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Nachrichtendienst · 1923-02-01 · Heft 5-7 (Februar 1923) · p. Seite 3

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 5-7 (Februar 1923)
Date
1923-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ministerium mH er Kelberg veranstaltet. D ie Z.W.St. war durch den Vorsitzenden des Synagogenrates Mannheim, Herrn Direktor Schorsch, vertreten. Im Anschluß an eine Besprechung über die Zuschüsse der Reichsmittel all die Anstalten wird die Notwendigkeit eines einheitlichen Verpflegungssatzes in Deutschland anerkannt. Auch, soll den Krankenkassen in Zukunft leine Vergünstigung mehr eingeräumt werden, Ueberhaupt können die vom Reich bewilligten Mittel nur als Ansporn zur Selbsthilfe betrachtet werden. Der Verein für Säuglingsfürsorge und Wohlfahrtspflege im Regierungsbezirk Düsseldorf ist von dem dortigen Regierungspräsidenten mit der Verteilung von Mitteln, die das Preußische Wohlfahr t s m i n i st e r i u m für Anstaltsfürsorge juc Verfügung gestellt hat, beauftragt worden. Auf die jüdischen Anstalten entfallen nach dem Bericht des dortigen Vertreters der Zentralwohlfahrtsstelle, Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, 420021 Mark, die an Anstalten, soweit sie zum Regierungsbezirk Düsseldorf gehören, weiter geleitet werden. b) durch die private Liebestätigkeit. Mit seltener Opferwilligkeit hat das Deutsche Reich in allen seinen Schichten die Ruhraktion unterstützt. In größtem Umfange sind von allen Seiten Sachwerte und Lebensmittel gespendet worden. Nach dem Ruhreinmarjch gingen zunächst zwei Bewegungen nebeneinander her, eine Wirtschaftshilfe der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft, die inzwischen in die zweite Bewegung das Deutsche Volksopfer eingegangen ist. Das Volksopfer ist auf Spenden aufgebaut und verfolgt lediglich caritative Zwecke. Es dient nicht zur Abnahme der Lasten des Reichs und der Länder, sorrdern zur Ergänzung deren Fürsorgetätigkeit. Eine Verwerrdung der Mittel zu politischen Zwecken ist ausgeschlossen. Die Z.W.St. ist sowohl in der Reichsgeschäftsstelle (die sich in Sarnmel- und Verwaltungsstelle gliedert), als auch in den Landesausschüssen vertreten. Bei der Geschäftsstelle in Essen ist als Vertreter der jüdischen Wohlfahrtspflege Herr Rabbiner Dr. Samuel zugezogen worden. Ergänzungssammlungen anderer Organisationen stehen im Einvernehmen mit dem Volksopfer. In der letzten Sitzung der Reichsgeschäftsstelle wurde die Einschulung der Kinder unter Berücksichtigung der Konfessionen in die Wege geleitet, ferner aus den Mitteln des Volksopfers zur Erholungsfürsorge für 18000 Kinder für 45 Tage"2 Milliarden Mark (pro Knrd und Tag 2500 Mark) bewllligt. Die Unterbringung von Kindern aus dem Rnhrgebiet ist dem Verein „Landaufenthalt für Stadtkinder" unter der Bezeichnung „Zentralstelle für Kinderhillfe im Einbruchsgebict" (deren Arbeitsausschuß die Z.W.St. angehört) übertragen worden. Nach den vorliegenden Richtlinien ist die Zusammenarbeit zwischen der behördlichen und freien Wohlfahrtspflege gewährleistet. Der zu erwartende Ulnfang der Kindecunterbringung (man rechnet mit 1 Million), die Notwendigkeit,/ nicht uur gesunde Kinder auf längere Zeit in Familien, sondern auch kranke in Heimen unterzubringen und die politische Tragweite des Gelingens des Werkes erhöht die Verantwortlichkeit alter beteiligten Stellen und die Ausgaben können nur im engsten Zusammenwirken erfüllt werden. Auch für die Unterbringung jüdischer Kinder liegt ein großes Bedürfnis vor.?) Den Richtlinien entsprechend soll auf die Konfession möglichst Rücksicht genommen werden. Wir sind überzeugt, daß sich, unter der jüdischen Bevölkerung hilfsbereite Kreise finden, die Kinder aufnehmen und bitten, um Zersplitterungen zu vermeiden, alle diesbezüglichen Mitteilungen — soweit sie nicht an den zuständigen Magistrat zu richten sind — au die Z.W.St. gelangen zu lassen. . Der Kinderspeisung wird durch den Deutschen Zentralausschuß für die Auslandshilse im besetzten Gebiet *) So sind z. B. aus Dortmund bsretw jöv Kinder nach Bremen gebracht worden, eine große Zahl jüdischer Kinder aus Gelsenkircken soll nach Rheda i. W.-verschickt worden sein. In Essen scheint richtige Not vorzuliegen. höchste Aufmerksamkeit gewidmet. Durch die Initiative des ' Reichsernährungsministers wurde die Speisung im Ruhvgebiet verdoppelt und dem Deutschen Zentralausschuß für die Auslandshilse 3,5 Millionen zu diesem Zwecke von der Reichsxegierung überwiesen. Die Erhöhungen wurden auch in den Orten des altbesetzten Gebietes, insbesondere in linksrheinischen Orten vorgenommen. Insgesamt konnten 202000 Kinder an der Speisung teilnehmen. Ein Teil der angekauften Lebensmittel dient als Reserve bei einer Verschickung der Kinder in Heime im unbesetzten Gebiet. Die Amtliche Fürsorge für Ruhrflüchtlinge ist dem Deutschen Roten Kreuz, Abteilung Flüchtlingssürsorge, übertragen. Vor Schwindlern' — sogenannten Berufsslüchtliugen — wird gewarnt. Wichtig ist es, keinerlei Fürsorge für Ruhrverdrängte zu übernehmen, ehe deren Fürsorgeberechtigung nicht einwandfrei festgestellt ist. Förmlich ausgewiesene Flüchtlinge werden im Besitz sogenannter Leitscheine sein. Die Leitscheine werden von. den lldbernahmestellen ausgestellt. Uebernahmestellen sind: Provinzialsürsorgestelle Münster i. W., S alliz i nst r. 13; Zentralsürsorgestelle Cassel Spohrstr. 6; die Reichszentralstelle Freiburg in Baden,Nordkaserne; der Bayerische Landeshilssverein vom Roten Kreuz, M ü n ch e n, S ch r a m m e r ft r. 7; die Hessische Landessürsorgestelle Tarm stadt, Alexander st r. 3 2. Ta Flucht ohne förmliche Ausweisung leicht möglich, sein kann, kann es Vorkommen, daß Flüchtlinge nicht im Besitz von Ueberweisungsscheinen.sind. In diesen Fällen ist Orientierung bei der Zentralsürsorgestelle Düsseldorf angebracht. fllrsorgc kür Mchllingc aus den öftlidjm Srcnrmarkcnlänäcrn. Auf Grund des Friedensvertrages fiiib aus den abgetretenen Gebieten des Ostens viele Reichsangehörige geflüchtet und haben um ihres deutschen Denkens willen Hab und Gut im Stiche gelassen. Sie haben zum Teil schwere seelische und körperliche Qualen erdulden müssen und bedürfen ganz besonderer Hilfe. Mit der Fürsorge ist das Deutsche Rote Kreuz, Abteilung Flüchtlingssürsorge, betraut worden. Es hat zwar zunächst die Flüchtlinge in 20 Heimkehrlagern ausgenommen, doch ist die höchste Aufmerksamkeit darauf gerichtet, sie wieder ins Erwerbsleben einzugl ledern, jungen Menschen die Erlernung eines Berufes zu ermöglichen, Kinder aus dem freudlosen Dasein in den Lagern herausznnehmen und ihnen geregelten Unterricht zu ermöglichen und alten alleinstehenden. Personen ein weniger entbehrungsreiches Dasein durch Ausnahme in Heimen zu verschaffen. Das Rote Kreuz sucht diese Aufgaben nach Möglichkeit zu lösen. Eine Beteiligung anderer Wohlsahrtsorganisationen bei der Einzelsürsorge ist aber dringend notwendig. Aus diesem Grulüre hat die Zentralwohls ah rtsstelle sich über die Verhältnisse der jüdischen Flüchtlinge in den Heimkehrlagern genau orientiert und die den Lagern benachbarten Gemeinden um Unterstützuug bei der Fürsorge und Unterbringung gebeten. Anläßlich der Pessachfeiertage haben diese auch in dankenswerter Weise die Frage der rituellen Verpflegung in den meisteil Lagern gelöst. Auch die Z.W.St. hat bei dieser Gelegenheit 320000 Mark aus besonderen Mitteln an die jüdischen Flüchtlinge verteilt. Ganz besondere Aufmerk.amk.it widmet der Verein für Arbeitsnachweis der Berliner Logen U.O.BB. der Vermittlung voll Arbeit an Flüchtlinge. Durch feine Bemühungen ist es erst in allerletzter Zeit gelungen, einer Familie voll 6 Personen, die sich in dem Heimkehrlager Zossen befand, Unterkunft und Arbeit in Münster i. W. zu verschaffen. Wir^ richten an alle Gemeinden in Deutschland, große und ll:ine, den dringendeil Appell, uns bei diesem Hilfswerk für deutsche Flüchtlinge zu unterstützen und Existenzmüglichkeiten zu melden. Vertreten sind u. a. folgende Berufe: Bäcker, Gärtner, Glaser, Maler, Schneider, Stützen, Bürogehilflunen. Für die Aufnahme alter alleinstehender Persollen in Altersheimen empfehleil wir das Beispiel dos HosrM«i-l4 vor» Worms zur Nachahmung, das entgegen satzurrgsgemäßer Beschränkung aus Gemeindemitglieder eine alte geflüchtete Frau 3 -

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