Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 7 (August 1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 noch die Unterstützungsdauer von 52 auf nur 26 Wochen. Für Me diejenigen, die über diese Zeit hin arbeitslos bleiben, ist für Zeiten besmrders schwieriger Arbeitsmarktlage die bisherige Krisenfürsorge geblieben. Das Landesarbeitsamt Berlin, Fachabteilung für die Wohlfahrtspflege und für weibliche Angehörige geistiger Berufe, hat jetzt seine Geschäftsräume in Berlin W9, Schellingstraße 2, Hochparterre links (Fernruf Lützow 4120). Sprechstunden sind Mittwochs und Freitags von 2—6 Uhr nachmittags, an den anderen Tagen der Woche außer Sonnabend von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags. Das Landesarbeitsamt vermittelt — darauf soll besonders hingewiesen werden — Wohlfahrtspflegerinnen in ganz Deutschland. Wir weifen wiederholt auf die H ind e n b ur g-Wohlfahrtsbriefmarken hin, deren Vertrieb die Deutsche Nothilfe übernommen hat. Tie Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken gelangen in folgenden Werten zur Ausgabe: Eine 8 Pfg.-Marke (Postkarten und Ortsbriefwert) zum Verkaufspreis von 0,15 Rim. Eine 15 Pfg.-Marke (Jnlandsbriefwert) zum Verkaufspreis von 0,30 R/m. Eine 25 Pfg.-Marke (Auslandsbriefwert) zum Verkaufspreis von 0,50 Mn. Eine 50 Pfg.-Marke zum Verkaufspreis von 1,— Mn. Ferner wird eine künstlerisch aus gestattete amtliche Postkarte mit eingedruckter Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarke zum Verkaufspreis von 15 Pfg. ausgegeben. Außerdem gelangen Markenheftchen, enthaltend vier 8 Pfg.-Marken und drei 15 Pfg.- Marken, zum Verkaufspreise von 1,50 Rm. zur Ausgabe. Tie Hindenburg-Wohlfährtsbriesmarken sind ebenso wie die früher zugunsten der Deutschen Nothilfe ausgegebenen Wohlfahrtsbriefmarken vollwertige. Postwertzeichen, gültig zur Frankierung sämtlicher Postsendungen nach dem In- und Auslande. Tie Auflage der Marken ist beschränkt, etwaige Restbestäicke werden vernichtet werden. Die Marken sind sowohl bei den Postämtern und Postagenturen wie auch bei den Wohlfahrtsämtern und den Organisationen der freien Wohlfahrtspflege erhältlich. Die postalische Gültigkeit dauert bis zum 30. April 1928. III. Zugma- und 6efäftrdetenfürforge Aus einem Bericht von Fräulein Bertha Pappenheim zur diesjährigen Londoner internationalen Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels (siehe Blätter des J.F.B. Nr. 11/12 vom September 1927) geben wir nachstehend folgenden Auszug: „Wir dürfen uns mit dem Vorhandensein von Berichten aller Art nicht genügen lassen. Es müssen Wege gefunden werden, das Material von Expertenkommissionen, nationalen und internationalen, zur Durchsicht und zur Ueberprüfung an Ort und Stelle zu gewissenhafter Bearbeitung und als Hinweise auf Arbeitsmethoden zu verlangen. Zur Durchführung einer verantwortlichen, planmäßigen, international-jüdischen Frauen-, Mädchen- und Kinderschutzarbcit (Bekämpfung des Mädchenhandels) bedarf es für den Anfang mindestens vier untereinander verbundener Komitees in Polen, auf dem Balkan (Konstantinopel, Kairo) und in Südamerika, die territorial und lokal ihre Wege zur Aufdeckung der Vorgänge in der Unterwelt suchen müssen. Dabei haben sie selbstverständlich prophylaktisch und im weitesten Sinne erzieherisch (auch auf die öffentliche Meinung) zu wirken. Für die Zusammensetzung dieser Komitees, die Männer und Frauen aus allen Kreisen umfassen müssen, kann nur das Land selbst aus seiner Personalkenntnis entscheiden. Als Wichtigstes und Unabweislichcs fordere ich aber die Einsetzung eines ständigen international-jüdischen Aktionskomitees für die Vertretung der Interessen und zum Schutz von Frauen, Kindern uird Jugendlichen beiderlei Geschlechts. Einzelheiten einer solchen Organisation brauche ich in einem Bericht wie diesem nicht zu entwickeln. Ich würde wünschen, daß die Bildung und Einberufung dieses international-jüdischen Aktionskomitees von der Jewish Association for the Protection of Girls and Women, London, ausginge und im Austausch von Anregungen und Wünschen im lebendigsten Zusammenhang mit Herrn Cohen beim Völkerbund stehen müßte. Diesem Komitee würde es auch obliegen, die Prüfung des Materials für alle Berichte, Presseäußerungen und sonstige Veröffentlichungen zu verlangen. Das internationale Aktionskomitee darf nicht groß sein, um nicht schwerfällig und kostspielig zu werden. Es dürfen ihm nur solche Personen angehören, die sich verpflichten,, wirkliche Arbeit für die Interessenvertretung und den Schutz der Schutzbedürftigen zu tun, und die Arbeit im Kreise chrer Gesinnungs-, Berufs- und Fachgenossen verantwortlich weiterzuLeben und in ihrer Auswirkung zu kontrollieren und zu beleben. So haben die Rabbiner der Welt ihren Anteil an der Bekämpfung des Mädchenhandels und den einschlägigen Materien (Anzeigepflicht, stille Chuppah, Befreiung der dlgunauH, Ueberwindung der Polizeischeu usw.). Die Lehrer haben in der Schule und in der Familie ein aroßes au Märendes und erzieherisches Wirkunaskeld. Die A e r z t e müssen auf die Abolition und die Bedeutung der sozial-hygienischen Aufgaben Hinweisen (Frühehe, Gesundheitszeugnisse vor der Ehe usw.). Die Emigrationsorganisationen und Arbeiterfürsorge stellen haben ihr Augenmerk auf die Schleichwege der illegalen Wanderung der Grenzüberschreitungen zuzuwenden und gewisse Listen zu führen. Die Fr au en o r g a nis a t i o n en haben dafür zu sorgen, daß in Berufs-, Erziehungs- und Schutzfragen die Länder unentwickelter Kultur gefördert werden. Die I u r i st e n müssen die Lage der Staatenlosen individuell von Fall zu Fall (generell wird es mit der Zeit vom Völkerbund erwartet) vertreten. Ausweisungen, Repatriierung sind im Einzelfäll menschlich gut zu lösen. Ein Zentralbüro für internationalen Kinderschutz ist einzurichten (Weltfammelvormundfchaft), damit für die jüdischen Kinder die Deklaration von Genf kein Hohn bleibe. Die Presse aller religiösen und politischen Richtungen ist als ein unentbehrlicher Faktor in den Plan einzubeziehen. All das ist aber nur möglich und wirksam, wenn eine internationale jüdische Stelle als Aktionszen t rum besteht! ' Dieses Komitee müßte sich zum Träger einer sozialen Aufgabe, einer Mission machen, die so vielgestaltig und so ausgedehnt werden müßte wie der Komplex von Vergehen und Verbrechen, Korruption und Degeneration, Ungerechtigkeit und Uebelwollen, Armut und sozialem Zusammenbruch es ist, den wir mit dem Wort Mädchenhandel oft irceführend zu bezeichnen gewohnt sind. Ich wäre glücklich, wenn aus den vorstehenden Gedanken und Anregungen sich der Anfang einer Bewegung finden würde, um zum Heile und zur Ehre der Judenheit von einer Stelle Wort und Tat eins werden zu lassen. Lassen Sie mich noch hinzufügen, daß meiner Ansicht nach für Deutschland die Dinge glücklicherweise so liegen, daß wir eine große Neuorganisation nicht brauchen, daß wir Frauen uns mit einer gut ausgebauten Gefährdetenfürsorge werden genügen können, die vorhandenen Fürsorgestellen für spezielle Aufgaben scharf zu machen und ihnen Richtung zu geben. Dem Innenhandel gegenüber, und was man so nennen muß, genügt die Zusammenarbeit mit den Polizeistellen (Frauenpolizei) und den Emigrationsgesellschaften. Besonderes Augenmerk ist auf die Ostgrenzen und das besetzte Gebiet zu richten, auch dann, wenn numerisch dort wenig zu tun sein wird. ,