Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 6 (April 1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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-11 - Beuthe n. Jüdische Haushattungsschule. Bericht vom 1. 4. 1926 bis 31. 3. 1927. In der seit zwei Jahren bestehenden Haushaltungsschule erhalten zunächst die Mädchen der ersten Klasse der Volksschule hauswirtschastlichen praktischen und theoretischen Unterricht. Ferner wurden für schulentlassene Mädchen hauswirtschaftliche Lehrgänge eingerichtet, deren Dauer je sechs Monate betrug. Die Teilnehmerzahl betrug 14 Mädchen. Am 1. Oktober 1926 wurde ein Handarbeitskursus eröffnet, der Weißnähen, Ausbesserungsardeiten und Kunsthandarbeiten umfaßte, insgesamt nahmen 12 erwerbslose Mädchen an diesem Kursus, der ein halbes Jahr dauerte, und wöchentlich 20 Stunden umfaßte, teil. Eine weitere Ausgestaltung sollen diese Kurse demnächst finden. Es fanden auch zwei Plättkurse für Glanzplätten statt. Sonntags- und Abendkurse sind beabsichtigt. Da die Teilnehmerinnen vornehmlich aus Kreisen der ärmeren jüdischen Bevölkerung stammen, wird Wert darauf gelegt, daß der Unterricht gratis erteilt wird und daß möglichst auch die Kosten des Wirtschaftsgeldes anderweitig übernommen werden, sodaß die Kursteilnehmerinnen nur ganz kleine Beiträge zu leisten haben. Die Einnahmen betrugen 1926 920 Mark, die Ausgaben 2351,18- Mark. Geleitet wird die Haushaltungsschule von einer technischen Lehrerin. Hannover. Vereinigte Waisenhäuser der Synagogengemeinde. Bericht für das Jahr 1926. In dem Waisenhaus befanden sich in der Berichtszeit 10 Kinder. Der Gesundheitszustand ist sehr gut. Auffallend ist die geringe Zahl der Krankheitstage, insgesamt 22 im ganzen Jahre (im vorigen Jahre 84). Zur gesundheitlichen Förderung wurden Turn- und Spielgeräte beschafft, der Spielplatz vergrößert und Gartenbeete zur Selbstbepflanzung durch die Kinder angelegt. Im Mai 1926 waren alle Kinder zur Erholung an der See. Im Heim besteht eine Arbeitsteilung. Jedes Kind hat sein tägliches Amt, und es wird auf die Erfüllung der übernommenen Pflichten genau gesehen. Nach dem Bericht der Leiterin des Heimes wird besonderer Wert darauf gelegt, im Heim den Charakter der Familie aufrecht ..zu erhalten, was ja bei der geringen Zahl der Kinder leicht durchführbar ist. Die Einnahmen des Heimes betrugen 1926 ca. 10000 Mark, die Ausgaben ca. 11000 Mark. Königsberg i. Preußen. Israelitisches Waisenhaus für Stadt und Provinz. Als 85. Bericht veröffentlicht das Waisenhaus einen Tätigkeitsbericht für die Zeit von 1921 bis 1926. Tie Zahl der betreuten Kinder war in den letzten Jahren regelmäßig zwischen 25 und 30. Ausgenommen werden Kinber, die im Sinne des R.J.W.G. hilfsbedürftig sind. Bon den Kindern werden die verschiedenen Schulen in Königsberg besucht. Zur Entlassung kamen in der Berichtszeit 33 Zöglinge, welche verschiedene Berufe ergriffen haben. In dem Bericht heißt es u. a.: „Die veränderten Bestimmungen der öffentlichen Jugendwohlfahrt und neu hervorgetretene praktische Bedürfnisse in der Jugendpflege haben uns in der Berichtszeit zu mehreren bedeutsamen Aendecungen auch in den Fürsorgebestimmunzen unserer Anstaltfatzung veranlaßt. Das Ausnahmealter für Zöglinge ist aus das vollendete zweite Lebensjahr herabgesetzt worden. Der Begriff „Waisen" hat nun auch in der Satzung unserer Anstalt die Deutung erhalten, die das treue Jugendwchlsahrtsge.etz ihm gibt, wonach nicht nur elternlose Kinder, sondern alle Arten von Hufsbeoürftigen Kindern darunter zu verstehen sind. Wir glauben durch diese zwecklichen Erweiterungen die.Bedeutung unserer Anstalt erhöht und sie für die praktischen Bedürfnisse unserer jüdischen ^Jugendpflege nutzbarer gemacht zu haben. Eine schöne Ergänzung der Erziehungsarbeit unserer Anstalt sehen wir in dem vom Jüdischen Frauenbund unserer Gemeinde unterhaltenen und von einem ehemaligen Zögling unseres Waisenhauses geleiteten „Jüdischen Kindergarten", für den wir Räume unseres Hauses unentgeltlich bereit gestellt haben." — Die Mittel werden in erster Linie durch Mitgliedsbeiträge, besondere Veranstaltungen, Zinsen arcs Stiftungen und Uebernahme von Patenschaften aufgebracht. Bemerkenswert ist die große Zahl von Stiftungen, die dem Waisenhaus zugute kommen. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1926 33 256,02 Mark, die Ausgaben 37 356,97 Mark. Berichtigung: Von der Abteilung Jugendhilfe des Wohlfahrtsamtes der israelitischen Kultusgemeiude M ü u ch e u wurden im Jahre 1926 126 Kinder zur Erholung verschickt. (Siehe letzten Nachrichtendienst Seite 10.) IX. Veranstaltungen (Tagungen, rehrgange ulw.j Bei einer Tagung des A l l g e m e i n e u Deutschen Rabbinerverbandes am 24. Mai fand auck eine Sitzung feines Sozialen Ausschusses statt, bei welcher auf die Notwendigkeit des Ausbaus der jüdischen Gefangenen- und Strasentlafsenenfürsorge hingewiesen wurde. Gewünscht wurde vor allem, die Koscherverpflegung in Gefäugnissen auch außerhalb der Pessachfeiertage durrhzusühren und jüdische Gefangene möglichst in bestimmten Anstalten zusammenzulegen. Die Mitgliederversammlung der H a u p t st e l l e fürjüdische Wauderfür sorge, die im Mai d. Js. stattfand, war dem Problem der P r o d u k t i v i e r u n g der jüdischen Wanderung gewidmet. Der erste Referent, Herr Berger, wies daraus hin, daß es sich bei der modernen Wandersürsorge nicht um Wand er a r m e n sürsorge, sondern um eine sozialpolitische Arbeit handelt. Ec zeigte ferner die sozialökonomischen Ursachen der jüdischen Wanderung aus, zeichnete ihre internationale Verflochtenheit und gab eine Charakteristik der jüdischen Wanderer, unter welchen wir den Typ dec berufsmäßigen Landstreicher nicht finden. Er berichtete ferner, daß unter den jüdischen Wanderern 30 bis 40 »o Deutsche sind. Er forderte unter den Fürsorge Maßnahmen entsprechend: l. die Pflege enger Beziehungen mit internationalen Organisationen, 2. die Errichtung von Arbeiterkolouien, 3. einen Ausbau der schon im Jahre 1894 von der Gcoßloge angeregten Arbeitsnachweise, 4. eine sorgfältige Ausstellung von Warnungslisteu. Herr C a s p a r y machte sodann in einem weiteren Referat aus eine Reihe von Verwendungsmöglichkeiten der Wanderer im Rahmen der Wohlfahrtsarbeit der jüdischen Gemeinde aufmerksam (die Peah des Jüdischen Wohlfahrtsamtes Berlin beschäftigt z. B. 60 Wanderer) und wies vor allem auf das S o n d erprobtem des jugendlichen Wanderers hin, das besondere Beachtung erfordert. Den Schluß der Referate bildeten die Ausführungen von Herrn Adler-Rudel, der auf die Notwendigkeit der Errichtung einer landwirtschaftlichen A r b e i t e r k o l o n i e hiuwies. Mit diesem Gedanken, der durch vorgelegte Gutachten bereits etwas greifbarere Gestaltgewonnen hatte, beschäftigte sich die Tistum'on. Es wurde eine Resolution gefaßt, nach welcher drei Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge verpflichtet wurde, baldmöglichst weitere Schritte in dieser Angelegenheit zu unternehmen. lieber die Tagung, die von öffentlicher und jüdischer Seite gut besucht war, ist von der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge (Auguststraße 17) ein besonderer Bericht in Nr. 1 der Zeitschrift „Jüd. Arbeits- und Wandersürsorge" veröffentlicht worden. Auch die oben erwähnten Gutachten sind dort zu erhalten. Am 3. Juli d. Js. fand in Köln Rhein die gutbesuchte diesjährige Generalversammlung des Bundes jüdischer Kranken- und Pslegean st alten Deutschlands unter tatkräftiger Mitwirkung der Zentralwohlfahrtsstelle der