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Nachrichtendienst · 1927-04-01 · Heft 6 (April 1927) · p. Seite 3

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1926-1927
Issue
Heft 6 (April 1927)
Date
1927-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 Flugblattes, dem in Zusammenarbeit mit den Gemeindevorständen, dem Rabbiner- und Lehrer-Verband eine möglichst weite Verbreitung gegeben werden soll. Eine Konferenz aller jüdischen Organisationen soll zur Beratung über Maß-- nahmen gegen Taufen, Austritte und Mischehen einberufen werden. Bei Erörterung der Gefahren des Geburtenrückgangs wurde die Stimmung geschildert, die heute unter den werdenden Müttern, besonders in der proletarischen Bevölkerung, herrsche, so daß nicht mehr von ..hoffenden" Müttern, sondern von „verzweifelnden" Müttern gesprochen werden müsse. Es soll bei Aufklärung der Bevölkerung darauf hingewiesen werden, daß z. B. im Alter kinderreiche Personen niemals in eine so schlimme Lage kommen könnten wie solche mit wenigen Kindern, daß besonders tüchtige und berühmte Männer oft das dritte, vierte oder fünfte Kind einer großen Familie waren. Außerdem soll betont werden, daß die Bedeutung der Juden für das wirtschaftliche und kulturelle Leben Deutschlands im Rückgang begriffen sei, weil der Nachwuchs fehle. Der Rat soll gebeten werden, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die jüdischen Gemeinden, besonders die Großgemeinden, durch die Gründung von Kommissionen für Wohnungsfürsorge und W o h n u n g s b e s ch a f - f u n g und die Unterstützung öffentlicher Wohnungsfürsorgemaßnahmen den schweren Mißständen abzuhelfen suchen, aus der Wohnungsnot innerhalb der jüdischen Bevölkerung entstanden sind. Für eine Anzahl jüdischer Einrichtungen und Fürsorgemaßnahmen wurden Vorschüsse bewilligt, bzw. Subventionen in Aussicht gestellt. In Verbindung hiermit wurden Richtlinien für die Verteilung der Subventionen (vgl. nachstehend) endgültig festgestellt. Für die Verteilung von Subventionen wurden die nachstehenden, von Herrn Caspary und Herrn Dr. Ollendorff ausgearbeiteten Richtlinien mit wenigen Aenderungen angenommen: I. Grundsätzliches. Es sind grundsätzlich nur überörtliche, und zwar Reichs- (bzw. preußische) Organisationen und Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege zu berücksichtigen. Bei gleichgerichteten und verwandten Einrichtungen ist allmählich und organisch auf engere Zusammenarbeit und Verbindung im Interesse der Klarheit des Aufbaues und der Ersparung von Kosten hinzuwirken. Oertliche bzw. provinzielle Organisationen und Einrichtungen sind hiernach nur in ganz besonderen Ausnahmefällen zu unterstützen, und zwar nur dann, wenn es sich: a) entweder um einen dringenden vorübergehenden, nicht anders behebbaren Notstand handelt, ohne dessen Behebung eine für die Gesamtheit wertvolle Einrichtung gefährdet wäre, oder b) wenn es sich um einen Sonderfall eines wertvollen wohlfahrtspflegerischen Versuchs handelt, ebenfalls für eine vorübergehende Zeit dieses Versuchs. II. G r u p p e n e i n t e i l u n g. Unter Wahrung dieser Grundsätze zu I sollen für die Bestimmung der V e r t e i l u n g s b e t r ä g e in sachlicher Hinsicht folgende Hauptgruppen gebildet werden: A. 1. Allgemeine Organisationen. 2. Allgemeine Zwecke (z. B. Förderung der Bevölkerungs- Politik, der Wohlfahrtshäuserbewegung, des sozialen Ausbildungswesens). B. Besondere Organisationen und Zwecke. 1. W i r t s ch a f t s f ü r s o r g e und Sozialpolitik a) Altershilfe, b) Hilfe für die geistigen Berufe, c) Förderung des Darlehnskasfenwesens, d) Berufsberatung und -Ausbildung, e) Arbeitsnachweis, f) Erwerbslosenfürsorge, g) Wanderfürsorge einschl. Wanderarbeitsstätten, 2. Jugendfürsorge und G e f ä h r d e t e n f ü r - sorg e. a) Förderung der Fürsorgeerziehung, b) Psychopathenfürsorge, c) Mädchen- und Frauenschutz (einschl. Bahnhofshilfe. Gefährdeten- und Bewahrungsheime), d) Gefangenenfürsorge. 3. K i n d e r - und Jugendpflege u u b Förderung der Jugendbewegung. 4. Gesundheitsfürsorge. a) Tuberkulosenfürsorge, b) Heilstätten- und Erwerbslosenfürsorge, c) Pflegeanstalten (einschl. Siechenhäuser und Förderung der Jrrenfürsorge). III. Verfahre n. Die Beschlußfassung über die Bewilligung soll vorbereitet werden durch genaue Feststellung von Art und Umfang der Leistungen, ferner des Etats für das abgelanfene und laufende Jahr, sowie des Vermögensstandes und des besonderen Grundes für den Zusatzantrag. (Vorgenannte Darstellungen und Unterlagen sind durch die Anstalten selbst beizubringen.- Ferner sollen durch die Archive der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden (bzw. der ihr angeschlossenen Landes und Provinzialwohlfahrtsverbände), das Archiv für Wohlfahrtspflege, durch das Wohlfahrts- und Jugendamt der jüdischen Gemeinde Berlin nsw. möglichst genaue Unter lagen über die sonst erfolgten Zuschüsse und Bewilligungen herbeigeschafft werden, wobei besonderer Wert aus die Feststellung zu legen ist, daß volle Heranziehung der Beträge alter in Frage kommenden öffentlichen Stellen erfolgt. Der Referent soll das Ergebnis seiner Feststellungen und seinen Vorschlag vor der Sitzung in einem kurzen Bericht schriftlich niederlegen. Bewilligt wurden in dieser Sitzung Vorschüsse für die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die Hauptstelle für Wanderfürsorge, den sozialen Ausschuß des Rabbinerverbandes für Gefangenenfürsorge, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, für das Arbeiterfürsorge-Aint und eine Anzahl jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen. Ferner beschloß der Wohlfahrtsausschuß, eine Kommission zur Verteilung von Stipendien an solche, die sich für soziale Berufe ausbilden wollen, einzufetzen. — Seit Herausgabe der letzten Nummer des Nachrichtendienstes fanden folgende T a g u n g e n unter Teilnahme oou Vertretern der Z.W.St. im Reiche statt: Bei der Generalversammlung des Provinzialverbandes für j ü d i - sche Wohlfahrtspflege in Sachsen-Anhalt in Magdeburg standen im Mittelpunkt die Beratungen über Wanderfürsorge, deren Organisation noch auf Schwierigkeiten stößt. Von der Z.W.St. nahm an dieser Tagung Herr Dr. Ollendorff teil. In M a r b u r g fand die Jahresversammlung des Landesverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau statt. Bei dieser Tagung sprach Dr. Ollendorfs über „Die grundlegenden Reformen in der jüdischen Wohlfahrtspflege". Den Geschäftsbericht erstattete Dr. Berget, und über die Entwicklung der Wanderfürsorge im Bezirke des Landesverbandes referierte Herr Benjamin. Diese Tagung ebenso wie die des Provinzial Verbandes f ü r jüdische WohlfahrtspflegeHannover-Braunschweig-Oldenbürg, die im Mai in Hannover staltfand, und aus der u. a. Dr. Ollendorff ebenfalls referierte, war von Vertretern der angeschlossenen Gemeinden außerordentlich rege besucht. Am 29. Mai fand die Mitgliederversammlung des W ü r t - tembergischeu Landesverbandes für israelitische Wohlfahrtspflege in Stuttgart statt. Auch diese Tagung beschäftigte sich in erster Linie mit den Fragen der jüdischen Wanderfürsorge bzw. mit der im Mai stattge-

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