Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 5 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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- s grundsätzlich?» Fragen aus Grund des velr. Ministerialerlasses (Erlas; betr. praktischer Uebnng vor Eintritt in den Jngendleiterinnenknrsus des Preußischen Ministeriums' der geistlichen und Untcrrichtsangelegenheiten von 1016) kurz er läuterr werden. Das Mindestmaß für die praktische Betätigung ist ein Jahr. Tie Betätigung kann au Kindergärten oder Kinder Heimen stattsiuden. Eine Betätigung im Kinderkrankenhaus, in der Krippe, in Kinderleschallen, bei Ferienspielen und Ferienkolonien, in einem Privatkindergarten, in Anstalten für Nichtvollunnige, Schwachbefähigte und Krüppel, kann nur teilweise nach Prüfung aller einschlägigen Verhältnisse in Anrechnung gebracht werden. Die Tätigkeit der Bewerberinnen muß umfassen: a) die Anleitung der Kinder bei Spiel nud Arbeit. b) Ausstellung von Arbeitsplänen. c) Führung von Listen und Abrechnungsbüchern. dl Uebernahme 'von besonderen Aufträgen, wie z. B. Fürwrge für den Ma-erialschrauk. Wäsche- und Spielschrank. e) Beteiligllng an der Herstellung der Kiuderspeisung, an der Kinderspeisuug und an der Körperpflege der Kinder. W ü u f ch e u s w e r t ist: 1. die Teil nehme an El ent- und Müuerabead.n. 2. mit Vorsicht anzuwendende Beteiligung an Hausbesuchen an den Kindern. Dazu bemerkt das Archiv für Jugendwohlfahrt u. a., daß aus Grund des Ministerialerlasses eine sachverständige Oberleitung mit reicher päd-egigi'chec Erfahrung die Ausbildung der Bewerberinnen zu leiten hat. In der Regel wird eine I u g e n d l e i t e r i n rn i t an e h r j ä h r i g e r P r a r i s die Anleitung zu übernehmen haben. Daneben werden aber auch Persönlichkeiten, die eine andersartige a b g e s ch l o s 1 e u e pädagvgi s ch e A u s b i l d u n g und r e i ch e p r a k tische Erfahrung? u anszuwnsen haben, mit der 2hi leituug betraut und "für deren systematische Durchführung verantwortlich gemacht werden kö-nueu. Von Bedeutung für die Anerkennung als Vorbereitnngszeit in dem vorgefchriebeneir Sinne ist noch, daß die Fahl der einer Leitung unterstehenden Praktikantinnen nicht zu hoch fein darf, um damit die Gewähr für eine tatsächlich gute und vielseitige Ausbildung zu sichern. ES muß also auf Grund dieser Kommentierung des Erlasses nicht unbedingt eine fachlich geprüfte Jugendleiterin die Aus bilduug leiten. Diejenigen Einrichtungen, die den genannten Bestimmungen zu entsprechen glauben, werden gut daran tun. sich di? Genehmigung zur Ausbildung von Praktikantinnen zu verschaffen. ES wäre im Interesse eines gut ausgebildeten Nachwuchses wünschenswert, daß sich recht viele Praktikanten stellen finden, damit künftige Jugendleiterianen schon während der Ausbildungszeit jüdische Einrichtungen kennen lernen. Bor kurzem wurde in einem Bericht an das Reichs arbeitsministerinm festgestellt, daß in 17 Städten von 2;' jüdischen Organisationen 2 8 K u r s.e u n D Lehr g ä n g c in der Feit vom Juni 1021 bis 1. Januar 1027 veranstalte! wurden, um die beruflich tun freiwillig tätige soziale Helferschaft in das Reichsfürsorgerecht einzusühreu. Erfreulicherweise haben auch neuerdings wiederum einige jüdische Wohlfahrtsämter und Gemeinden für die Schul u u g b e r u f l i ch e r und freiwilliger .Helfer für die Mit arbeit in der Wohlfahrtspflege Kurse von längerer Zeitdauer eingerichtet, so z. B. Breslau. (Die Themen des Kursus sind folgende: Aerzlliche Grundlagen der .Heilpädagogik, ärztliche Bemerkungen zu modernen psychologischen Theorie i, Ein führung in die heilpädagogische Unterrichts- und Erziehungsarbeit, Jugendgericht und Jugendfürsorge, Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege.) M ü n ch e n hat eine Arbeitsgemeinschaft über ,,Sozial? Diagnose" abg-halten. Es sollte durch diese Arbeitsgemeinschaft versucht werden, 1. das Typische im Fall zu erfassen. Dazu wurde die Methode zur Erfassung der Persönlichkeit besprochen. 2. wurde über soziale Diagnose vom Standpunkt der Berufsberatung aus gesprochen. Nähere Auskunft über die Kurse erteilt die Geschäftsstelle. Bei Veranstaltung von Kurseu^empfiehtt die Zentralwohl fahrtsstelte einen A l l a s f ü r S ä u g! i u g s f ü r f o r g e, der von der Aroeilsgemein'chaft fozialhygieuifcher Reichsfactp verbände herausgegeben worden ist. Der Atlas bringt zahl reiches Bildermatecial zur Säugling.'- und KleinkinLecmp'ocge. Die Zentralwohlfahrtsftells stellt den Atlas bei Beraustalluugeu von Kursen ebenso wie anderes Lehrmaterial gern leihweise zur Verfügung. Aus dem flnftaltsardUD N c n c t u c i ch t u n g e u und V e r ä iibcru ti g e u. 61 l eilvi y : Die Syuagvgeugemeinde Glciwitz hat ein jnd'l sches Altersheim mit 50 Betten begründet. In dem Altersheim werden Männer und Frauen, die das 60. Le beusjohr erreicht haben, aufgeuoiumeu. Die Aufnahme gebühr beträgt für diejenigen Insassen, die ein Zimmer für sich beanspruchen, 7-50 Mark, für diejenigen, die ein Zimmer mit einer anderen Perion teilen, 5t)() Mark. Für Pension und Wäsche werden zurzeit monatlich 100 Mark erhoben. B a d Kiff in gen: Der Verein Israelitisches Kurhospiz hat jetzt ein eigenes Heim in der Villa Bavaria, Am Al tenberg Nr. 2 erworben, das im Jahre 1027 eröffnet wird. ' Im Heim find 80 Plätze vorhanden. Die Behänd lung der Patienten wird von den Badeärzten übernommen. Tie Knrperiede dauert 8 1 Wochen. K öln: Ter Israelitische Franenverein Köln hat einen Kin dergarten in der Bachemerstraß-e 05 neu eingerichtet und eröffnet. Ter Kindergarten ist für 60 70 Kinder von 8 6 Jahren bestimm! und iß von 8 Uhr früh bis 0 Uhr abends geöffnei. Den Kindern werden täglich drei Mahlzeiteu verabreicht. Le f e hallen b e st ehen in: Berlin: Lefcstnbe des indischen Kinderheimes, Fehrbelliner Straße 02. Die Lefestnbe ist im Mai 1026 gegründet. Sie enthält etwa 200 Bände Jugendliteratur und ist zwei mal wöchentlich am Mittwoch und am Sonnabend von 8 7 Uhr abends geöffnet. Im Sommer finden einmal wöchentlich Sxielabende stact. Die Lefestnbe wird im Durchschnitt von 75 Kindern besucht. H a u novec: Jüdische Le sc ha Oe, Rosenstraße 0, ist im März 1026 von den jüdischen Jngendbünden und der;>ioui frischen Ortsgruppe begründet. Die Lesehalle ist täglich außer Freitag von 5 11 Uhr avends geöffnet und wird täglich'von ca. 80 Kindern besucht. A u fgel ö st i st das Flüchtl'lngsheim Berlin, Wiefenstraße 55. B erlegt n n d erweitert i st : Berlin: Das Waisenhaus des Franenvereins von 1888 ist von der Schönhauser All.e 152 nach Hermsdorf bei Berlin, Albrechtstraße 10, verlegt und ist jetzt auf ca. 30 Plätze erweitert worden. München: Das Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe ist aus der Baaderstraße nach der Antonienstraße 7 verlegt wqrden. Das Heim ist bedeutend erweitert und bietet jetzt 40 Kindern beiderlei Geschlechts Ersatz fürs Elternhaus. Das Heim unterhält folgende Abteilungen: 1. Abteilung für kleine Kinder im Alter von 2 bis 8 Jahren, 2. Abteilung für Kinder bis zu 14 Jahren, 3. Abteilung für schulentlassene Mädchen, die den Haushalt und die Kinderpflege erlernen, 4. Mädchenklub für die im Erwerbsleben stehenden Mädchen.