Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 - Am 7. Februar fand die T a g u u fl des Provinzialverbaudes für jüdische Wohlfahrtspflege Sachsen-Anhalt in Magdeburg statt, die von den Provinzialgemeinden sehr gut beschickt wurde. Es wurden vor allem organisatorische Fragen behandelt, da der Provinzialverband immer noch nicht in den Gemeinden so fest verankert ist, daß er, wie man von ihm erwartet, produktive Arbeit leisten kann. Von der Zentralwohlfahrtsstelle nahm an der Tagung teil Frl. Weinreich, die einen sehr instruktiven Vortrag über die Zusammenarbeit der jüdischen Wohlfahrtspflege mit der amtlichen hielt. An diesen Vortrag knüpfte sich eine sehr eingehende Diskussion. Es wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, das Referat drucken zu lassen und es sämtlichen Mitgliedern des Wohlfahrtsverbandes zu übermitteln. Am 21. Februar veranstaltete der Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege in Brandenburg seine diesjährige Tagung in Berlin, an der Vertreter fast aller angefchlofsenen Gemeinden teilnahmen. Herr Dr. Salomonski gab einen Ueberblick über die wesentlichsten Leistungen des Verbandes, insbesondere auf dem Gebiete der Wirtschastssürsorge; aber auch die Jugendwohlfahrt und Gesundheitsfürsorge hat die Kräfte des Verbandes sehr stark in Anspruch genommen. Herr Dr. Kohn von der Zentralwohlfahrlsstelle referierte über das wichtige Kapitel der Aufwertung der Wohlfahrtsrente. Am 14. Februar auf dem o b e r s ch l e s i s ch e n Gemein deverbandstag in Ratibor war die Organisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege in Oberfchlefien Gegenstand eines Referates, das von Herrn Dr. Erwin Kohn von der Zcntralwohlfahrtsstelle gehalten worden ist. Im Anschluß an dieses Referat wurde beschlossen, eine besondere Tagung demnächst in Oberfchlefien abzuhalten, an welcher der Zusammenschluß der Gemeinden, Organisationen und Vereine für jüdische Wohlfahrtspflege zu einem besonderen Provinziatverband erfolgen soll. ' In der Zeit vom 19. bis 24. Januar besuchte der Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle, Herr Dr. Segall, die größeren Gemeinden in Ostpreußen: Elbing, Insterburg, Allenstein, Tilsit und Königsberg und sprachen in allen, diesen Gemeinden über die Aufgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland,» mit besonderer Betonung der Notwendigkeit eines Provinzialvcrbandcs für jüdische Wohlfahrtspflege in Ostpreußen. Die Gemeinden brachten derr Ausführungen des Redners überall großes Interesse entgegen und erklärten sich bereit, den bereits vor Jahresfrist begründeten Provinzialverband ideell und materiell zu fördern. In Auswirkung der Tagung des Landesverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau in Frankfurt a. M. im November fand eine Veranstaltung in Cassel statt, an welcher von der Zentralwohlfahrtsstelle der Geschäftsführer Herr Dr. Segall, vom Landesverband Frankfurt a. M. der Leiter Herr Dr. Frank, von der Beratungsstelle für ostjüdische Flüchtlinge Herr Dr. Beatus teilnahmen. In einer engeren Besprechung mit dem Vorstand der Gemeinde Cassel wurde erreicht, daß in den Etat der Gemeinde 8900 Mark für örtliche Wohlfahrtspflege und ein größerer Zuschuß für bcn Landesverband eingestellt werden. Die Versammlung war von den zum Bezirk Cassel gehörenden Gemeinden sehr rege besucht. Es sprachen: Herr Dr. Segall, Herr Dr. Frank und Herr Dr. Beatus. Sämtliche Gemeinden erklärten ihren Anschluß an den Landesverband uub sind bereit, den auf sie entfallenden Zuschuß für die Ausgaben des Provinzialverbandes zu leisten. 8 Tage später faub in Fulda eine Versammlung statt, an der eine Reihe von Gemeinden des Bezirkes Fulda teilnahmen. Auch hier wurde nach einem Vortrage des Geschäftsführers der Zentralwohlfahrtsstellc, Herrn Dr. Segall, von den Anwesenden die Bereitwilligkeit zum Anschluß an den Provinzialverband ausgesprochen und die notwendigen Beträge für die Durchführung der sozialen Aufgaben des Verbandes zur Verfügung gestellt. In Leipzig hielt Dr. Erwin Kohn in einer Sitzung des Gemeindevorstandes im Januar auf dessen Wunsch ein Referat, über Aufwertungsfragen. wirlschgst8sürsorge. Für die Gewährung von Hypothekeu aus den Mitteln der Angestelltenversicherung find der Zenträlwohlfahrtsstelle neuerdings mit Genehmigung des Reichisarbeitsministetiums 16 000 Mark zur Verfügung gestellt worden. Nach, einer neuen Verfügung können die Darlehen außer an die früher genannten Anstalten auch an Altersheime gegeben werden. In der Zeit von November bis Mitte März wurden an Anstalt e n ans Reichsmitteln 42 000 Mark für K r e - d i t e durchs die Z.W.St. vermittelt, 1850 Mark konnten aus dem Ausfchüttungskonto gegeben werden. Es wird hierdurch noch einmal darauf hingewiesen, daß die FrachtfreiheitbeiderBeförderung von Liebesgaben am 1. April erlischt. Bezüglich der Inanspruchnahme der Zollfreih eit für Liebesgaben aus dem A u s l a n d e durch die Vermittlung der Zentralwohlfahrtsstelle soll nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß zollfreie Beförderung nur für Lebensmittel (Kaffee, Tee, Zucker, Schokoladen- und Karaopulrer) und Textilien (Kleidungsstücke, Wäsche, Kleider¬ und Wäschestoffe) zugelassen ist. Die Abgabenfreiheit erstreckt sich (6n diesen Waren nur aus solche Gaben des Auslandes, die zur unentgeltlichen Verteilung an Bedürftige abgegeben werden. Für die Annahme von Geschenksendungen an einzelne Personen (z. B. Schüler und Studenten) durch Vermittlung der zum Empfang berechtigten Stellen sind noch eine; Reihe weiterer Lebensmittel zugelasscn. Zum Empfang ermächtigt sind alle jüdischen Wohlfahrtsämter (siehe Reichszollblatt v. 24. 2. 25). Die Vorarbeiten für eine Organisierung der Stubentenhilfe in all den Orten, wo jüdische Studenten an Universitäten .ünd Hochschulen studieren, stehen vor dem Abschluß. Die Umfrage hat ergeben, daß ganz individuell vorgegangen werden muß. In einigen Orten wird die Studentenfürsorge im Anschluß an die bestehenden Wohlfahrtszentralen gewünscht, in anderen hält man selbständige Einrichtungen für vorteilhafter. Die großen Studentenorganisationen (Kartell-Convent, Kartell jüdischer Verbindungen und Bund jüdischer Akademiker) haben sich prinzipiell zur Mitarbeit bereit erklärt. Die Sammlungen für die Studentenhilfe, die von der betreffenden Hilfsorganisation mit Hilfe der Studentenverbände durchgcführt werden soll, wird sich nicht nur auf die Universitätsstadt selbst beschränken, sondern einen ganzen Bezirk u Insassen müssen. Die einzelnen Organisationen erhalten noch vor Beginn des neuen Semesters ganz eingehende Richtlinien für dze Sammlungs- und Verteilungsaktion. Für a u s l a n d d e u t s ch e Studierende hat das Reichsministerium des Innern auch für das Jahr 1926