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Nachrichtendienst · 1923-02-01 · Heft 5-7 (Februar 1923) · p. Seite 10

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 5-7 (Februar 1923)
Date
1923-02-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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hörc „Planwirtschaft mit weitgesteckten Zielen zu treiben und alle Kräfte der Selbsthilfe auch über die Erhaltung des Bestehenden hinaus anzuspannen". (Seite 13). Unbeschadet des carttativen Charakters unserer Anstalten ist es notwendig, daß die V e r w a l t u n g mehr kaufmännische Formen annimmt; ferner: Planmäßigkeit in der Vorratsbesorgung (durch Vermittlung des Wirtschastsbundes gemeinnütziger Wohlsahrtseinrichtungen Deutschlands e. G. m. b. H.), Erweiterung der Kreditmöglichkeit (durch Inanspruchnahme der neugegründeten Hr'.fslasse der gemeinnützigen Wohlsahrtseinrichtungen), Fühlungnahme mit der Gemeinde wegen der Lebensmittelversorgung, zeitgemäße Formen der Vergebung handwerklicher Arbeite n. Aus all diesen Gebieten gibt die Schrift, der eine ein- . gehende Kenntnis der Wirtschaftsführung von Anstaltsbetricben zu Grunde liegt, praktische, höchst beachtenswerte Ratschläge. Sie betont aber auch nachdrücklich ziel bewußte Förderung der Selbsthilfe durch Ausbau der Selbstversorgung und Instandhaltung durch eigene Kräfte. Ausgezeichnet sind die Darlegungen durch einen in diesen Zeiten erfreulichen Optimismus. . Er kommt besonders im letzten Teil zum Ausdruck, wo auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, daß trotz vorläufiger Umstellung auf die Zeitersordernifse, Fe st Haltung an einem Entwicklungsprogramm der Anstalten notwendig ist. Jede bauliche Aenderung ist dementsprechend unter Zugrundelegung eines Gcsamtzukunftsplancs vorzunehmen. Großzügig und verständnisvoll ist der Zusammenschluß benachbarter - auch kommunaler — Anstalten zur Erfüllung der Aufgaben durch Teilung, auf die einzelnen Anstalten in den Bezirken und Verständigung untereinander gedacht. Zum Schlüsse wird die Erhaltung und Wiederbelebung des freiwilligen 'öffentlichen und privaten Bcitragswesens erwähnt und zwar sollen die Ergebnisse daraus nicht zur Minderung der Pflegesätze, sondern zur unentgeltlichen Verpflegung bedürftiger - Nichtversicherter verwendet werden. Ucber diesen Punkt sind die Meinungen augenblicklich geteilt, wenn auch die freie Liebestätigkeit Vieles und Großes geschaffen hat und schasst, so wird doch — auf chr basiert — infolge der täglich wechselnden wirtschaftlichen Wertung ein Moment der Unruhe in der Finanzierung mit allen Konsequenzen unvermeidlich. sein.> Sh,? diesem Grunde scheint die in einer Besprechung des Rcichsarbeitsministeriums mit den Vertretern der freien Wohlfahrtspflege ausgesprochene Ansicht, daß die Selbstkosten den Anstalten auf jeden Fall vergütet werden'müssen, zeitenlsprechender zu sein und eine gesündere Grundlage zu bilden. Das private Beitragswesen kann dazu eine erwünschte Ergänzung bilden. Tie Entwicklung der Zuschußwirtschaft des Reiches läßt sich heute noch nicht beurteilen. Wichtig und notwendig ist dagegen als Mittel der Selbsthilfe die rechtzeitige und ausreichende Erhöhung der Pflegcsatzbeitrage. Dies ist Aufgabe der Anstaltsvcrbänoe. Anschluß aller Anstalten an eine Bezirksorganisation ist daher unumgänglich notwendig. Für zahlreiche — auch jüdische gut geleitete Anstalten - ist zweifellos ein großer oder der größte Teil der Anregungen längst verwirklicht. Wir empfehlen aber den Anstaltsvorständen und Kuratoren dringend, sich mit der Schrift vertraut zu machen, um in den gegenwärtigen den Bestand des Anstaltswesens gefährdenden Zeiten eine ernste Selbstprüfung vorzunehmen, ob von der Leitung selbst tatsächlich getan ist, was in ihren Kräften stand, um die Erhaltung der Anstatt zu sichern. Jüdischer frauenvund. LchristsleNe: öerliiuimimersdorf, Siefekerflr. 16. Bericht aus der Arbeit des ZuüWcn frauenbundes. Am 29. Januar 1923 fand in Leipzig die 39. Vorstandsfitzung des Jüdischen Frauenbundes statt, die.fast vollzählig (zwei Mitglieder kehlten) besucht war. Aus den gefaßten Beschlüssen teilen wir folgendes mit: Auf Anregung der Council of Jewish Women (Amerika) soll die Wiedererweckung des 1914 in Rom vom Jüdischen Frauenbund begründeten Internationalen Jüdischen Frauenbundes in die Wege geleitet werden. Eine Zusammenkunft der führenden jüdischen Frauen aus allen Ländern Europas und Amerikas ist für den 6. —13. Mai in Wien geplant. Grundlage der Verhandlungen bilden die von Amerika bisher gekabelten Punkte: Mädchenhandel, Kinderfürsorge, Gesundheitsfürsorge, religiöse und pädagogische Fragen, Ein- und Auswandererft'irsorge für Frauen und Kinder. In Verfolg der Weiterarbeit an der Aufhebung des Judengesetzes von 1847 und der Erteilung des Wahlrechts an die Frauen wird zur Gründung einer Stimmrechts - kommission des Jüdischen Frauenbundes geschritten, welcher auch die Vorarbeiten für die Wahlen zum Preußischen Landesverband übertragen werden. Vorsitzende der Kommission ist Frl. Sidonie Werner-Hamburg. ' Der Delegiertcntag, der für das Frühjahr 1923 geplant war und sein Zusammenhang mit einer jüdischen Sommerschule mußte der Zeitverhältnisse wegen auf den Herbst verschoben werden. Die außergewöhnlichen Zeitumstände zwangen auch den Vorstand des Jüdischen Frauenbundes, eine für Anfang März angcsctzte Vorbesprechung wieder abzusagen, die alle am Mädchenschutz beteiligten Kreise zusammenführen sollte. Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes wollte bei dieser Aussprache Anregung geben, auch die Mädchenschutzsrage in allen ihren Teilgebieten zu behandeln und zu klären, um dann im Mai alle die hieran beteiligten internationalen Stellen zu einem Zusammenschluß zu veranlassen. Von der Tuberkulosekommission des Jüdischen Frauenbundes ist von praktischer Arbeit zurzeit nur von der Wiedereröffnung am 15. April der Kinderhellstätte Wyk a./F. zu. berichten. Anmeldungen sind nur dprch lokale Organisationen erwünscht, so in Berlin durch den Verein jüdische Ferienkolonien, eventl. auch au die Vorsitzende Frl. Sidonie Werner-Hamburg, Jsraeliti.ch-Humanitä er Frauen-Verein, Husumerstraße 1. Aus dem Bericht der Vorsitzenden über das Heim in Neu-Isenburg wird dankbarst des Geschenks enter Höhensonne von der Welthilsskonf-ereuz gedacht, welches den rhachitischen und skrofulösen Kindern dort eine wahre Wohltat zu werden verspricht. Die. pekuniäre Lage der Bundeskasse gibt zu schweren Beunruhigungen über die Fortführung der Arbeit Anlaß. Der Gedanke, daß auch organisatorische Arbeiten Mittel erfordern, und daß sich auch für diese ideellen Aufgaben Spenden und Wohltäter finden, muß verbreitet und von den am Werk . Mitarbeitenden ausgenommen werden. Die Schatzmeisteriu Frau Bettina Brenner-Leipzig, F e r d. Rhode st raße 22 pt., Postscheckkonto Nr. 26 219 Leipzig, bittet die Ortsgruppenvorsitzenden d r i n g e n d die Beiträge für den. Bund Deutscher Frauenvereine an sie zu überweisen, damit die gesamten Beiträge des Jüdischen Frauenbundes einheitlich an Frau Altmann-Gottheiner-Frankfurt a./M. im 2lprll abgesandt werden können. Vor kurzem erhielt die Schriftleitung des Jüdischen Frauenbundes einen Arbeitsbericht der Ortsgruppe Barmen. Dieser gibt ein Bild des vertieften geistigen Lebens, welches die Mitglieder im Dienste des Jüdischen Frauenbundes vereint. Sie, die den unglücklichen Vorgängen im westlichen Industriegebiet ganz nahe sind, suchen Befreiung und Erhebung in ihren regelmäßigen Zusammenkünften, wo sie zu einer sozialen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, einander in freier Aussprache über literarische, ethische und pädagogische soziale Fragen verstehen und finden lernen. Desgleichen werden Borträge aus diesen Gebieten vor einem größeren Kreise gehalten; der Pflege jüdischen Wissens diente ein Kursus zur Einführung in die Thora. Eine große weihevolle Versammlung wurde zum Gedächtnis Walter Rathenaus durch die Ortsgruppe veranstaltet. * Die praktische Arbeit steht in enger Fühlung mit den: jüdischen Wohlsahrtsverband Elberfeld. — Im Sommer 1922 10

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