Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zu übersehen, da die Ausführungsbestimmungen hierzu, übrigens ebenso wie die Ausführungsbestimmungen zu zahlreichen anderen Teilen der Aufwertungsgesetzgebung, noch nicht erschienen sind. Die Z.W.St. hat in ihrem November-Rundbriefe zur Bildung vonbesonderen Aufwertungsaus schlissen im Rahmen der Landes- und Provinzialverbände, bzw. der örtlichen Zentralen für jüdische Wohlfahrtspflege aufgesordert. Die Ausschüsse, denen zweckmäßiger weise ein Aufwertungsjurist, ein Banksachmann und mindestens je ein Vertreter der geschlossenen und offenen Einrichtungen angehören soll, haben zweierlei Aufgaben: 1. die Beratung der einzelnen Anstalten und Einrichtungen und die Wahrnehmung ihrer Aufwertungsinteressen und evtl, die Uebernahme der ziemlich komplizierten technischen Vorarbeiten hierzu. 2. Die Rechts- und sonstige Beratung der zahlreichen, inzwischen hilfsbedürftig gewordenen Aufwertungsgläubiger und Aufwertungsschuldner, die nicht in der Lage sind, bezahlte Rechtsauskünfte in Anspruch zu nehmen und die daher in Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen ihrer Ansprüche verlustig werden bzw. zu Schaden kommen können. Seit Juli wurden aus den Reichsmitteln, die der Z.W.St. zur Verfügung stehen, 13 Einz el kred it e an Anstalt e n im Gesamtbetrag von 69100,— Mk. gewährt. Weitere Verhandlungen stehen unmittelbar vor dem Abschluß, so daß der gegenwärtige Kreditsonds nahezu erschöpft worden ist und sich die Gewährung neuer Mittel nach dem Tempo des Rückflusses der alten richten muß. Leider sind die meisten Kreditnehmer aus dem vergangenen Jahre gezwungen, eine Verlängerung der Fristen zu beantragen, die ihnen auch in allen Fällen gewährt worden ist. Von den Hypotheken, der Reichsversicherungsanstalt sind bereits ungefähr 80 °/o vergeben, allerdings zieht sich die endgültige Bewilligung infolge der Vorarbeiten, die für die Eintragung zu leisten sind, beträchtlich in die Länge. * Bis zum 1. April 1926 hat die Reichsbahngesellschaft der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wie den übrigen Spitzenverbänden Frachtfreiheit für Liebesgaben gewährt. Eine Verlängerung kommt nach diesem Zeitpunkt nicht mehr in Frage. Seit dem 1. Oktober sind neue Merkblätter und Frachtbriefe erforderlich. Es wird daher um Rückgabe der früher gültigen an die Geschäftsstelle gebeten; neue Formulare können unter Einhaltung der früher veröffentlichten Dienstanweisung, die inzwischen keine wesentliche Aenderung erfahren hat, von der Z.W.St. bezogen werden. Bei Anforderung ist die Art der Sendung, der Nachweis, daß es sich um eine Liebesgabe handelt und ber Empfänger anzugeben. Zu beachten ist, daß nur die städtischen und jüdischen Wohlfahrtsämter, die letzteren als Teilorganisationen der Z.W.St., empfangsberechtigt sind. Weitere Zusätze, z. B. Angabe einer Anstalt und Einrichtung, sind nicht zulässig. Die Z ollfreih eit wird für Liebesgaben aus dem Auslande nur gewährt, wenn die Sendung über die Z.W.St. bzw. die von ihr zum Empfang ermächtigten Wohlfahrtsämter geht. Zollfrei befördert werden sowohl Sendungen an Anstalten und Einrichtungen als auch an bedürftige Einzelpersonen. Nach einem Erlaß des Reichsfinanzministeriums vom 5. 11. 1925 sollen im allgemeinen auch ausländische Studenten und Schüler von der Vergünstigung der Zollfreiheit bei ausländischen Liebesgaben nicht ausgeschlossen sein. * Laut Bericht der Synagogengemeinde Schneidemühl über die Flüchtlinge aus Posen befanden sich im dortigen Lager Ende Oktober noch sieben jüdische Familien mit zusammen 23 Personen. Die übrigen haben im Laufe der Zeit in den verschiedensten Orten Deutschlands ihren dauernden Aufenthalt genommen. Die rituelle Speisung in Schneidemühl ist aufgehoben worden, weil sie auf Grund der letzten Erfahrungen nicht mehr notwendig war, doch betreut die Synagogengemeinde Schneidemühl weiterhin die noch dort befindlichen jüdischen Flüchtlinge. Um einigen früher selbständig gewesenen Handwerkern und Kaufleuten wieder zur Aufrichtung einer Existenz. zu verhelfen, hat die Zentralwohlsahrtsstelle gemeinsam mit dem Hilfsverein der deutschen Juden und der Großloge süc Deutschland einen Darlehnsfonds geschaffen, aus welchem sie Kredite gegen gute Sicherheiten gewährt. Es wurden bisher 2800,— Mk. für Kredite an Optanten zur Verfügung gestellt. * Der Verband ostjüdischer Studenten hat in den letzten Monaten eine außerordentlich lebhafte Tätigkeit entfaltet, um denjenigen ostjüdischen Studierenden in Deutschland, die in den letzten Semestern stehen, die Beendigung ihres Studiums zu ermöglichen. Es gibt unter ihnen ein? ganze Anzahl, welche mit der Zahlung der Kolleggelder im Rückstand sind, ferner solche, welche ihre Examina nicht oblegen könuen, weil sie nicht die Mittel haben, um die ^amensgebühren zu bezahlen. Die Gesamtzahl wird aus ungefähr 200 geschätzt. Für diesen Zweck ist bereits vor einiger Zeit von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden der Betrag von 3000,— Mk. zur Verfügung gestellt worden; die Großloge, der Hilfsverein haben ebenfalls Beträge hierfür aufgewendet. In starkem Maße hat sich vor allem auch das Wohlsahrtsamr der Jüdischen Gemeinde Berlin beteiligt. Um die Hilfsaktion in geordnete Bahnen durchzuführen, ist ein kleines Komitee, bestehend aus den Herren Caspary, Dr. Hildesheimer, Dr. James Simon gebildet worden. Die Geschäftsführung liegt in den Händen von Herrn Dr. Wischnitzer, Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden. Es ist gelungen, vom Joint Distribution Commitee den Betrag von 6000,— Mk. zu erhalten. Das Komitee ist bemüht, alle in Frage kommenden Hilfsquellen, namentlich die bestehenden Wohlfahrtsstellen in den Universitätsstädten, zur Mitwirkung heranzuziehen. Es handelt sich um eine Aktion, die keinen dauernden Charakter trägt, sondern deren Wirksamkeit in einigen Semestern zum Abschluß gelangt sein wird, weil die Zahl der Studenten, die für eine Unterstützung in Frage kommen, eine scharf begrenzte ist. Ebenso groß aber ist die Not bei allen übrigen jüdischen Studierenden in Deutschland, und es hat sich gezeigt, daß die Studentenverbände selbst nicht mehr in der Lage sind, ihren Mitgliedern aus eigenen Kräften in ausreichendem Maße zu helfen. Dazu kommt, daß eine sehr große Anzahl von Studierenden in, Deutschland nicht in Studentenorganisationen inkorporiert ist. Aus diesem Grunde hat die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden den Plan gefaßt, eine allgemeine jüdische Studentenhilfe zu schaffen. Eine Vorbesprechung mit den Vertretern der Großloge, des Jüdischen Frauenbundes und der Studentenverbände (Kartell- Konvent, K.J.V., Verband ostjüdischer Studierender) hat bereits stattgefunden. Es ist beschlossen worden, zunächst ein kleines Komitee einzusetzen, das unter Führung der Zentralwohlfahrtsstelle in aller Kürze einen Organisalionsplan ausarbeiten soll. Die Grundzüge der Organisation der Studentenhilfe sind so gedacht, daß eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den großen Organisationen der Wohlfahrtspflege, unter Hinzuziehung von Vertretern der Studentenverbände geschaffen wird, welche die Leitung der Studentenhilfe in Händen haben soll. Aufgabe dieser Arbeitsgemeinschaft wird sein, allenthalben im Reiche in den Universitätsstädten die jüdische Studentenhilfe zu organisieren. Bereits vorhandene Vereine bzw. Ausschüsse der örtlichen Zentralen für Wohlfahrtspflege sind für diesen Zweck auszubauen; wo solche Einrichtungen noch nicht vorhanden sind, sind sie zu schaffen. Es istendlich dafür zu sorgen, daß zur Förderung der Studentenhilse auch diejenigen Orte herangezogen werden, die in der näheren und weiteren Umgebung der Universitätsstadt gelegen sind. Das Hauptbestreben der Studentenhilse muß dahin gehen, für die Förderung der Studenten alle diejenigen Stellen heranzuziehen, die direkt oder indirekt für eine Beihilfe in Frage kommen. Eine Voraussetzung für die Durchführung der Aktion ist, daß auch die Studentenverbände selbst mit aktiv sich an der Arbeit beteiligen und ihre Kräfte nicht nur in den Dienst ihrer eigenen Körperschaft, sondern der Allgemeinheit stellen. Nach dieser Richtung hin liegen bereits zusagende Aeußerungen maßgebender Studenten-Organisationen vor. Die Vorarbeiten für die Durchführung der Studentenhilfe werden energisch in die Hand genommen, und es steht zu hoffen, daß schon in 3