Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 3 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 6 — Ausstellung „Hygiene der Juden" und nach einigen einleitenden Worten des Herrn Paul Frank, die Vorführung des jüdischen Wohlfahrtsfilms. Der Dienstagvormittag war der Erörterung der Hauptarbeitsgcbiete der Zentralwohlfahrtsstelle in den Arbeitsgemeinschaften der Jüdischen Gefährdetenfürsorge und Tuberkulosefürsorge gewidmet. Den Abschluß der Tagung bildete ein Vortrag von Herrn Georg Lubinski über „das soziale Programm der jüdischen Jugend, der im Rahmen einer Kundgebung des Reichsausschusses der jüdischen Jngendverbände gehalten wurde. Die Begrüßungsansprachen und die Referate, die bei der Tagung gehalten wurden, werden in einem Sonderheft der „ZÄakah" veröffentlicht. Auch zur 10. Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes, die vom 8.—10. Juni in Düsseldorf im Anschluß an die Tagung der Z.W.Si. stattfand, hatte sich eine überaus große Anzahl von Vertreterinnen der jüdischen Frauenorganisationen eingesunden (146 Delegierte und etwa 300 Gäste). Nach der Begrüßungsansprache von Frau Bertha Eschelbachec und einer Reihe anderer Begrüßungsansprachen hielt Frau Elfride Berget- Gronemann-Berlin einen Vortrag über „den Wert des Ncutralitätsgedankens". Die beiden folgenden Tage galten den eigentlichen Beratungen. Nach Erstattung des Tätigkeits- und Finanzberichtes durch Frau May uiad Frau Meyer folgten Beratungen über Organisationssormen der jüdischen Frauenarbeit, und zwar sprach Frau Anna Levy-Stettin über „Fraucnvercinsarbeit", Frau Levy-Salz-Berlin über „die Tätigkeit des Frauenverbandes für Kulturarbeit in Palästina", Frau Minna Schwarz-Berlin über „Arbeit in Schwesternrlogen". Das zusammenfassende Referat über Bundesarbeit in den Ortsgruppen und Landesverbänden des Jüdischen; Frauenbundes hielt Frau Grete Bial-Breslau. Auf Grund ihres Referates wurden in der Diskussion folgende Resolutionen gefaßt: „Die in Düsseldorf auf der 10. Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes versammelten Frauen aus allen Teilen Deutschlands sind sich nach Anhören der Referate über die verschiedenen Organisationssormen jüdischer Frauenarbeit und nach klärender Aussprache erneut bewußt geworden, daß der J.F.B. mit seinen örtlichen und provinziellen Zusammenschlüssen die notwendige Verbindung aller Einzelorganisatwn^n darstellt." „Die Versammlung glaubt, daß der Sinn des J.F.B. am besten durch die Gründung möglichst vieler Ortsgruppen erfüllt wird. Sie sind der Boden, aus dem sich das Ziel des neutralen Zusammenschlusses örtlich auswirken kann, da die Ortsgruppen keinerlei Begrenzung der Mitgliedschaft kennen und Frauen aller Richtungen, Berufe und Altersstufen zusammenschlicßen. Die Ortsgruppen haben insbesondere die Aufgabe, die religiösen, erzieherischen und kulturellen Ausgaben für die Familie und für das öffentliche Leben zu verwirklichen." Bei den Arbeitssitzungen des 2. Tages berichteten die Kommissionen des Bundes unter anderem über: Tuberkulosefürsorge, Adoptionswesen, Arbeitsvermittlung, Gefährdetenfürsorge. Ein Antrag auf besondere Ausgestaltung der weiblichen Gefangenenfürsorge durch Bildung einer Kommission wurde aut Grund des Vortrages von Frau Paula Ollendorff bei den Beratungen der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Gefährdetenfürsorgc angenommen. Das Schlußreferat der Tagung hielt Frl. Karminski über „Nachgchcnde Fürsorge für Anstaltskinder". lieber dieses Thema wird noch manche eingehende Aussprache erforderlich sein. Die Leitung der Verhandlungen führten abwechselnd Frau Bettina Brenner und Frau Paula Ollendorff. Anläßlich der Tagungen der beiden großen Organisationen waren die in der jüdischen Wohlfahrtspflege beruflich tätigen Männer und Frauen zu einer besonderen Besprechung zusammenberusen worden, um die Konstituierung der seit nahezu l1/-' Jahren im Vorbereitungsstadium befindlichen „Bereinigung für jüdisch-soziale Berufsarbeit" vorzunehmen. Im Verlaufe der Satzungsberatungen, bei welcher 44 Teilnehmer anwesend waren, ergaben sich verschiedene Auffassungen hinsichtlich der Aufgaben, bereu Erfüllung von der neuen Vereinigung erhofft werden. Es ist aber schließlich doch gelungen, die Vereinigung zu konstituieren, eine Form der Satzung zu finden, welche allen Wünschen gerecht zu werden versucht und einen vorläufigen Vorstand zu bilden. Nach dieser Satzung bildet die Vereinigung den Zusammenschluß für die in jüdisch-sozialer und sozial-pädagogischer Arbeit stehenden, beruflich tätigen Kräfte. Ihr Zweck ist aus die Vertiefung der Arbeitsauffassung und Hebung der Becufsleistung gerichtet. Die Vereinigung erstrebt die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und des Solidaritätsgedankens unter ihren Mitgliedern in allen mit dem sozialen Beruf, seiner Durchführung und Wirksamkeit zusammenhängenden Fragen. Die Vereinigung ist keine Gewerkschaft. Die Mitgliedschaft kann jeder weibliche und männliche Wohlfahrtspfleger und Erzieher erwerben, der fachlich vorgebildet ist oder mindestens zweijährige praktische Berufsarbeit innerhalb des sozialen Arbeitsgebietes Nachweisen kann, und außerdem auf Antrag weibliche und männliche Wohlfahrtspfleger, die in nichtjüdischer Arbeit tätig sind. Die Satzungen, aus welchen die Aufgaben im Einzelnen ersichtlich sind, können von der Geschäftsstelle, Berlin, Rosenstr. 2/4, bezogen werden. Bei der Tagung des Vereins der Leiter und LeiterinnenjüdischerErziehung saust alten am 26. Mai in Düsseldorf bildete ein Referat von Herrn Hosrat Dr. Oppenheimer-München über die Gesundheitspflege in unseren Anstalten die Grundlage für die Beratung der wichtigsten gesundheitlichen Probleme des Anstaltslebens: Abhärtung. Hautpflege, Atmung und Lüftung, Kost, Sport, geschlechtliche Verirrungen, Bettnässen u. a., welche eingehend erörtert wurden. Der Bund der jüdischen Kranken- und Pflege an ist altenDeutschlands hielt unter dem Vorsitz von Dr. Philipsborn-Berlin am 28. Juni ds. Js. in Düsseldorf eine Tagung ab, aus deren Verlaus folgendes mitgeteilt sei. Bezüglich der Chefarzt-Versicherung wurde nach Referaten von I. R. Eltzbacher- Köln, von Herrn Geh. Rat Prof. Strauß-Berlin und von Direktor Dr. Sturm- Berlin gegen die Stimme von Eltzbacher folgender Beschluß gefaßt: „Die Versammlung empfiehlt den jüdischen Krankeichäusern für ihre leitenden Aerzte eine Beteiligung an einer Ruhegehaltsversicherung. Nach welcher Dienstzeit und in welcher Höhe, bestimmt sich nach den Verhältnissen der einzelnen Krankenhäuser." Hinsichtlich der S ch w est er n v e r s i ch e.ru n g wurde unter Hinweis auf die primäre Zuständigkeit der Schwesternorganisationen festgestellt, „daß die Krankenhäuser die Verpflichtung der Alterssürsorge für die Schwestern haben, welche bei ihnen dauernd angestellt sind; die Verpflichtung beginnt nach lOjähriger Dienstzeit". ' Die Versammlung beschloß ferner, „allen Beteiligten zu empfehlen, vor jedem Versicherungsabschluß zunächst den Anschluß an die Pensionskasse der freien Wohlfahrtspflege (Berlin, Oranienburger Str. 13) ernsthaft zu prüfen". Herr Dr. Sturm hatte mitgeteilt, daß die Penfionskasse neuerdings auch in der Lage sei, hochwertige Versicherungen abzuschließen und zurzeit bei Schwesternvecficherungen erhebliche Ermäßigungen von 25 o/o auf die bereits um 10 o/o gesenkten Beiträge gewähre. (Siehe beiliegende Broschüre.) Das Thema der sozialen K r a n k e n Hausfürsorge wurde durch ein ausgezeichnetes Referat von Frau Paula O ll end o rs f-Breslau eingeleitet. Sie wies besonders darauf .hin, daß die soziale Krankenhausfürsorge die Anstalten trotz der Ausgaben für die Fürsorgerin nicht belaste, sondern sie durch Hinweise aus zweckmäßiges Vorgehen entlaste. Nach eingehender Diskussion, an der sich besonders der Koreferent Direktor Dr. K o b u r g er - Berlin mit wertvollen, die Ausbildung betreffenden Ausführungen beteiligte, wurden folgende einstimmige Beschlüsse gefaßt: