mittel, insbesondere auch der Versicherungsträger, und der örtlichen jüdischen Wohlfahrtspflege, durch Gewährung von Zuschüssen die Durchführung von Heilkuren ermöglicht — ist davon abhängig, daß ihm auch in Zukunst, wie bisher vor allem in dankenswerter Weise von den Landesverbänden, ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Aus Sonderm/itteln des Reichsarbeitsmänisteriums konnten in allen beantragten Fällen Beihilfen für Heilverfahren für tuberkulosekranke und -gefährdete Schwestern und Pflegepersonal bewilligt werden. Auf diesen Sonderfonds, aus dem zur Zeit noch Beträge zur Verfügung stehen, wird für alle in Frage kommenden Fälle auch an dieser Stelle ganz besonders hingewiesen. Zum Schlüsse der Bemerkungen zur Tuberkulosefürsorge sei mit besonderem Nachdruck auf die dringende Notwendigkeit einer weitgehenden Unterstützung der gegenwärtig im Gange befindlichen, von Frankfurt a. M. ausgehenden und von der Zentralwohlfahrtsstelle unterstützten Lotterie zur Errichtung einer Tuberkulose heil st ätte für jüdische Männer hingewiesen. Diese Heilstätte entspricht einem außerordentlichen Bedürfnis, und es ist aufs dringendste zu hoffen, daß alle jüdischen Kreise ein gutes Ergebnis der Lotterie herbeiführen helfen. Der „Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands" (Vorsitzender R.-A. Dr. Philipsborn) hatte seine Mitgliederversammlung am 3. Juli 1927 in Köln. Als Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle wurde deren stellvertretender Vorsitzender, Prof. Dr. Seligmann, in den Vorstand des Bundes gewählt; Geschäfts' führerin ist die Gesundheitsfürsorge-Referentin der Zentralwohlfahrtsstcllc. Das Hauptverhandlungsthema der Mitgliederversammlung des Bundes war: „Wie werden Pfleglinge ritueller Anstalten nahrhaft, abwechslungsreich und dabei sparsam ernährt?" Die Ergebnisse der Aussprache erweckten größtes Interesse und führten dazu, daß gleichartige Anstalten jetzt ihre Speisezettel regelmäßig austauschen. Gemeinsam mit dem Bund hat sich die Zentralwohlfahrtsstelle, auch für die Einführung der Sozialen Krankenhausfürsorge stark eingesetzt. In Berlin ist im Jahre 1927 die erste hauptberufliche Krankenhausfürsorgerin von der Jüdischen Gemeinde angestellt worden. In der E r h o l u n g s f ü r s o r g c hat sich die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Erholungsfürsorge", deren Geschäftsstelle sich beim Jüdischen Frauenbund befindet, im Jahre 1927 der schwierigen Aufgabe unterzogen, Material für die wirtschaftlichere Gestaltung der Erholungsfürsorge, vor allem der Erholungsheime, zu gewinnen. Es wurden Belegungsmcldungen eingezogen sowie Belegungsverträge abgeschlossen oder vermittelt. Immer wieder trat die Schwierigkeit zutage, daß sich die Verschickung der meisten erholungsbedürftigen Kinder auf die kurze Zeit der Sommermonate, möglichst sogar der Sommerferien, zusammendrängt, und daß die meisten Heime in den übrigen Monaten fast vollständig unbenutzt sind. So waren von 41 bestehenden jüdischen Erholungsheimen während der Wintcrmonate nur 10 geöffnet, und zwar naturgemäß die eigentlichen Heilstätten, die auch kranke Kinder aufnehmen. Diese auch in der allgemeinen Wohlfahrtspflege überall auftretenden Schwierigkeiten haben die Behörden und Spitzenorganisationen veranlaßt, dringend vor der Eröffnung neuer oder der Erweiterung bestehender Einrichtungen zu warnen und auf Auswege zu sinnen, uns durch teilweise oder ganze Umstellung der Heime für andere Zwecke (Unterbringung von vorschulpflichtigen Kindern, schulentlassenen Jugendlichen und Erwachsenen, Verwendung für Landschulheime und Haushaltungsschulen usw.) eine bessere Ausnutzung der Heime auch außerhalb der Ferienmonate zu ermöglichen. Diesen Bestrebungen wird fortgesetzt, vor allem auch bei der Beratung der wirtschaftlichen Verhältnisse einzelner Einrichtungen, von uns besonderes Augenmerk zugewendet. Im nächsten Jahre soll eine planmäßige Zusammenfassung aller dieser Bemühungen versucht werden. Auch im vorigen Jahre konnte sich die Zentralwohlfahrtsstelle wiederum der Unterbringung von jüdischen Kindern aus Posen in jüdische Erholungsheime in Deutschland annehmen. Dank des großen Entgegenkommens des Ferienheims Neuhäuser, des Kindererholungsheims Oberrochwitz, der Israelitischen Kinderheilstätte Kissingen, des Heims des Jüdischen Frauenbundes in Wyk auf Föhr, war es möglich, 20 Kinder aus den abgetretenen Ostgebieten für die Zeit der großen Ferien unter Leistung von Zuschüssen durch die Zentralwohlfahrtsstelle zu versorgen. Aus einer großen Zahl von Orten sind an uns Anfragen wegen Unterbringungsmöglichkeiten für erwachsene Nerven- und Geisteskranke in jüdischen Anstalten gelangt. Leider waren auf diesem Gebiete bei den wenigen vorhandenen Einrichtungen Schwierigkeiten entstanden, die indes jetzt durch Neuorganisation und neuen Vertragsabschluß behoben sind. Indes stellt das ganze Gebiet nach wie vor ein besonderes Notgebiet der Gesundheitsfürsorge dar, weshalb ihm ebenfalls zurzeit besondere Verbesserungsbemühungen gewidmet sind. Auch in sonstigen allgemeinst Krankheitsfällen, besonders für Herzkranke und Sieche, sind eine große Reihe von Anfragen über Fürsorgemaßnahmen, Unterbringungsmöglichkeiten, Beschaffung von Geld- und Heilmitteln an uns ergangen, in denen wir beratend und vermittelnd tätig sein konnten. 3. Jugend- und Cefahrdetenfürsorge Die Arbeiten, die im wesentlichen der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" (Vorsitzende San.-Rat Dr. Seeligsohn und Frau Paula Ollendorff-Breslau; Geschäftsführerin Frl. Hilde Ottenheimer) oblagen, haben sich vor allem auf die Gebiete des Mädchenschutzes und der weiblichen Gefährdetenfürsorge, der Psychopathenfürsorge sowie der Gefangenen- und Entlassenenfürsorge erstreckt. Im Anschluß an das neue Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten fanden eingehende Beratungen über die Mitwirkung der jüdischen Wohlfahrtspflege bei der Durchführung des Gesetzes statt, und es wurde über das Gesamtgebiet gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund ein ausführliches Rundschreiben an alle beteiligten Stellen gesandt. (Vergleiche Nachrichtendienst vom Februar 1928.) Die Zentralwohlsahrtsstelle war sodann durch Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, Professor Dr. Sobernheim und Dr. Ollendorff bei der Internationalen Konferenz der Jewi sh Association kor the Protection of Girls and Women die vom 22.—24.Juni in London stattfand, vertreten, in deren Verfolg eingehende Beratungen der Arbeitsgemeinschaft, zum Teil in Anwesenheit des Generalsekretärs der Jewish Association, Mr. Cohen, stattgefunden haben, die indes noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Für die Psychopathen- und für die Gefangenen- und Entlassenenfürsorge bestehen je eine Unterkommission der Arbeitsgemeinschaft, die ebenso wie die Arbeitsgemeinschaft selbst im Berichtsjahr mehrfach zusammengetreten sind. Die Durchführung der Gefangenenfürsorge, an der sich der Soziale Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes besonders beteiligt, hat zunächst zu einer Feststellung der vorhandenen Einrichtungen aller Art auf diesem Gebiete geführt, die zugleich das' Material für Verhandlungen mit der Regierung über Sonderfragen der jüdischen Gefangenenseelsorge und -fürsorge bilden soll. Die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" hat sodann einer Aufforderung des unter Leitung des Strafvollzugspräsidenten Muntau, Celle, stehenden „Deutschen Reichsverbandes für Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge" gern entsprochen, sich gemeinsam mit den entsprechenden evangelischen und katholischen Fachvereinigungen und dem genannten Reichsverbande zu einem Deut-

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