Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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konferenz begründet wurde, versendet seinen ersten Tätigkeitsbericht, dem wir Folgendes entnehmen: Anlaß zur Gründung des Vereins war das Bedürfnis, jungen Mädchen Möglichkeiten zur praktisch-hauswictschaftlichen Ausbildung zu geben, um ihr Können später in den Dienst der jüdischen Öffentlichkeit zu stellen, sei es durch Arbeit in jüdisch-sozialen Einrichtungen in Deutschland, sei eS durch Arbeit in den Siedlungen und Heimen Palästinas; ferner dem drohenden Mangel an gut ausgebildetem Wirtschflstsjpersonal in jüdischen Anstalten abzuhelfen. Tic weiteren Aufgaben des Vereins waren die Beschjllffung geeigneter Ausbildungsstätten, sowie die Schaffung eines Ausbildungsfonds. Ter Ausbildungsfonds setzt sich aus Beiträgen der Mitglieder zusammen, die sich entweder mit einem Vierteljahrsbeitrag von Mk. 10 beteiligen oder einzeln bezw. in kleinen Gruppen ein Patronat übernehmen, d. h. die Zahlung von Mk. 60 monatlich als Ausbildungskosten für ein Mädchxn und sonstigen Zuwendungen. Ta sich ein großer Mangel an Ausbildungsstellen fühlbar machte, erweiterte der Verein die jüdische Lehrsiedlung Halbe zu einer Ausbildungsstätte für 7 Mädchen, die dort im Sommer mit Haushalt, Feld, Stall und Garten, im Winter nur im Haushalt und Stall beschäftigt werden. Außerdem gelang cs durchs die tatkräftige Hilfe der Z.W.St., die jüdischen Heime zu Ausbildungszwecken nutzbar zu machen. So wurden im Laufe des vergangenen und diesen Jahres 30 Mädchen als Ausbildungspraktikantinnen in jüdischen Heimen untergcbracht. Die Ausbildungszeit in diesen Heimen dauert im allgemeinen ein .Jahr, während dessen die Mädchen in allen Zweigen des Heimbetriebes Mitarbeiten. Der Verein steht in engster Zusammenarbeit mit der Z.W.St., der Stellenvermittlung des jüdischen Frauenbundes, dem Hechaluz und den Praktikantenämtern einzelner Jugendbünde. In Oesterreich! wird die Gründung einer Zweigstelle in die Wege geleitet. Die Aufgaben des Vereins im zweiten Jahr seiner Tätigkeit werden darin bestehen, die Ausbildungsstätten zusammenzuschließen, den Ausbildungsgang zu vereinheitlichen und durch eine theoretische Ausbildung zu ergänzen. Sobald genügend Mittel und geeignete Lehrkräfte vorhanden sind, soll eine städtische und eine ländliche Haushaltungsschule begründet werden. Offene Stellen für hauswirtschaftliche Lehrlinge. . Erfreulicherweise hat sich,, wie schon öfters berichtet wurde, eine ganze Reihe unserer Anstalten bereit erklärt, junge Mädchen zur Ausbildung in Hausivirtschuft aufzunchmen. Anmeldungen von Bewerberinnen nehmen entgegen: der Verein zur Ausbildung jüd. Hausbeamtinnen, Leiterin Frl. Hedwig Groß mann, Berlin, Flensburger Straße 8 und die Arbeitsgemeinschaft jüd. Arbeitsnachweise, Berlin, Auguststraße 17. Tie Jüdische H a u s h a l tu n g s s chu le in Franks u r 1 a. Main hat einen Bericht über die Prüfung der dort erstmalig ausgebildeten 7 Anstaltsbeamtinnen eingesandt. Tie Bestrebungen, eine jüdische Haus'haltungsschule an Anstalten anzugliedcrn, wurden in der letzten Zeit auch! von dem Mariahort in Köln ausgenommen. Wenn sich genügend Lehrkräfte finden, soll an die staatliche Ausbildungsschule in Rheydt eine Abteilung zur Ausbildung von Gewerbelehrer innen angegliedert werden. V. wirtlchakttlürsorge. Anstaltskredite aus Reichsmittel.n. Im Unterschiede zum Jahre 1924, in dem die der Z.W.St. zur Verfügung stehenden Kredite in verhältnismäßig geringen: Umfange beansprucht wurden, hat sich, der Wunsch nach Kreditgewährung seit Beginndes Jahres 1925 erheblich verstärkt Die Mehrzahl der Kredite wird gleichfalls im Gegensatz zum vergangenen Jahre nicht mehr für kleinere Anschaffungen oder zur Ergänzung der laufenden Betriebsmittel beansprucht, sondern für größere Reparaturen und Umbauten, die sich nach der mehr als 10jährigen Pause alleuthalbeu als dringend notwendig erweisen. Ta aber der Z.W.St. Kreditmittel nur im gleichen Umfange wie im vergangenen Jahre zur Verfügung stehen und die Rückzahlung der lausenden Kredite in verhältnismäßig kleinen Raten erfolgt, kann den großen Kceditansorderungen einzelner Anstalten nicht immer im vollen jlmfange stattgegeben werden. Trotzdem würden in den ersten 4 Monaten des Jahres 1925 grundsätzlich Kredite in einer Gesamthöhe von Mk. 70000 bewilligt, während das ganze Jahre 1924 nur eine Kreditsumme von Mk. 62000 brachte. Hypotheken der Versicherungsanstalt für Angestellte. Nach langwierigen Verhandlungen ist es den Spitzen verbänden der freien Wohlfahrtspflege mit Unterstützung des Reich,swirtschastsministeriums gelungen, die Schwierigkeiten, die einer Hypothekengewährung an die Anstalten der freien Wohlfahrtspflege durch, die Reich-Versicherungsanstalt für Angestellte bisher im Wege standen, zu überwinden und die Zustimmung der ReichsverjicherungD anstalt zur Gewährung von Hypotheken im Betrag von mehreren Millionen Mark zu erlangen. Die endgültigen Bedingungen stehen noch nicht fest, jedoch wird im allgemeinen mit einem Zinsfuß von 6:/-. »/o, 97»/oiger Auszahlung, einmalige Verwaltungskostengebühr von 1 o/o, 3 Jahre fest, später 9monatige Kündigung und mit einer oberen Beleihungsgrenze von 15—20 °/o des Wehrbeitragswertes bei Eintragung an erster Stelle zu rechnen sein. Auf die der Zentralwohlfahrtsstelle angeschlosseucn Anstalten dürfte aller Voraussicht nach ein Hypothekenbetrag von 200—250000 Mk. entfallen, der in erster Linie den Anstalten der Gesundheitsfürsorge für Erwachsene zugute kommen soll, die in der nächsten Zeit Um- und Erweiterungsbauten vornehmen müssen. In zweiter Reihe können auch, Anstalten der Gesundheitsfürsorge für Jugendliche und Kinder berücksichtigt werden. Es liegt bereits eine ganze Reihe von Anträgen vor, die nach zentraler Bearbeitung durch« die Spitzenverbände an die Reichs- Versicherungsanstalten weitergeleitet werden. Besonders berückfichtigungswerte Anträge können auch jetzt noch von der Geschäftsstelle entgegengenommen werden. * Kredit gemein schaft gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen Deutschlands. Diese Kreditorganisation, der Reichsmittel zur Tarlehnsgewährnng an produktive Einrichtungen der Wohlfahrtspflege (z. B. Werkstätten der Fürsorgeerziehung, Krüppelfürsorge usw.) sowie Darlehen zum Ausbau von durch, Krieg, Inflation, Gebiets-- abtrennung und Ruhrbesetzjung geschädigten selbständigen wirtschaftlichen Existenzen zur Verfügung stehen, wird auch im Jahre 1925 ihre Tätigkeit auf verhältnismäßig breiter Basis fortführen. Tie uns angeschlosseuen Anstalten mit produktiven Einrichtungen seien auf diese Gelegenheit zur Erlangung von Krediten hingewieseu, ebenso empfiehlt es sich, Tarlehusgesuche für Einzelfälle, die in den Rahmen der oben genannten Bestimmungen falten, au die Kceditgemeinschaft unter gleichzeitiger Benachrichtigung der Geschäftsstelle der Z.W.St. weiterzuleiten, wobei allerdings auf eine mehrwöchentliche Erledigungszeit gerechnet werden muß. 5