Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 5 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- 10 - Geplant ist die Angliederung eines Mittelstandskindergartens. Berichte jüdischer Wohlfahrtsämter. Die Wohlfahrtsstelle der Synagogengemeinde Magdeburg gibt einen Halbjahresbericht über ihre Tätigkeit (1. 4.—30. 9. 26). Die Wohlfahrtsstelle betreute insgesamt 70 Familien und zahlte in 143 Fällen Unterstützungen. Es wurden hierfür 4 418 Mark ausgegeben (ca. 3000 Mark vom Gemeindeetat, der Rest durch Spenden aufgebracht). Auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge wurden in 25 Fällen Krankenhaus, Arzt und Medikamente sowie Pflegerin vermittelt. 8 Personen, darunter 2 Kinder, wurden zur Erholung verschickt. Die Darlehnskasse gibt unverzinsliche Darlehen gegen ausreichende Sicherheiten. In 100 Fällen wurde die Kleiderkammer in Anspruch genommen. Im Rahmen der allgemeinen Wohlfahrtspflege wird auch Arbeitsvermittlung geübt. Vor allem wird Gelegenheitsarbeitern Verdienst nachgewiesen. In der Jugendfürsorge findet eine besonders starke Zusammenarbeit mit der öffentlichen Fürsorge statt. * Bericht über die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes der Israelitischen Kultusgemeinde in München. Vor dem Sozialen Ausschuß der Gemeinden im Oktober 1926 wurde folgender Tätigkeitsbericht erstattet: Die Arbeit ist auf 3 Abteilungen verteilt: Abteilung A befaßt sich mit den durch Alter und Krankheit dauernd Erwerbsunfähigen, die laufend unterstützt werden müssen, desgl. mit den Durchwanderern. Abteilung B mit solchen, die vorübergehender Unterstützung bedürfen, und bei denen die Möglichkeit gegeben ist, daß sie wieder zu wirtschaftlicher Selbständigkeit gelangen. Abteilung C mit der Jugendfürsorge. Im Berichtsjahr 1926 wurden in Abteilung A durchschnittlich 96 Personen mit 2 369 Mark unterstützt. Bei der Festsetzung der Unterstützungen wurde die Höhe der städti schcn Beihilfen zugrunde gelegt. Die Zahl der monatlich unterstützten Durchwanderer beträgt ca. 56, wofür ca. 700 Mark monatlich aufgewendet werden. Die Hilfe für die vorübergehend Unterstützten in Abteilung B besteht nicht nur in Geldzuwendungen, sondern erstreckt sich vor allen Dingen auf eine produktive Fürsorge (Beschaffung von Arbeit, Darlehn etc.). Durchschnittliche beträgt der Sprechstundenbesuch monatlich 477 Personen. Davon werden-durchschnittlich monatlich 91 Familien unterstützt. Der mit deni Wohlfahrtsamt verbundene Stellennachweis hat sich im Berichtsjahr sehr günstig entwickelt. So war es möglich. 31 Prozent der gemeldeten Arbeitsuchenden in Stellen unterzubringen. Geplant ist eine großzügige Hilfe für die Erwerbslosen durch Einrichtung von Pea-Werkstätten. Die Ausgaben für die durch Abteilung B Befürsorgten beträgt im Monat durchschnittlich 4000 Mark. Besonders eingehend wird über Abteilung C Jugendfürsorge berichtet. Für das Etatjahr 1926 waren 7000 Mark für Jugendfürsorge besonders eingesetzt. Bis Oktober waren jedoch schon über 8500 Wäark verausgabt. Bis Oktober 1926 wurden 202 Kinder betreut. 26 Kinder wurden zur Erholung verschickt. Für die Erholungsfürsorge allein wurden 1000 Mark ausgegeben. In einer Anzahl von Fällen werden regelmäßig kleinere Erziehungs- und Äusbildungsbeihilfen gewährt. 2 Kinder mußten in Familienpflege, 6 in dem neuen Kinderheim in der Antonienstraße für dauernd untergebracht werden. Die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung wird immer mehr ausgebaut. So konnten bis Oktober 1926 21 Jugendliche in Lehrstellen untergebracht werden. Im Gemeindeetat für 1926 sind für das Wohlfahrtsamt inkl. Jugendfürsorge 52 000 Mark eingesetzt mit einer Nachbewilligung von 5000 Mark, das sind zusammen 11,5 Prozent des Gemeindeetats. Die Büroräume, das Büromaterial etc. werden von der Gemeinde gestellt, außerdem übernimmt die Gemeinde monatlich 1020 Mark für Gehälter für die Angestellten des Wohlfahrtsamtes. (Die Berichte werden fortgesetzt.) * Bedauerlicherweise fehlen immer noch von einer größeren Anzahl von Vereinen die ausgefüllten rosa Fragebogen. Da wir beabsichtigen, baldigst eine Zusammenstellung eines Katasters der Einrichtungen der offenen Fürsorge herauszugeben, bitten wir dringend um baldige Uebersendung der Fragebogen und des gesamten Materials. Es liegt im eigensten Interesse der Einrichtungen, daß unser Archiv vollständig ist, und wir erschöpfende Auskünfte zu erteilen in der Lage sind. angegangene Sucher und Zeitfdjriften Das Deutsche Ausländerrecht. Seit Jahren macht fidj; der Mangel einer kommentierten Zusammenfassung des deutschen Ausländerrechts geltend. Die Rechtsmaterie war im Laufe der Zeit auf den verschiedensten Gebieten, fei es Ausweisungs- oder Paßrecht, Arbeits^ oder Fürsorgerecht, derartig gewachsen, daß es außerordentlich! schwierig war, sich einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand des deutschen Ausländerrechts zu verschaffen. „Das deutsche Aus länderrecht" von Dr. Fraustädter und Dr. Kreutzberger (Guttentag'cheSammlung deutscher Reichsgesetze, Band 166, Verlag Walter de Gruyter u. Co.) bringt zum erstenmal eine völlige Zusammenstellung dieser schwierigen Rechtsmaterie. Das Werk berücksichtigt Aufenthalts- und Ausweisungsrecht, Paß- und Staatsangehörigkeitsrecht, Arbeits- und Fürsorgerecht, Gewerbe- und Strafrecht, Ehe- und Kindschaftsrecht, Sozialversicherung und sonstige für den in Deutschland lebenden Ausländer wichtige Bestimmungen. Ein ausführlicher Handkommentar sowie ein ausgedehntes Sachregister erleichtern wesentlich die Benutzung des Buches. In' jiddischer Sprache erscheint seit kurzem eine Zeitschrift „Der Jossem" (Der Waisenknabe), Monatsschrift für Waisenfürsorge und Erziehung, herausgegeben von dem Internat für jüdische Kinder in Helenöwick bei Lodz und dem Frauenschutzverein Lodz. Die Zeitschrift gibt durch Aufsätze theoretischer Art und durch Berichte üben praktische Tätigkeit einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der Wohlfahrtspflege in Lodz. Aus dem Inhalt der beiden vorliegenden Nummern erwähnen wir Aussätze über „Die physische Entwicklung der jüdischen Kinder", „Die Konsequenzen der Scheidung unter Juden", über das „Findelhäus für jüdische Kinder in Lodz", über den „Frauenhandel". Interessant ist u. a. ein Tätigkeitsbericht des jüdischen Frauenschutzvereins in Lodz, welcher folgende Abteilungen hat: Arbeitsvermittlungsbüro, Auskunftsbüro, Internat, Emigrationsabteilung, Rechtsschutzabteilung, Unterstützungskafse, Darlehns- und Sparkasse und Asyl. Die Berichte über die Tätigkeit dieser einzelnen Abteilungen wie auch die Berichte über andere Einrichtungen und Organisationen des Landes enthalten manche Anregungen für unsere Arbeit in Deutschland. Die jüdische Kinder Hilfe Berlin veröffentlicht einen Bericht über die Tätigkeit des heilpädagogischen Ambulatoriums für die Zeit von 1923 bis 1925. Der Bericht, den der Leiter dieses Ambulatoriums, Herr Prof. Dr. med. Fr. Schneersou, herausgibt, geht weit über einen der üblichen Tätigkeitsberichte heraus durch die grundsätzliche Betrachtung der Arbeit und die wissenschaftlich interessante Darstellung der Untersuchungsmethoden, sowie auch durch eine Tabelle über die statistischen Ergebnisse. Der Inhalt ist folgender;