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Nachrichtendienst · 1923-02-01 · Heft 5-7 (Februar 1923) · p. Seite 15

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 5-7 (Februar 1923)
Date
1923-02-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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dem. Hauptziel der sittlichen Besserung darauf-gerichtet ist, die Insassen für die Lehrunterbringung vorzuberciten, besteht das vierköpfige Aufseherpersonal zurzeit aus einem Landwirt, einem Gärtner, einem Schneider, öfters ist auch ein Schuhmacher oder Tischler als Aufseher tätig gewesen. Es kann sich, da probeweise Entlassung in die Lehre erfolgt, sobald nach dem Verhalten des Zöglings der Besserungszweck erreicht scheint, nur um die Lehrzeit, eventuell abkürzende handwerkliche Vorbereitung und um Herstellung des eigenen Hausbedarfs -handeln. Die Lehrunterbringung, die im Aufträge der Landeshauptleute erfolgt, erfordert die Mitwirkung aller dazu geeigneten Stellen. Sofern nicht durch Gerichtsbeschluß die Fürsorge-Erziehung aufgehoben wrrd, ist für jeden Zögling ein Fürsorger zu bestellen, dessen Beschaffung der Anstaltsleitung, die auch durch den ErziehungsiNfpektor die nachgehende . Fürsorge ausübt, obliegt. Im Falle der Flucht oder sonstigen Rückfalls erfolgt Zurücksührung in die Anstalt, bis der Erziehungszweck oder die Volljährigkeit erreicht wird. Trotz des schwierigen Materials und der nicht zu vermeidenden Fehlschläge sind doch zahlreiche gute Erfolge zu verzeichnen. Statistische Angaben lassen sich indessen über diese wrchtigste Angelegenheit nicht wohl geben. b) C ö p e n i ck. Das Ansta.'tsgebäude ist im Beginn der Kriegszeit errichtet worden, da das Verbleiben in den seit 1903 mietsweise benützten Räumen des ehemaligen Magdalenenstiftes in Plötzensee den Behörden aus baulichen Gründen nicht mehr geeignet erschien Der stattliche Bau ist mit allen modernen, seinem pädagogischen Zwecke dienlichen Eintichtungen ausgestattet und würde Raum für 60 Zöglinge bieten. Da aber nur durchschnittlich 20—25 schulentlassene, meist sittlich bescholtene weibliche Fürsorgezöglinge neben einigen wenigen privaten Zöglingen in Frage kommen, wird der übrige verfügbare Raum für ein Waisenheim für Kinder im Alter von 2—6 Jahren benützt, der vollständig von dem. Mädchenheim ab getrennt ist und über den in einem besonderen Artikel berichtet werden soll. Die Aufgabe „Erziehung durch Arbeit" wird durch Unterweisung in häuslicher Arbeit, Schneiderei und Lohnwäscherei, erreicht. Tie probeweise zur Entlassung kommenden Zöglinge werden in überwiegender Mehrzahl in häuslichen Dienst untergebracht. Das Anstaltspersonal besteht aus einer Leiterin, 2 Aufseherinnen, 1 Wirtschafterin, 1 nebenberuflich tätiger Gärtner; außerdem ist zurzeit eine theoretisch als Sozialbeamtin bereits ausgebildete Dame als Volontärin in der Anstalt beschäftigt. Der Religions- und Fortbildungs-Unterricht wird auch durch eine eineretierte Lehrerin erteilt und das Erziehungswerk durch sehr intensive Mitarbeit von Ehrendamcn unterstützt. In religiöser Beziehung erfreut sich oas Institut der Förderung durch den Prediger der Cöpenicker Gemeinde. Die Schülkenntnisse, die die Zöglinge mitüringen, sind meistens gering, sehr häufig ist die Anlage zu geistiger Anormalität von leichter Hysterie bis zu ausgesprochener Pshchose zu beklagen, auch Recidive früher erworbener Krankheiten kommen vor, sonst ist der Gesundheitszustand ein günstiger. Ueber die Erziehungserfolge gilt das oben für Repzin Gesagte. IMische lvclMMKonscrm?. SeschällssteUe: Verlin-Schöneberg, rLuttpoldstraöe 4». Plenarfißung der exekutive der Jüdischen IüelünlfS' Konferenz vom n. Januar 1923 in Berlin. An der Plenarsitzung nahmen folgende Mitglieder der Exekutive teil: Tr. Leo Motzkin, Vorsitzender, I. Efroikin, Generalsekretär, Rabbiner Aronsohn, Berlin, L. Bramson, Professor Chajes, Wieii, Dr. Jochelmann, London, Dr. Klee, W. Latzky, Tr. Soloweitschik, W. Tjomkin Und als Vertreter des polnischen Hilfskomitees die' Sejm-Deputierten I. Grünbaum und Tr. Silberschein, Rabbiner Dr. Oleschkowski, Wolkowitsch und Kölker. Rach Anhörung einiger Referate über den Stand der Hilfsarbeit beschloß die Konferenz alle Kräfte aufzubieten, um bie Hilfstätigkeit in Rußland zu verstärken. Zur Zeit ist die Welthilfskonferenz in der Lagv, in Rußland zirka 10000 Kinder ein Jahr lang auszuhalten. T-ie Plenarsitzung hat beschlossen, die Zahl der Kinder, deren Unterhaltung die Welthilfskonferenz auf sich nimmt, aus 60000 zu erhöhen. Im vergangenen Jahre hat die Welthilsskonferenz zirka 12000 000 Frcs. in Geld, Produkten usw. erhalten. Das Geld ist der Welthilfskonferenz von 36 jüdischen Hilfsorganisationen in 25 verschiedenen Ländern geschickt worden. Tie Versammlung hat 500 Pfund zur Anschaffung von Schuhen für die Ukrainer Juden bewilligt, 2500 Dollar als Tarlehn für die Heimlosen in Polen, 300 Pfund für die Chaluzim in Grochow, Warschau, Czernowitz und Kowno. ,35000 Frcs. für die Hilfsorganisationen in Polen, 40000 Frcs. für die Heimlosen in Rumänien, 100000 Frcs. der Gesellschaft „Ort", 9000 Frcs. der Delegation des Ostgalizischen National-Rats in Wien für ostgalizische Flüchtlinge u. a. Plenarfmung der exekutive der Indischen welthilsz- Konferenz DOffl io.—17. Bprü 1923 in Berlin. Am 10. bis 17. April hat in Berlin eine Plenarsitzung der Exekutive der „Jüdischen Welth.ilfskonferenz" stattgefunden, an welcher teilgenommen haben die Herren: L. Motzkin (Vorsitzender), I. Esroikin (Generalsekretär), T. B. Sliosberg (Paris), Tr. Alfred Klee, Rabb. A r o n s o h n, Ing. W. T j e m k i n, W. Latzki, L. Bramson (Berlin), der Vertreter der Welthilfskonferenz beim Völkerbund, Herr Z. A b e r s o n, und die Delegierten der polnischen Organisation, die Herren Bürgin und Rabbiner E l i s ch k o w s k i. Tic Plenarsitzung begann mit dem Bericht des Bevollmächtigten der Welthilfskonferenz Herrn Orünberg, der von Rußland znrückgekehrt ist, wohin er zur Verteilung eine Reihe von Transporten und Organisierung der künftigen Arbeit der Jüdischen Welthilsskonferenz in Rußland geschickt worden war. ***• In seinem Bericht teilte Herr Grünberg mit, daß zurzeit in verschiedenen Städten der Ukraine 28 Kinderkiickien bestehen, die täglich bis ca. 10000 Kinder ernähren. Er behandelte auch eine Reihe wichtiger Probleme inbezng aus die Organisierung der konstruktiven und schnellen Hilfe für die jüdische Bevölkerung der Ukraine, welche die besondere Aufmerksamkeit der jüdischen Gesellschaft erfordere. Die Vertreter der polnischen Heimlosen legten in ihren» Bericht die traurige Lage der jüdschen Heimlosen in Polen dar Tie Vertreter von „Ort" und „Ose" legten dem' Plenum Berichte über die Tätigkeit ihrer Organisationen vor. Das Plenum faßte eine Reihe wichtiger Beschlüsse. Am Schlüsse wurden folgende Geldsummen bewilligt: der Gesellschaft „Ort" 800000 franz. Frcs., für Darlehen an jüdische Emigranten in Polen 5000 Dollar, der Flüchtlingsorganisation in Polen 400 Dollar, für Rechtshilfe an Flüchtlinge in Polen 20000 Frcs., der jüdischen Studentenküche der Welthilsskonferenz in Berlin 18000 Frcs., für die notleidende Intelligenz in Deutschland 2500 Frcs., zur Einrichtung der Baracken in Kowno 1000 Dollar, dem litauischen Rationalrat zur Waisenhilse 1200 Dollar, zur Einrichtung der Kinderkolonien.in Odessa 3500 Dollar, für Ambulatorien (bei Kinderküchen) in Rußland 4500 Dollar, für Chaluzimhilfe 800 Pfund. 15

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