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Nachrichtendienst · 1923-05-01 · Heft 8-10 (Mai 1923) · p. Seite 5

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 8-10 (Mai 1923)
Date
1923-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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1. für Heimunterbringung, 2. Ar Heilfürsorge, 3. für Landaufenthalt bereit gestellt. Jüdische Kinder wurden durch die Vermittlung der Z.W.St. sowohl in Heimen als auch Familien ausgenommen. Die Kinderverschickung war im großen ganzen sehr stark auf die Mitarbeit der caritativen Verbände aufgebaut und soweit es sich ermöglichen ließwurde überall eine Zusammenarbeit deramtlichen und privaten Stelleir angestrebt. Leider waren die Kindertransporte nicht immer so gründlich vorbereitet als erwartet werden durfte. Die jüdischen Entsendebezw. Aufnahmestellen unterließen fast durchweg die Benachrichtigung an die mit der Ki>'derversendung beauftragten amtlichen Stellen, so daß auf eine Legitimierung der Kinder, eine Betreuung und eine geordnete Rückführung verzichtet werden mußte. b) Fürsorge für die Flüchtlinge aus. den Grenz ländern im Osten. In der letzten Nummer des Nachrichtendienstes wurde schon darauf hingewiesen, daß die Not der Grenzlandvertriebenen aus den Ostmarken, die in den Flüchtlingslagern des Roten Kreuzes sich befinden, die Z.W.St. zu ganz besonders intensiver Fürsorgetätigkeit veranlaßt hat. So konnten in der Berichtszeit — dank der Bereitwilligkeit einiger Heime — wiederum alte, gebrechliche Leute in Altersheimen und eine Anzahl von'Kindern in Erziehungsheimen ausgenommen werden. Die Z.W.St. bemüht sich ferner, Flüchtlingen zu vorübergehendem Aufenthalt außerhalb des Lagers zu verhelfen, um die Arbeitsvermittlung zu erleichtern bezw. das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum Judentum durch den Aufenthalt in jüdischer Umgebung zu erhalten. Noch immer aber sind viele jüdische Familien unter den Lagerinsassen. Die oft sehr isolierte Lage des :'.gers macht häufig einen Anschluß an eine jüdische Religionsgemeinde unmöglich. Noch ehe eine Arbeitsgemeinschaft der amtlichen und konfessionellen Flüchtlingsf ü r s o r g e geschaffen war, hat die Z.W.St. aus diesem Grunde versucht, in einigen Lagern auf oft mühevollem und kostspieligem Wege eine Betreuung der jüdischen Flüchtlinge durch den Rabbiner oder Lehrer der zunächst gelegenen Religionsgemeinde zu ermöglichen. Das Ziel der ganzen Fürsorge ist nach wie vor auf die Entleerung der Lager gerichtet, umsomehr als deren Auflösung von amtswegen in aller Bälde erfolgen wird, so daß die Gefahr besteht, daß die jüdischen Flüchtlinge wiederum obdachlos werden. So steht z. B. das Lager Heilsberg in Ostpreußen unmittelbar vor der Auflösung. Mit größter Mühe konnte für ein kränkliches Ehepaar die Versetzung ia ein anderes Lager erreicht, und einige Kinder in Heimen untergebracht werden. Noch immer aber sind 6 Personen im Lager, für deren Unterknnft gesorgt werden muß. Aus allen Lagern müssen in erster Linie die Kinder und arbeitsfähigen Jugendlichen — vor allem der unerhört großen ethischen Gefahren des Lagerlebens wegen — entfernt werden. Die amtliche Fürsorgeinstanz — das Rote Kreuz —. rechnet bei der Arbeitsvermittlung auf di: tätige Mitarbeit der konfessionellen Wohlfahrtspflege,. insbesondere bei der individuellen Arbeitssuche in schwierigen Fällen und bei der Ueberivindung des Widerstandes arbeitsscheuer Elemente. Solange aber für die Ostflüchtlinge eine Wiedereingliederung in das Erwerbsleben nicht erfolgen kann, ist die seelsorgerische Betreuung eine zwingende Notwendigkeit und die Z.W.St. hofft dabei nach wie vor auf die Opferwilligkeit der Gemeinden, Rabbiner und Lehrer. H. Sozialreform. Im Anschluß an die regelmäßig zur Auszahlung gelangenden Zuschüsse an die Einrichtungen der Wohlfahrtspflege — teils aus Mitteln des Reiches, teils vom Ausland — teils von Jnlandssammlungen — ist die Zentralwohlfahrtsstelle bemüht, eine durchgreifende Sozialreform, soweit dies unter den heutigen Verhältnissen möglich ist, aus einer Reihe wichtiger Gebiete herbeizuführen. Zu diesem Zwecke sind zunächst für Groß-Berlin die nachstehenden Sonder-- konunissionen, denen sachverständige Personen als Mitglieder angehürcn, gebildet worden: 1. Tarifkommission mit der Aufgabe, eine zeitgemäße Regelung der Gehälter für Beamte und Angestellte der freien Wohlfahrtspflege in die Wege zu leiten. 2. Statutenkommifsion zur Prüfung der Satzungen, um veraltete und den heutigen Zwecken der Anstaltsfürsorge zuwiderlaufende Bestimmungen zu beseitigen. 3. Aufnahme- und Sankrungskommiffion mit der Aufgabe, festzustellen, wo und wieviel leere Plätze in den einzelnen Anstalten vorhanden find, ob und wie sie am besten ausgenützt werden können, desgleichen wi? eine wirtschaftliche Sanierung durchgesührt werden kann. 4. Prüfungskommission mit der Aufgabe, festzustellen, ob die untergebrachten Kinder anstaltsbedürftig sind. Die erste Kommission hat bereits ihre Arbeit ausgenommen und es wird in Verhandlungen mit jeder einzelnen Anstalt versucht, auf Grund sorgfältiger Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse und Möglichkeiten die Frage der Beamtenbesoldung zu reformieren. Es ist dringend erwünscht, daß die örtlichen Zentralen und Landesverbände in analoger Weise Vorgehen. Richtlinien stehen ihneir durch unsere Zen- »rÄwohlsahrtsstelle zur Verfügung. m. mitteilungen aus unferem Archiv. . ttnriguungen der öalboffenen fürforge. l. Kindergärten, Kinderhorte. Ort Raine der Einrichtung | Bejuch^zisfer (Stichtag 16. ifttmuu 1023) Berlin Israel. Volkskindergarten u. Kinderhort e. V. Gipsstr. 3 H.*)84, Kg. 80 164 " Jüd. Kinderheim e. V., Fehrbellinerstr. 92. „ 80, „ 70=160 " Talmud - Thora „Kneseth Israel" e.V., Linienstr.lv „ 123, „ - 123 Jüd. Kinderhort, Straußbergerstr. „ BO, „ — 50 " Verein Jüd. Volksheim e.V» Dragonerstr. 22 ... . „ 60, „ -= 60 " Misrachi-Kindergarten, Dragonerstr. 22. . 25= 26 Breslau Israel. Mädchenhort des Schwestern - Vereins der Gesellschaft „Eintracht" . „ 28, „ -= 28 Vereinigung jüd Frauen- Kindergarten - Kinderhort e. V . . 47, „ 19= 06 Cassel Isr. Kinderhort (Isr. Frauen- Verein). . 28. . 12= 40 Danzig Kinderhort. , 37. „ -== 37 Dresden Isr. Kinderhort ..... » 60, . —60 Duisburg Jüd. Kinderhort . . . . . 40. „ -= 40 Elberfeld Kindergarten u. Hort (Jüd. Frauen-Dund) .... . 15. . 6= 21 Essen Jüd. Kinderheim .... „ 3ö. „ 10 45 Frankfurt a.M Hort für jüd. Mädchen . . . 100, „ - 100 " Al. u. I. Oppenheimcrscher Kindergarten jür Israeliten e. V. „ 40= 40 Fulda Fürth Isr. Kindergarten .... Jüd. Kindergarten des Jüd. Frauen-Vereins .... . 28 - 28 Halberstadt Verein Isr. Kinderhort . . „ 26= 26 Hamburg Knabenhort der Talmud- Thora-Realschule . . . . 180, . - 130 Hamburg- Altono Hamburg Jüd. Volksheim e. V. . . „ 100, „20= 126 Hort für fchulpfl. Mädchen. . 48, . ----- 48 Hamburg- Altono Agudas - Iisroel - Iugendi gruppe Kindergarten . . „ 35= 36 Hannover „Gertrudenhaus" Isr. Kinderhort e. V. . . . . .. 60, „ — (10 Köln Isr. Kindersparverein e. V. „ 85, „ 35= 70 Leipzig Kinderhort des israel. Wohl» tätigkettveretns . . . . „ 70. . 70 Isr. Kindergarten . . . . „ 85= 35 Mannheim Jüdische Kinderstube . . . . 40, „80=120 -Würzburg Israel. Kinderhort . . . . * 20, ' 20/ *) H- Hort, Kg. — Kindergarten. 5

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