Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 1 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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sind sehr instruktiv. Sie können durch die Zentralwohl-- sahrlsstelle bezogen werden. Das Organisationsamt für Säuglings- und Kleinkinder-- schuh beabsichtigt, ein Handbuch der Mütter-, Säuglings- und Kleinkindersürsorge herauszugeben. Bauo 1 soll Entwicklung und Organisation enthalten, Band 2 Adressen und Namen der Träger der verschiedenen Einrichtungen, Namen des ärztlichen Leiters, Bettenzahl usw. Bei Vorbestellung wird ein Preisnachlaß von 50 °/o des Ladenpreises (6 Mk. pro Band, freibleibend) gewährt. Vorbestellungen sind an das Organrsationsamt sür Säuglings- und Kleinkinderschuh, Charlottenburg 5, Mollwitz-Frankstraße, oder an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden zu richten. * Im Verlag von Karl Heymann erscheint gegenwärtig in 8 Lieferungen (zu je Mk. 3.—) ein Handw örterö uch der Wohlfahrtspflege, das eingehend über den Gesamtkomplex der Fragen und Zustände auf dem Gebiet des Wohlsahrtswesens orientiert. * Als Einführung in die Verordnung über die Fürsorge- Pflicht erschien ein Leitfaden zur Durchführung der Verordnung „Die Fürsorgepflicht" im Verlag von Karl Heymann, herausgegeben von Wölz, Ruppert und Richter (Referenten Beim Reichsarbeitsministerium). Der Leitfaden wurde von der Geschäftsstelle der Z.W.St. an die Zentralen und Landesverbände verschickt. Weitere Exemplare können bezogen werden. Ueber die Verhandlungen des 3 8. deutschen. Fürsorgetages des deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge in Frankfurt am Main, der sich ausschließlich mit der Neuregelung der öffentlichen Fürsorge unter dem Druck der Finanznot befaßte, ist ein ausführlicher Bericht im Verlage von G. Braun, Karlsruhe, erschienen. IüüMer frauenbunä. SelchäklssteUe: Sieftierftr. J6. frau Henriette May. In der im Juli in Neu-Isenburg stattgehabten Vorstandssitzung, in der Berta Pappenheim nach zwanzigjähriger Amtsführung aus dem Vorstand des Jüdischen Frauenbundes ausschied, wurden folgende Beschlüsse u. a. gefaßt: 1. Die Delegierten-Versammlung noch 1924 stattfinden zu lassen, obwohl sie satzungsgemäß erst 1925 notwendig würde. 2. Nach Erledigung vereinstechnischer Fragen noch Referate anzusehen, und zwar: a) Frau Nassauer: Bundesarbeit außerhalb der sozialen Arbeit. b) Frl. Pappenheim: Erziehungsfragen, Erfahrungen und Ausblicke aus der Arbeit in Isenburg. c) Gemeindewahlrecht der Frauen. 3. Die Wiederheransgabe eines Bundesorgans, da das sporadische Erscheinen des „Nachrichterrblattes" der Z.W.St. nicht ein allmonatlich erscheinendes Organ als Verbin-, dungsglied zwischen Vorstand, Landes- und Provinzialverbänden, Ortsgruppen und deren Mitglieder ersehen kann. Ferner wird auf den notwendigen Zusammenschluß aller der Frauen hingearbeitet, die schon in den jüdischen Gemeinden Sitz und Stimmen haben und deren Erfahrungen als wichtige Vorarbeit für die Wahlen zum Preußischen Landesverband nicht zu entbehren sind. Frau Frenkel, tzranksurt a. M., wird die Schaffung dieses Zusammenschlusses übertragen. Bedauerlicherweise haberr die Arbeiter» der Tuberkulose-Kommission in diesem Sommer noch kein Resultat gezeitigt, obgleich die Verbindung mit Hoheulychen nicht fallen gelassen worden ist. Auf det im August in Karlsbad stattgehabten II. Welthilsskonferenz sirrd die 2 bewilligten Delegationen Fräulein Pappenheim und Frau Tr. Vogelstein übertragen worderr. Zu dern am 18. September in Graz stattsindeuden Internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels sind Delegationen nicht beschränkt. Es hat sich angemeldet bisher: Fol. Pappenheim, die 2 Anträge eiribringen wird. H. M. ürbeUcrtmtorgcamt üerMMen Organisationen Deutfdtjlanüs. Anschrift: Berlin N., AugnstStraAe H/17. Seit der Veröffentlichung des letzten Berichtes im Nachrichtendienst ist eine weitere und außerordentlich starke Abwanderung der in Deutschland lebenden Ostjuden zu verzeichnen gewesen. Die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet einerseits, die allgemeine Wirtschaftskvise, die mit Beginn der Stabilisierung eingesetzt hat, andererseits, bewirkte, daß jene ostjüdischen Arbeiter, die in deutschen Betrieben und Fabriken untergebracht waren, ihre Arbeitsstellen verlassen mußten. Sie wandten sich hauptsächlich nach Frankreich, wo sie ohne besonder: Schwierigkeiten neue Arbeitsmöglichkeiten fanden.- Zu Ende des vergangenen Jahres standen die Ostjuden Deutschlands, hauptsächlich die Berlins, unter dem Eindruck der Vorgänge im Berliner Scheunenviertel. Obwohl es gelungen war, für einen großen Teil der bei de»l Exzesse»» in» Scheunenviertel schwer geschädigten Ostjuden staalliche Entschadigunge»» zu erlange»», machte sich doch auch bei je»»en, die schon längere Zeit hier leben, große U»»ruhe bemerkbar, und so kam es, daß selbst Familien, die bereits seit sechs oder acht Jahren in Deutschland gelebt haben, ihre Habe veräußerten, um in anderen Ländern »reue Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Die Abwanderung, die noch immer a»»dauert, ist durch einen Erlaß des Herrn Reichsministers des Inner»» von» 4. Ju»»i 1924, der am 1. Juni in Kraft getreten ist, wesentlich erleichtert worden, da zufolge dieses Erlasses Personalausweise für jene Ausländer, die keinen Paß ihres Heiinatlandes erlangen können, als vollgültige Pässe anzusehen sind. Dadurch wird nun vielen Ausländern, die früher keine»» Paß erlangen und infolgedessen auch nicht ihre Ausreise antreten konnten, die Auswanderung aus Deutschland ermöglicht. Ei»»e weitere wichtige Bestimmung des Erlasses ist, daß Personalausweise »»icht mehr wie bisher nur für 3 Mo»»ate, sondern mit Gültigkeit für ein ganzes Jahr ausgestellt werde»». Auch diese Regelung bringt eine gewisse Bewegungsfreiheit für jene Ausländer, die auf Personalausweise angewiesen sind, da sie nicht befürchten müsse»», die Verlängerung ihres Personalausweises zu übersehen, wodurch sie sich in der Regel strafbar machte»» und einen Grund zur Ausrveisung gegeben haben. Die freiwrltige Auswanderung, die wir eben bereits erwäh»»t haben, hat auch eine wesentliche Verminderung der Ausweisungen zur Folge gehabt. Die Ausweisungen, die - 10 -