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Nachrichtendienst · 1922-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1922) · p. Seite 11

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1922)
Date
1922-12-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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1. welche monatlichen Pflegegelder a«geboten werden und ob eine ausreichende Ausstattung und deren Ergänzung gesichert ist, 2. ob bei einer Ausnahme die erforderlichen Ausstattungsgegenstände (Bettstelle und Betten, Bettwäsche und sonstige Einrichtungsgegenstände wie Schrank, Tisch, Stuhl usw.) mitgegeben, oder ob die Anschasfungskosten hierfür vergütet werden könnten, 3. welcher einmalige Beitrag für die bauliche Einrichtung zur Verfügung gestellt werden würde. Das Gelingen des ganzen Werkes hängt hauptsächlich Don einer zufriedenstellerlden Beantwortung der dritten Frage ab. ' Da die Rundfrage erst in letzter Zeit ergangen ist, so kann augenblicklich noch nichts Sicheres über das Zustandekommen des Projekts gesagt werden, doch ist die Hoffnung berechtigt, daß ein aussichtsvoller Anfang wird gemacht werden können. In diesem Falle würde, sobald erst durch die Tatsache eines wenn auch noch kleinen Dauerheims der Segen der beabsichtigten Neuschäpsung dargetau sein wird, auch die Vollbelegung nicht lange aus sich warten lassen und es würde der jüdischen Wohlfahrtspflege ein großes Institut erhalten werden, das sonst anderen Zwecken zugeführt werden müßte, da der D.J.G.B. in der jetzigen Zeit nicht in der Lage ist, das Gebäude länger zur Verfügung zu halten. Selbstverständlich soll die Ausnahme nicht auf diejenigen beschränkt werden, die sich bereits gemeldet haben, vielmehr kommen die weiteren Kreise, besonders in den Groß gemeinden, die bisher von. dem Projekt keine Kunde gehabt haben, ebenso in Betracht. Es erscheint erwünscht, daß diese Mitteilung in weiten Kreisen bekannt, wird. — Reflektanten wollen sich unter Beantwortung der vorerwähnten drei Fragen an b 1 e G eschäftsstelle des D.I. G. B., Berlin W. 35, Steglitzer .Straße 91, wenden. Mit Rücksicht auf die vorstehende Darlegung ist Eile geboten. Sdjroarze Liste des v. J. 0. v. Cohn, Efraim, geb.? in ftspole. Grund: erhielt am-20. 11. von der Zentralarmenkasse Köln eine Fahrkarte Bochum zwecks Heimreise, tauchte aber bald darauf wieder in Frankfurt am Main auf. Temkin, Abraham, aus Homel (nennt sich auch Alinka * oder Leyzerowicz). Grund: wurde wegen des schon gemeldeten .Einbruchsdiebstahls in der Synagoge, Glockengasse 7, von der hiesigen Strafkammer am 16. 11. zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. (Zentralarmenkasse Köln.) 'Kvhn, Efraim, aus Litauen. Grurck): hat in Alsdorf Sachen im Wert von 30 000 Mk. bei seinem Kollegen Abraham Schulmann gestohlen. Kalmar, Oskar (Ungar), Schlosser. Grund: hat seine Kollegen bestohlen. Gestalt: mittel, Augen: braun, Haare: schwarz. (AFST., Bochum.) Katz, Ignatz, aus Czernowitz. Die AFST., Breslau, schreibt uns: In der Berliner Meldeliste vom 14. rc. finden wir Ignatz Katz aus Czernowitz, letzter Aufenthalt Frankfurt. Ein Mann dieses Namens, geb. 96 in Cz., hat sich Mitte November hier zirka eine Woche aufgehalten. Wir haben ihn zunächst unterstiitzt und trotz unglaublich frechen Benehmens endlich auch eine Fahrkarte zur Hoimeeise nach Annabökg O./S. gegeben. Wenn er jetzt schon wieder in Berlin und Frankfurt war, scheint er die Fürsorgestellen systematisch auszunützen. Schönberg, Walter, Schewatz, Heinrich, haben in Berlin eine Fahrkarte nach Dortmund erhalten, die sie sich verpflichteten, zurückzuerstatten. Sie haben den ausgelegten Betrag nicht zurückgeschickt. Ein an die von chnen znrückgelassene Adresse geschickter Brief kam als unbestellbar zurück. ' BrbcttcrMrtorgcamt üer Mischen Oroamfationen DeutfcjtHanüs. Anschrift: Berlin N., Buguftftraße 14/17. I. In der Berichtszeit hat vor allem die Ostjudendebatte im Preußischen Landtag die Aufmerksamkeit der Oessentlichkeit aus die Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamtes gelenkt. Wenngleich naturgemäß die Anssprache als solche kein erfreuliches Faktum war, so können wir doch mit Genugtuung vermerken, daß ohne jeden Zweifel die tatsächliche Arbeit des Arbeiterfürsorgeamtes und die Aufklärung, die wir über unsere Tätigkeit der Oessentlichkeit haben zukommen lassen, den Gang der Verhandlungen einigermaßen beeinflußt hat. Besonders die Redendes Ministers Severing, der sich mit aller Entschiedenheit für eine anständige Behandlung der ^Mischen Flüchtlinge einsetzte und die Tätigkeit des Arbeitersürsorgeamtes durchaus lobend erwähnte, sowie die Rede des Abgeordneten Dr. Cohn zeigte mit aller Deutlichkeit, daß der von uns eingeschlagene Weg bei der Behandlung der Ostjudenfrage der richtige ist. Hervorgehoben muß ferner werden, daß auch der Redner der Deutschen Volkspartei sich bemühte, die Dinge sachlich zu behandeln, wenngleich nicht zu verkennen war, daß auf ihn die Gedankengänge des Verbandes nationaldeutscher Juden stark eingewirkt haben. Daß es Herrn Fischbeck von der Demokratischen Partei Vorbehalten blieb, eine der Deutschnationalen würdige antisemitische Rede zu liefern, muß leider erwähnt werden. II. Bon bedeutend größerer Wichtigkeit sind jedoch die Verhandlungen, die während der gleichen Zeit sich mit der Frage der Legitimierungs- und Genehmigungspslicht der ausländischen Arbeiter in Deutschland befaßten. Denn die gesamte Produktwierungstätigkeit des Arbeitersürsorgeamtes hangt von den diesbezüglichen Verordnungen ab. In wochenlangen Verhandlungen haben wir versucht, die Behörden davon zu überzeugen, daß. mindestens der gegenwärtige Zustand beibehalten werden muß, der den vor dem 1. Oktober 1920 nach Deutschland eingewanderten Ausländer in der Frage der Arbeitstätigkeit dem Inländer gleichstellt. Leider sind wir mit unseren Argumenten nicht durchgedruugen und es steht zu erwarten, daß. die Reichsarbeitsverwaltung eine Verordnung herausbringen wird, der zufolge alle ausländischen Arbeiter, die nach dem 1. Januar 1919 nach Deutschland gekommen sind, nur in Betrieben arbeiten dürfen, die besondere Genehmigung zur Beschäftigung ausländischer Arbeiter erhalten haben. Die Folge davon ist, daß der größte Teil der unserer Fürsorge unterstehenden Personen, die in den Jahren 1919 und 1920 eingewnndert sind, sich in der Gesayr befindet, arbeitslos zu werden, oder, wenn die Entlassung aus Grund der neuen Bestimmungen nicht sofort eintritt, doch unter einem wirtschaftlichen Druck zu leben, der eine bell

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