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Nachrichtendienst · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 3

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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,-r- AllgemeinenFürsorgeerziehungstages und des Reich szüsammenschlusses für soziale Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge findet sich unten bei den besonderen Abschnitten einiges Nähere. Die internationale Zusammenarbeit auf verschiedenen Teilgebieten steht noch zu sehr in ihren Anfängen, als daß jetzt schon darüber eingehender berichtet werden könnte. Nur das’ fei gesagt, daß sowohl in der allgemeinen wie vor allem auch in der jüdischen Wohlfahrtsarbeit solchen Möglichkeiten und Formen internationalen Zusammenwirkens, besonderes Augenmerk zugewendet wird, und daß wir zuversichtlich hoffen, noch im Laufe dieses Jahres Näheres berichten zu können. Auf die Internationalen Wohlfahrtskongresse in Paris, die sicherlich allen solchen Gedanken einen starken Antrieb geben werden, haben wir schon in der letzten Nummer des Nachrichtendienstes besonders hingewiesen. Zur Zeit besaßt sich die Zentralwoh'fahrtsstelle der deutschen Juden mit dem Abschluß einiger Veröffentlichungen, die voraussichtlich in den nächsten Monaten erscheinen werden. Es handelt sich insbesondere um den bereits angekündigten „Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland" sowie eine Erläuterung der für die Praxis der jüdischen Wohlfahrtspflege besonders bedeutsamen Reichsgesetze. . Sodann wird eine, dem letzten Jahrzehnt jüdischer Wohlfahrtsarbeit in Deutschland gewidmete Schlußnummer der Zedakah und ein kleines Heft über Werden und Wesen der Zentralwohlfahrtsstelle vorbereitet. Zum Schluß sei dem Gedanken und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Jüdisch-Soziale Schulungswoche für die Teilnehmer nicht nur die Möglichkeit tieferen Eindringens in einzelne bedeutsame Sonderfragen unseres großen und schönen Arbeitsgebietes gibt und darüber hinaus die 'persönlichen und ArÜeitsbeziehungen zwischen beruflich und ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern der jüdischen Wohlfahrtsarbeit vertieft und stärkt, sondern daß sie vor allem auch den Anfang einer immer besseren, systematischen und regelmäßigen Fortbildung in der gesamten jüdisch-sozialer: Arbeit bedeuten möge. Gesamtvorstandssitzung der Zentralwohlsahrtsstellr. Tie Sitzung des Gesamtvorstandes wird auf Sonntag, den 29. April 1928 nach Berlin einberufen. .Ort und Zeit werden durch besondere Einladungen und irr der nächsten Nummer des Nachrichtendienstes bekannt gegeben werden. In der Gesamtvorstandssitzung wird der Geschäfts- und der Finanzbericht erstattet werden. Ferner wird Herr Bankdirektor Kleemann-Berlin über: „Gesichtspunkte, welche für die Einrichtung der seit einiger Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind" sprechen. Die Mitglieder des Gesamtvorstandes werden gebeten, sich den 29. April vorzumerken. Tagung des Sozialen Ausschusses für jüdische Wohlfahrtspflege und des Zentralarmenverbandes in Westfalen. Am Sonntag, den 26. Februar, hatten sich zum erste:: Mal der Soziale Ausschuß für jüdische Wohlfahrtspflege in Westfalen und der Zentralarme nv erb and in Westfalen zur gemeinsamen Tagung unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Kronheim, Bielefeld, in Dortmund vereinigt. Dr. Max Kreuzberger, Berlin, sprach über: „Probleme der jüdischen Erwerbslosenfürsorge". Das Problem wird immer dringender, der Boykott gegenüber dem jüdischen Arbeitnehmer immer stärker. — Das frühere System der Wohltätigkeit muß dem der produktiven Fürsorge weichen. Besonders wichtig ist der jüdische Arbeitsnachweis, der überall, wo er besteht, Gutes leistet. Die Brockensammlungen müssen produktiv umgestellt, die Arbeitslosen möglichst ihrer früheren Tätigkeit zuqeführt werden. Darlehnskassen und Genossenschaftsbanken sind als Vorbeugungsmittel gegen Zusammenbruch und Existenzlosigkeit zu gründen. Der Frage der jüdischen Wanderer uxiö der Unterbringung der Strafentlassenen, der Schaffung einer Arbeiterkolonie muß sich die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit zuwenden. — Prediger Goldmann, Herford verwies in der Diskussion auf die Möglichkeit der Unterbringung jüdischer Strafgefangener bei der Landwirtschaft. An Stelle des durch Diensigeschäfte verhinderten Dr. Ollendorff, Berlin, nahmen Dr. Georg Lubinski vom Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Deutschlands und Frieda Weinreich von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden an der Tagung teil. Dr. Lubinski sprach über: Jugend- und Gemeindeheime. In bewegten Worten sprach er von der Not der jüdischen Jugend, der es gelte, ein Zentrum jüdischen Lebens zu schaffen. Er wies auf das Beispiel Amerikas und der nichtjüdischen Konfessionen hin. Es Handel: sich um die Existenzfrage des deutschen Judentums, darum müssen und können die bestehenden Schwierigkeiten mit Hilfe der jüdischen und allgemeinen Wohlfahrtsstellen überwunden werden. In der Aussprache fehlte es nicht an Stimmen der Warnung vor neuen Belastungen der Gemeinden und an solchen, die getragen waren vom Willen der Opferbereitschaft für die Allgemeinheit. Als vorbildlich im sozialen Denken sei die Synagogengemeinde Hagen genannt. Der Vertreter derselben berichtet, daß dort seit langem für den Bau eines Gemeindeheims gesammelt wird und die Verwirklichung nahe bevorsteht. — Seitens eines Beauftragten des Verbands der jüdischen Jugendvereine Deutschlands wurde darauf hingewiesen, wie stark der Verband sich für die Einrichtung der Jugendheime einsetzt, daß es aber trotzdem nicht angängig sei, wenn größere Geldsummen, die für die Zwecke der Gesamtjugend bestimmt sind, einem Heime zugute kommen, ohne daß die Allgemeinheit der Jugend von diesen Mitteln bedacht worden wäre. * In der Nachmittaqssitzung folgten die Berichte der Vertreter der drei Wohlfahrtseinrichtungen des Sozialen Ausschusses, des Waisenhauses in Paderborn, des Kinderheims in Sassendorf und des Altersheims in Unna. Die Berichte ergaben die Mittellosigkeit der drei Anstalten, deren Hauptvermögen durch die Inflation vernichtet ist, Sorge um die wirtschaftliche Existenz und dringende Bitte an die Gebefreudigkeit der jüdischen Gemeinden. — Fräulein Weinreich gab alsdann einen knavven Uebe'-blick über den gegenwärtigen Arbeitsplan der Z.W.St., z. B. über deren Gesundheits¬ und Erholungsfürsorge, Fürsorge für Geisteskranke und Kinderpsychopathenfürsorge, Einrichtung von Kursen, Schulungswoche im Frühfahr, Herausgabe eines Führers durch die jüdische Wohlfahrtspflege und weitere Druckschriften. — In der Diskussion wird betont, von Neugründungen abzusehen, jüdisch geleitete Abteilungen de:: allgemeinen Heilanstalten anzugliedern oder das Heim in Sayn bei Koblenz für Zwecke der jüdischen Wohlfahrtspflege auszubauen. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Kronheim-Bielefeld, gab einen eingehenden Geschäftsbericht, aus dem zu ersehen war, daß trotz sehr knavver Mittel in einer ganzen Reihe schwieriger Fälle eingegriffen wurde und vor allem die Beziehungen zu der amtlichen Wotzl'ahrtsvf'ege 'ehr stark gefestigt wurden. Die Tagung war sehr gut besucht. Der Tagung des Sozialen Ausschusses folgte die des Zentralarmenverbands unter Leitung des ersten Vorsitzenden der Synagogengemeinde Dortmund, Herrn David Leeser. — In bewegten Worten gedenkt er der Toten des Verbands, der Herren Moritz Liebenfeld, Bochum, und Kronheim, Eickel, die die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrt. — Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, daß in den letzten Wochen eine stärkere Rückwanderung aus Frankreich und Belgien eingesetzt hat. Es besteht eine enge Arbeitsgemeinschaft mit der Hauptstelle für Wanderarmenfürsorge in Köln. Besonders wertvolle Dienste leisten die Warnungslisten, die den Gemeinden zugestellt werden. Hauptversammlung des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Königsberg. Am 4. März nahm der Geschäftsführer der Zentralwohlfährtsstelle aus Einladung des Verbandes für jüdische Wohl-fahrtspfleae in Königsberg an der Hauptversammlung dieses Verbandes te'l. die aus Königsberg und fast allen Teilen Ostpreußens zahlreich besucht war, und im ersten Teil unter Leitung des bisherigen bewährten, leider nun wegen Ueberlaftung ausscheidenden Vorsitzenden, Herrn Landsberger, im zweiten Teil unter dem Vorsitz des neugewählten Vorsitzenden, Herrn Altmann, statt. An den Ge-

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