Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1922-1923
- Issue
- Heft 3-4 (Dezember 1922)
- Date
- 1922-12-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Außer vielfachen privaten Channkah-Bescherungen, die mit unserer. Ortsgruppe in Verbindung standen, hat die Ortsgruppe selbst, zusammen mit der Gesellschaft „Eintracht" IM Kinder eingekleidet und. an deren Angehörige Lebensmittel verteilt. Die Beratungsstelle (allwöchentlich einen Vormittag) wird. vom Publikum, der Gemeinde und den Vereinen stark in Anspruch genommen. Hier kommen lokale Fälle der Wohlfahrt und Wohltätigkeit, soziale Einrichtungen, Bundes-, Gemeinde- und städtische Arbeit zur Beratung und Bearbeitung. Leipzig. Von einem besonders gelungenen öffentlichen Vortragsabend berichtet die Ortsgruppe Leipzig. S. Wronsky aus Berlin sprach über das Thema: „Die Berufung der jüdischen Frau". In der Diskussion wurde die Mitverantwortung der Frauen an den Gemeindewahlen und" in der Gemeindearbeit von Männern und Frauen einmütig gefordert. Berichte der Mainzer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes: 26. Oktober 1922. Vortrag von Fräulein Dr. Wertheim aus Frankfurt über „Muttergestalten aus der Bibel". 23. November 1922. Vortrag von Frau Henriette - Fürth aus Frankfurt über „Die Frauen und' die hauswirtschaftliche Not unserer Zeit". 7. Dezember 1922. Vortrag von Fräulein Nani Stern aus Breslau über „Das Jüdische Volkslied" mit Klavier- und Gesangbegleitung. 10. Januar 1923. Vortrag von' Fräulein Hannah Karminski aus Frankfurt über „Unsere Kulturaufgaben". 10. Dezember hatten wir in den Räumen der Loge einen Bazar von Lebensmittel (Konserven, Zucker, Mehl, Wein, Keks etc.) Handarbeiten — nur praktische Sachen — , auch Kuchen und Torten kam,en zum Verkauf. Da alles gestiftete Geschenke von Mitgliedern gewesen, hatten wir gar keine Ausgaben, einen Reingewinn von einigen Hunderttausend Mark. Davon gaben wir mehr als die Hälfte der Einnahme als „Chanukah-Spende" 8 Vereinen gröbere Summen, Witwen und verschämten Armen größere Geldbeträge, den Aermsten schickten wir statt Geld Lebensmittel. In zwei Stunden (von 3—5 Uhr) war alles ausverkaust. Berichten und Arbeitsprogrammen aus Leipzig, München, Witten entnehmen wir, daß die bekannten Arbeitsgebiete: Tuberkulosenfürsorge, Kinderfürsorge, Nähkurse, Arbeitsnachweis etc. im Mittelpunkt der praktischen Arbeit stehen. An den Diskussionsnachmittagen kommen einerseits allgemeine zeitgemäße Frauenfragen wie „Die Frau und das moderne Recht" (auch als Einführung von Frauen in das Amt der Schöffen und Geschworenen gedacht) „Hausfrauenfragen" etc. zur Sprache, anderersetts werden speziell jüdische Fragen behandelt. - Im nächsten Blatt hoffen wir auch einmal von den öffentlichen Vereinen und Ortsgruppen (Königsberg) Berichte bringen zu können. Nachrichten der Stjjriftleitung Berlin. Die Eisenbahnplakate der Mädchenschutzadressen der Evangelisch-Deutschen Bahnhofsmission, der katholischen Bahnhofsmisfion und des Jüdischen Frauenbundes sind vergriffen und müssen neu gedruckt werden. Der Reichsverkehrsminifter hat die Vergünstigung gezeigt, in allen Wartcsälen des deutschen Reiches an 1 oder 2 Tagen hierfür sammeln zu dürfen, da sonst den Organisationen die Mittel hierfür gefehlt Hütten. Die Plakate müssen ln bisheriger Form erhalten bleiben, wenn es auch z. B. aus Mangel an Mitteln (für Beamtinnen, Zufluchtsräume etc.) eine jüdische Bahnhofshilfe nicht gibt, so glauben wir doch diesen wichtigen Zweig der sozialen Arbeit zu gegebener Zeit wieder ausnehmen zu können und hoffen, paß die christlichen Helferinnen der kleinen Zahl von reisenden jüdischen Mädchen solange ihren Beistand nick,t versagen werden. Nach eingehenden Beratungen mit den interkonfessionellen Bahnhofskommissionen haben nun Sammlungen für das Eisenbahnplakat in den Wartesälen siattgesunden, bei denen die Ortsgruppen des Jüdischen Frattenbuitdes im Rahmen der Sammlung mitarbeiteten. Wir machen erneut darauf aufmerksam, daß seit Jahresbeginn Frauen als Schöffen und Geschlvor e n e amtieren. Es ist dringend zu wünschen, daß die jüdischen Frauen, um vorbereitet zu sein, sich an den örtlichen Einführungskursen zur Aufklärung über diese Aufgaben beteiligen. 4- Vom Verband jüdischer Frauenvereine im Rheinland und Westfalen, Vorsitzende Frau Geheimrat Auerbach, Köln, Mohrenftraße 35, geht uns ein eindrucksvoller Aufruf zu. Es soll von dieser Stelle aus versucht werden, Familien, denen die Freuoe an eigenen Kindern versagt blieb, als Ersatz solche Kinder zuzuführen, welche sonst in fremder Pflege anfwachsen müssen. Die ersten Versuche, einer Ausführung haben ergeben, daß Angebot und Nachfrage wohl vorhanden sind. Der Verband der jüdischen Frauenvereine in Rheinland und Westfalen hat beschlossen, seine in der Generalversammlung vom Mai aufgenommene Idee einer Adoptionsvermittlu n g Mit großzügig auszubauen und richtet an sämtliche Frauenverbände und Vereine die Aufforderung, in gleicher Weise ein Werk der Nächstenliebe zu beginnen und Meldungen aus allen Teilen des Reiches der Zentralstelle für Adoptions-Vermittlung, welche in den Händen von Frau Lina Mosheim, Barmen, Oberdörnerftraße, liegt, weiterzugeben. Eine zweite Adoptionsvermittlung wird von dem Hannoverschen Provinzialverband unterhalten. Durch die Zusammenarbeit unserer Verbandorganisationen ist damit die einheitliche Durchführung dieser bedeutsamen Aufgabe für den Westen schon gewährleistet. Zu wünschen ist die Ergänzung und Vervollständigung durch Aufnahme und Anschluß der Adoptionsbestrebungen in den Ortsgruppen und Vereinen des I. F. B. in anderen Teilen Deutschlands. Fräulein Dr. Margarete Berent, Referendarin, ist z. Z. als Amtsanwalt berufen; sie ist somit der erste werbliche Amtsanwalt in Deutschland. * * Frau Rosa Melzer, Lemberg, die uns aus der jüdischen Jugendwohlfahrt wohl bekannt ist, wurde als erste Frau als Abgeordnete in den polnischen Reichstag gewählt. vcultch WaeMsch.Semcmüebunü Äntchritt: Berlin W.35, Lteglitzerstr. y. Die Wohlfahrtsbestrebungen des D.J.G.B. haben im verflossenen Monat in besonderem Maße die Aufbringung der Mittel zur Erhaltung der von ihm ressortierenden Anstalten in Repzin und Cöpenick, sowie der Anstalt Beelitz gegolten. Das Projekt des Dauerheims für erwachsene Schwachsinnige wird trotz der in den Zeitverhältnissen begründeten Schwierigkeiten weiter verfolgt. Da die außerordentlich großen Mittel, die die .Einrichtung eines Bolübetriebs erfordern würde, nicht zur Verfügung stehen, so wird rin lichter Versuch gemacht, wenigstens in kleinem Umfange anzusangen. Zu diesem Zwecke ist ein Rundschreiben an die Angehörigen der zur Ausnahme Angemeldeten ergangen, in dem ihnen folgende Fragen vorgelegt werden: 10