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Nachrichtendienst · 1927-04-01 · Heft 6 (April 1927) · p. Seite 14

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1926-1927
Issue
Heft 6 (April 1927)
Date
1927-04-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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— 14 — beitsftätten im Vordergrund stand. — Herr Friedrich A. Strauß sprach über „Praktische Wohlfahrtstätigkeit", die heute wirksam nur in umfassender Hilfe, in der Erhaltung und Schaffung von Existenzen bestehen kann. Die Wandlung in den Grundanschauungen der Helfenden und der Bedürftigen erfordert ein eingehendes Studium und Verständnis. Ein wirtlicher Erfolg der Fürsorgearbeit kann nur durch Zusammenschluß und Miteinanderarbeiten aller interessierten Kräfte erreicht werden. Tätigkeits- und Kassenbericht wurden mit Befriedigung entgegengenommen und manche Anregungen für die künftige Arbeit gegeben. Die Kredit- und Darlehensvermittlung möge ausgebaut, die Unterstützung zu den Feiertagen erweitert, die .Hilfe an verschämte Arme in besonders diskreter Form gewährt werden. Dem Pflegekinderwesen und der vorbeugenden Tuberkulofenfürsorge soll erhöhtes Augenmerk geschenkt werden. In Bezug auf die Wanderfürsorge kam man zu folgendem Ergebnis: Eine straffe Zentralisierung in Baden und der Pfalz ist unbedingt erforderlich, einmal im Interesse der zweckmäßigen Beförderung der Wanderer, zum anderen wegen der Möglichkeit zur Produktivierung der Wanderer, bei der zunächst größere Mittel zur Beschaffung oder Ergänzung der Ausweispapiere, zur Fühlungnahme mit Verwandten und auswärtigen Arbeitsstellen, sowie die Versorgung der Wanderer während der Wartezeit gehören. — Zur Beratung der Durchführung und Mittelbefchaffung wurde ein Ausschuß gebildet, der inzwischen bereits zusammengetreten ist und Richtsätze ausgearbeitet hat. Die Wahlen ergaben die Aufnahme einer Reihe von Persönlichkeiten, die sich um die jüdische Wohlfahrtsarbeit bereits verdient gemacht haben, in den Vorstand und in den Wohlfahrtsrat. Ein neugewählter engerer Arbeitsausschuß, der auch als Wohlfahrtsausschuß des Bad. Oberrats der Israeliten bestätigt wurde, soll die Tätigkeit aktiv gestalten. Von den anwesenden Ortsgruppenvorsitzenden und Vertrauensleuten wurde die Möglichkeit der persönlichen Fühlungnahme im Interesse einer verständnisvollen Zusammenarbeit besonders begrüßt. Ueber die Ausbildung und Fortbildung der beruflich tätigen Kräfte in der Jugendwohlfahrtspflege fand Ende Juni eine zweitägige, zahlreich besuchte Konferenz in Potsdam statt, die vom Deutschen Archiv für Jugendwohlfahrt veranstaltet war. Die Konferenz, die durch einen Vorbericht (Verlag Herbig, Berlin) vorbereitet war, behandelte am 1. Tage die Frage der Aus- und Fortbildung der leitenden Beamten und des Verwaltungspersonals in den Jugendämtern und der sozialpflegerischen Kräfte von allgemeinen Gesichtspunkten aus. Am 2. Tage wurde über die Aus- und Fortbildung auf einigen Sondergebieten der Jugendwohlfahrtspflege (der Anstalts-, Gefährdeten-, Psychopathen- und Erholungsfürsorge) beraten. Zu verschiedenen Fragen sprach Fräulein Karminsti auf Grund der bisherigen Erfahrungen in der Aus- und Fortbildung für jüdische Arbeit. Einen ausführlichen Bericht stellt die Z.W.St. auf Wunsch gern zur Verfügung. Bei der Hauptversammlung des Reichsverba n d c s für Gerichtshilfe, ^Gesange nen- und Entl afs e n cn fü rs o r g e, die anfangs Juni in Augsburg stattgefunden hat, hat Herr Rabbiner Dr. Grünfeld, Augsburg die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden vertreten. Den Mittelpunkt dieser Tagung bildete ein Vortrag über den Entwurf zu einem Strafvollzugsgesetz. Ein Bericht ist in den Monatsblättern des Deutschen Reichsverbandes sür Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge, Hamburg 22, Bürgerstraße 21, erschienen. 4 Die deutsche Zentrale für freie Jugendwohlfahrt gibt davon Kenntnis, daß bei einer Anzahl amerikanischer Lwzialbeamten der Wunsch nach einer internationalen Zusammen kunft von Wohlfahrts- und Sozialbeamten besteht, die — genügend große Beteiligung vorausgesetzt — vom 29. August bis 5. September in Genf stattfinden soll. Der letzte Anmeidetermin ist der 10. August. Anfragen und Anmeldungen von jüdischen Wohlfahrtsbeamten werden an die Z.W.St. erbeten. Die Vereinigung für Jugendgerichte und I u g e n d g e r i ch t s h i l f e n veranstaltet vom 8. bis 10. September d. Js. den 7. D e u t s ch e n I u g e n d g e r i ch t s - tag in Stuttgart Württemberg. Das in der Tagung zu bearbeitende Thema lautet: „Die Durchführung des Jugendgerichtsges e tz e s als P e r f o n e n f r a g e". Nach einem einleitenden Vortrag von Prof. Dr. Aloys Fischer-München: „Der Wert der Persönlichkeit in der Jugendstrafrechtspflege" folgen Referate von: Amtsgerichtsrat C l o st e r m a n n - Bonn: „Der Jugendrichter"; Prof. Dr. M ü l l er-H eß - Bonn: „Der Jugendgerichtsarzt"; Staatsanwalt Dr. M a y - Darmstadt: „Der Jugendstaatsanwalt"; Stadtrat Friedländer - Berlin: „Der Leiter der Jugendgerichtshilfe"; Fräulein Zilkken-Dortmund: „Der Jugendgerichtshelfer"; Direktor B l eid t-Wittlich Mosel: „Der Strafvollzugsbeamte". Teilnehmergebührt Mk. 4,—. Anmeldungen schon jetzt erbeten an Fräulein Elsa v. Liszt, Charlottenburg, Hardenbergstraße 19. In der ersten Hälfte des Monats Juli 1928 finden aneinander anschließend drei große internationale Fürsorge-Kongresse statt, und zwar tagt vom 2.-5. Juli der Congres international de Protection de l'Enfance, v. 5. bis 8. Juli der Congres international d'Afsistance publique et privee, der bereits in den Jahren 1889, 1896, 1900, 1906 und 1910 getagt hat. Den Schluß bildet eine Conference internationale du service social vom 8. bis 12. Juli statt. Diese findet in der Hauptsache zur Wiederanbahnung internationaler Kongresse auf dem Gebiet der sozialen Arbeit statt. Diese Conference internationale du service social wird in 5 Sektionen tagen. 1. Sektion: Allgemeine Organisation der sozialen Arbeit; 2. Sektion: Schulung in der sozialen Arbeit; 3. Sektion: Methoden der sozialen Arbeit; 4. Sektion: Familie und Industrie; 5. Sektion: soziale Arbeit und soziale Hygiene. In den Deutschen Landesausschuß der Conference internationale du service social wurden als Vertreter der Z.W.St. der Vorsitzende Rabbiner Dr. Baeck und der Geschäftsführer Dr. Ollendorff gewählt.

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