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Nachrichtendienst · 1927-04-01 · Heft 6 (April 1927) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nachrichtendienst
Volume
1926-1927
Issue
Heft 6 (April 1927)
Date
1927-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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- 13 - Chajim u. a. verstehen die Lage der Agnnoth' man könne aber ein religiöse!? Gesetz nicht brechen. Die Konferenz schritt nun zur Behandlung des vierten ^rogrammpunktes: Verbreitung der Kenntnis der Gefahren des Mädchenhandels unter jungen Menschen. Frau Paula Ollend 0 rff (Breslau) hielt das Referat und gab ihrer Meinung Ausdruck, daß die Reinheit der amerikanischen Jugend durch das mustergültige häusliche ^Leben und die gute Organisation der Jugendarbeit in L-ettlements und Centers bedingt sei. Sie sei gegen bloße Aufklärung unter der Schuljugend, da eine solche schlummernde Instinkte wecken könnte. Väter und Mütter sollen zu aktiver Mitarbeit herangezogen werden. Miß Carrie Wi s e (New Port) berichtete über das von ihr begründete Heim für e i n g e w a n d e r t e Mädchen. Unter 1400 Mädchen waren nur zwei Fälle bedenklicher Natur. Eine Unze vorbeugenden Schutzes sei besser als ein Pfund Seelsorge. Miß Lily M ontag ue (London) äußerte, die religiöse jüdische Lehre sei ein starker Schutz. In den von ihr gegründeten Klubs lehre sie die Knaben und Mädchen wirkliche Freude an der jüdischen Religion zu finden. Claude G. M o n t e f i o r e führte aus, seitdem Herr und Frau H e n r i q u e s, die bekannten englisch-jüdischen Sozialpioniere, sich in London-East End niedergelassen haben, hätten sich die Verhältnisse gebessert. Er lade die ausländischen Gäste ein, die I u g e n d s i e d l u n g e n des Ehepaares H e n r i q u e s in East End und von Miß M o n t a g u e im westlichen London zu besuchen. Julius Becker (Danzig) referierte über die Schaffung eines Z e n t r a l f o n d s für internationale jüdische Arbeit zum Schutze der Mädchen und Frauen. Der Referent empfahl die sofortige Gründung eines solchen Fonds. Es sei Pflicht der Juden in den höher kultivierten, materiell besser gestellten westeuropäischen Ländern, dazu beizutragen, daß das entsetzliche materielle und moralische Eiend der jüdischen Massen Osteuropas gelindert werde. Generalsekretär S. Cohen beantragte die Veröffentlichung eines Appells an die I ud en h eit der ganzen Welt, den Zentralfonds zu unterstützen. Mehrere Delegierte sprachen in dem gleichen Sinne. Miß S a l a m o n (New Pork) gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die amerikanische Judenheit freigebig den Fonds unterstützen werde. Claude G. M o n t e f i o r e sprach sich dahin aus, daß das Zentralbüro der internationalen jüdischen Konferenz weiter in London verbleibe, da London zwischen dem Osten und dem Westen gelegen sei. Die amerikanische Judenheit sei der reichste und freigebigste Teil der Weltjudcnheit. Der W e st e n müsse dem O st e n helfen. Es folgte der Bericht des Generalsekretärs S. Cohen, der die Vorschläge der Sachverständigenkommission des Völkerbundes über Maßnahmen zum Schutze der Frauen und Kinder behandelt. Die Hauptexportländer der „weißen Sklavinnen" seien "Osteuropa und Frankreich, die Importländer seien hauptsächlich das lateinische Amerika u n d A e g y p t e n. So sehr auch Armut, Rechtsungleichheit, ungünstige Wirtschaftsbedingungen usw. besonders unter den Juden Osteuropas, den Kampf gegen den Mädchenhandel und für seine Opfer erschweren, dürften wir doch nicht ruhen, bis das Nebel ausgerottet ist. „Laßt uns" '— so appellierte der Redner an die Versammlung — „um unseres guten Rufes willen die Arbeit zum Schutze der jüdischen Mädchen und Frauen kräftig sortsetzen. Ich hoffe, die Delegierten werden mit neuer Schaffenskraft in ihre Länder zurückkehren und eine kräftige Propaganda entfalten, so daß jede jüdische Gemeinde es als ihre Pflicht erach en wird, eine Organisation zu schassen, die jedem jüdischen Mädchen Schutz angedeihen läßt und in engstem Kontakt mit dem Zentralbüro der „Jewish Association sor the Protection os Girls and Women" in London steht." Die Ergebnisse der Kons e r e n z. Aus der am 24. ds. beendeten jüdischen Mädrhenschutz- Konferenz wurden folgende Entschlüsse gefaßt: Es ist die G r ü n d n n g v o n j ü 0 i s ch e n G e fett schäften z u m S ch u tz e der M ä d ch e n u n d Fr a u e n in jenen Ländern zu empfehlen, in denen solche Gesellschaften noch nicht existieren. Die Arbeit ist nach den Richtlinien der Londoner Jewish Association for the Protection of Girls and Women zu führen,' alle diese Gesellschaften sind in einem Zentralkomitee vereinigt. Tie Zentralkomitees in jedem einzelnen Lande stehen in direkter Verbindung mit dem Zentralbüro in London, das die Informationen und Statistiken sammelt und sie den verschiedenen Zweig komitees zur Bearbeitung übergibt. In allen Durchwandecerhäfen und Eisenbahngrenzpunkten sollen Büros errichtet werden, in denen reifende jüdische Frauen und Mädchen Rat, Schutz und Beistand finden. Diese Büros hätten auch M ä d ch e n h ä n d l e r zu beobachten und wenn möglich zu entlarven. Die Länderkomitees werden die Kosten des Unterhaltes solcher Büros oder Agenten zu tragen haben. Die Eltern und Vormünder sind durch ge eignete A u f k l ä r u n g auf die ernsten Gefahren aufmerk sam zu machen, die ihren Kindern oder Mündeln drohen., wenn sie E h e n mit il nbek a nute n entgehen. Ausklärende Flugblätter in jiddischer und in anderen Sprachen sollen unter der weiblichen Jugend verteilt werden, um diese zu warnen. Sämtliche R a b b i n e r werden gebeten, durch öffentliche Ankündigungen und andere geeignete Mittel an der Unterdrückung des Mädchenhandels teilzu nehmen. Die Länderkomitees mögen von Fall zu Fall V e r fa m m langen veranstalten, um die öffentlich? M?inu>lg auf die Gefahren hinzuweisen, die der weiblichen jüdischst Jugend von seiten der Mädchenhändler drohen. Die Be schlüsse der Londoner Konferenz seien den jüdischen Gemeinden und Rabbinern mitzuteilen. Die JCA, Alliance Jsraelite, die Anglo Jewish Association, dec Hilsvecein der Deutschen Juden und die Großloge Deutschlands des U.O.B.B. und andere Wohlfahrtsorganifationen werden ersucht, bei der B?r breitung dieses Zirtularschreibens behilflich zu sein. Die große A r m u t innerhalb so vieler großer jüdischer Gemeinschaften erfordert es, daß fortgesetzte und ernsteste Aufmerksamkeit den dec jüdischen Jugend drohenden Ge sahen seitens aller jüdischen Sozialfürsorger zu ge wendet wird, damit Grundsteine für eine bessere Zukunft gelegt werden. Ein Z e n t r a l s o n d s soll von allen Ländern geschaffeit und vom Zentralbüro in London unter Mit Wirkung von Vertretern ans den verschiedenen Ländern verwaltet werden. Die Konferenz schloß mit einem von Rabbiner De. Felix G o l d m a n n gesprochenen G e b e t. (I. T. A.) Am 19. Juni 192? fand in Karlsruhe der diesjährige W o h l f a h r t s t a g d e S Bundes I s r. Wohls a h r t s Vereinigungen in Baden statt. Die Beteiligung aus vielen Gemeinden Badens und ans Karlsruhe war eine rege. Als Gäste waren anwesend der Geschäftsführer der Zentralwvhlfahrtsstelte, Herr Dr. Ollendorss, und Herr Dr. Kreutzberger von der Hauptstelle für Jüd. Wandersürsorge Berlin. Die Verhandlungen nahmen einen sehr angeregten Ver laus. Besonders die beiden Referate von Herrn Rabbiner Dr. Oppenheim-Mannheim und Herrn Bankier Friedrich A. Strauß-Karlsruhe wurden mit größtem Interesse ausgenommen. Herr Dr. Oppenheim berichtete über die Mitglieder Versammlung der Hauptstelle für Jüd. Wandersürsorge,. bei der die Rationalisierung und Prvdnktivierung, die Frage der Schaffung von handwerklichen und landwirtschaftlichen Ar-

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