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Nachrichtendienst · 1922-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1922) · page 12

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1922)
Date
1922-12-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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deutende Verschlechterung der augenblicklichen Lage darstellt. So unwahrscheinlich es klingt, so wird dennoch durch die genannte Verordnung dem Ausländer die ehrliche anständige Arbeit fast unmöglich, gemacht und er somit gezwungen, falls er nicht verhungern will, sich selbständig zu machen, falls er nicht auch dort auf Schwierigkeiten stoßen sollte, wenn er einen Gewerbeschein bekommen will. Die Gefahr des Uebergangs zum Handlertum, auch in seinen üblen Erscheinungsfolgen, ist daher überaus bedrohlich geworden. Es ist von größter Wichtigkeit, nicht nur die jüdische Oefsentlichkeit, sondern die gesamte öffentliche Meinung über diese Frage aufzuklären. Denn die betreffenden Verordnungen erstrecken chre Wirkung natürlich! nicht nur auf Ostjuden, sondern vor allem auf die bei weitem zahlreicheren deutschstämmigen Ausländer, die sich als Arbeiter in Deutschland aufhalten. Wir werden deshalb über die Frage ausführlich weiter berichten. HI. Es ist leider notwendig, in diesem Zusammenhang auf einen Artikel hinzuweisen, der am Montag, den 18. ds. Mts. in der Abendausgabe der Kölnischen Zeitung erschienen ist und der — kaum glaublich, — von einem Juden, namens I. Hob recht, Mitglied des Verbündes nattonaldentschev Juden, versaßt ist. Dieser Artikel stellt das Unglaubliche dar, nicht nur von Schmähungen, die von einem Juden gegen andere Juden ausgestoßen worden sind, sondern ist ein antisemitisches Pamphlet von einer Widerwärtigkeit, wie sie in den üblichen antisemitischen Organen sehr selten zu finden ist. Der Artikel kann infolge der Unkenntnis der deutschen Oeffentlichkeit über Person und Gefolgschaft des Verfassers großes Unheil anrichten. Er kann das Gute haben, daß sich das deutsche Judentum in seiner Gesamtheit, mit Ausnahme jener verschwindenden Minderheit, die sich hinter Herrn Dr. Naumann stellt, zu einer einmütigen ' Kundgebung zusammenfindet, die bekundet, daß das deutsche Judentum mit aller Entschiedenheit eine Politik fortzusetzen gewillt ist, die sich, der in Not befindlichen Glaubens- und Stammesgenossen unter der gebotenen Rücksicht auf alle . deutschen,' wirtschaftlichen und politischen, Interessen annimmt. — vru»r martendorfer Oerlagsanftalt und Drudttrel bemann wegurr iC. Co.» 8erUn<Hlarlemlorf.

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