Mannheim
Compact Memory

Nachrichtendienst · 1924-09-01 · Heft 1 (September 1924) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nachrichtendienst
Volume
1924
Issue
Heft 1 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2549643-2549650-2549651--062-2549720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

über die zukünftige Organisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege uno im Zusammenhang damit über Finanzrerungsfragen. Zum Schluß wurde noch auf die Stellung der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland zu den ausländischen Hilfsorganisationen hingewiesen. Als Referenten waren gewonnen worden: Frau S. Wronsky-Berlin, Frl. Dr. Berent- Berlin, Herr Dc. Segall-Bevlin, Herr Dr. Frank-Frankfurt, Herr Berger-Berlin. Ueber die Tagung ist in der jüdischen Presse ein längerer Bericht erschienen. Außerdem gingen den einzelnen Zentralen und Landesverbänden stenographische Protokolle zu. Vertreten waren die. Landesverbände: Bayern, Baden, Württemberg, Hessen-Nassau: die örtlichen Zentralen: Altona, Berlin, Bremen, Breslau, Cassel, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Gleiwitz, Halle, Hamburg, Hannover^ Karlsruhe, Leipzig, München, Stuttgart, Würzburg. Es hat sich bei der Tagung die Notwendigkeit gezeigt, die jüdische Wohlfahrtspflege sowohl in geographischer als auch in sachlicher Beziehung weiter auszubauen. Zu diesem Zweck sollen im Einvernehmen mit dem preußischen Landesverband in absehbarer Zeit Provinzial verbände in Preußen, wo solche noch nicht bestehen, geschaffen werden. Ferner wurde die Zusammenarbeit mit dein Fachverband für Gesundheitsfürsorge und die Schaffung eines Fachverbandes für Erziehungssürsorqe in Aussicht genommen. Vom 21.—27? August fand in Karlsbad die zweite Jüdische Welthilfskonferenz statt, bei welcher die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden durch Tr. Segall, Dr. Ollendorf und Fräulein Weinreich als Vertreterin und die anderen großen Wohlfahrtsorganisationen in Deutschland: Groß-Loge für Deutschland, Hilfsverein der deutschen Juden, lktische Gemeinde Hamburg vertreten waren. H. Busmertung ücr erzieljungs'-Konferenz und Sozialreform. Ueber den Verlauf der Erziehungskonferenz, die im Oktober vorigen Jahres von der Zentralwohlfahrtsstclle und dem Jüdischen Frauenbund veranstaltet wurde (das Programm erschien in der letzten Nummer des Nachrichtendienstes), sind in der jüd. Presse eingehende Berichte erschienen. Die Referate wurden gekürzt in einer Broschüre „Jüdische Erziehungskouferenz" herausgegebeu, einige davon erschienen, um eine Diskussion anzurcgen, in den „Blättern für Erziehung und Unterricht" des „Israel. Familienblattes" in Hamburg. Ferner nahmen einige Zeitschriften einzelne Referate auf („Jude", „Jcschnrun", „Soziale Praxis"). Die veröffentlich> ten Verhandlungen der Erziehungskonferenz bilden die Grundlage für Besprechungen über Erziehungsfragen in verschiedenen Arbeitskreisen in Berlin und sonst im Reiche. So versucht z. B. die jüdisch-soziale Arbeitsgemeinschaft in Berlin durch Aussprache über die einzelnen Erziehungsthemen den gesamten Komplex der Fragen weiter zu klären und zu vertiefen. Im Laufe des letzten halben Jahres fanden regelmäßige Besprechungen statt über „die Bedeutung der Familie für die Erziehung", „die Wandlung des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern hinsichtlich des Autoritätsgedankens", „die Umschichtung der beruflichen und sozialen Struktur unter den deutschen Juden uud die Rückwirkung auf die Erziehung", „Frauenberuf und Erziehung", „Bernseld's Erziehungsideen", „die Anstaltsbedürftigkeit jüdischer Kinder". Tie Besprechungen werden weiter fortgesetzt. Auch die jüdisch-nationale Frauenvereinigung hat nach der Erziehungskonferenz in einer besonders hierfür begründeten Arbeitsgemeinschaft über Erziehungsprobleme beraten. Leipzig hat ebenfalls in Fortführung der Erziehungskonferenz eine' „jüdische Erziehungs-Gemeinschaft" gebildet. In erster Linie soll auf Anregung dieser Gemeinschaft für eine sachgemäße körperliche Erziehung durch Ausbau einer Säuglings-Fürsorgcstelle und Schaffung einer Beratungsstelle zur Bekämpfung von Tuberkulose und durch Veranstaltung von Aufklärungsvorträgen im Anschluß an Filmvorführungen Sorge getragen werden. Sodann soll auf die Heranwachsende Jugend eine erziehliche Einflußnahme erstrebt werden durch Einrichtungen in der Art der Tohnbee-Halls, d. h. zwanglose Znsammenkünfte der Jugendlichen, unter zielbewußter Führung. Für die praktische Auswertung der Erziehungskmserenz wurde ein Fachausschuß für Sozialresorm gebildet, der eine Reform des Anstaltswesens herbeizujiihcen sich -bestrebt. Es wurden zunächst u. a. zwei Anstalten um eine detaillierte Aufstellung der Selbstkosten ersucht, die als Grundlage für eine rationelle Wirtschafts- und Buchführung in den Anstalten dienen soll. Das so gewonnene Material wird in der nächsten Zeit praktisch verwertet werden. Durch einen besonderen Ausschuß wurden ferner die Satzungen der Jugendwohlfahrtsanstalten sorgfältig daraufhin geprüft, ob Beschränkungen der Aufnahmebedingungen im Hinblick auf das Alter, die Geburt, die Familienverhältnisse, die geographische Herkunft oder die individuelle Veranlagung bestehen, die den gegenwärtigen Verhältnissen (der Anstaltsbedürftigkeit der Kinder einerseits, der rationellen Ausnützung der Plätze andererseits) nicht entsprechen. Ueber eine Prüfung der erwähnten Aufnahmebedingungen hinaus wurden die Satzungen auch daraufhin durchgesehen, ob eine Ausdehnung der Anstaltsfürsorge über das schulpflichtige Aller hinaus, evtl, über die Dauer der Berufsausbildung möglich ist, ob unter Umständen auch vorschulpflichtige Kinder, für deren Aufnahme ein großes Bedürfnis vorhanden ist, in dem einen oder anderen Heim ausgenommen werden können. Es wurde weiterhin festgestellt, welche Satzungen eine verantwortliche Mitarbeit des Leiters in den Curatorien Dorschen, da dies für die Stellung des Leiters von ansschlag ebender Bedeutung ist. Die einzelnen Anstalten werden urch individuelle Briefe auf unzeitgemäße formale Bestimmungen in ihren «satzlingen YingeMM mW «mH Beseitigung angeregt. Als Grundlage der Satznngsreform wurde, ein Normalstatut und Aufnahmebedingungen ans gearbeitet. 'Der Verband der Leiter und Leiterinnen jüd. Erziehungsanstalten Deutschlands hat auf dem Gebiet der Satznngsreform wertvolle Mitarbeit geleistet. Auf eine Reform des Anstaltswesens hinzielend, hat sich der Fachausschuß für Sozialreform auch mit Ausbildungsfragen beschäftigt, damit in den jüdischen Heimen Deutschlands in Zukunft gut vorgebildetes und geschultes Personal tätig ist. Die Bestrebungen in dieser Richtung sind folgende: im Einvernehmen mit dem Verband zur Ausbildung jüdischer Hausbeamtinnen und zum Teil mit Unterstützung aus einem besonderen Fonds der Zentralwohlfahrtsstelle wurden in einer ganzen Reihe jüdischer Anstalten Elevinnen zur Ausbildung bezw. zur Mitarbeit in der Hauswirtschaft ausgenommen. Eine systematische, theoretische und praktische hauswirtschaftliche Ausbildung vermittelt die jüdische Haushaltungsschule Frankfurt a. M. in einem nengebildeten „Kursus zur Ausbildung von jüdischem Anstaltspersonal". Der Fachausschuß hat zu dem Lehrplan der Haushaltungsschule Stellung genommen und ein Gutachten dazu erstattet. Für das im Beruf stehende Anstaltspersonal ist seit längerer Zeit ein Fortbildungskursus geplant, der bisher leider aus verschiedenen Gründen nicht abgehalten werden konnte, jedoch in aller Kürze stattfinden wird. Eine weitere Wirkung der Erziehungskonferenz ist das Bestreben der Jugend, in der jüdisch-sozialen Tätigkeit mitzuarbeiten. Während bei der Tagung im Oktober die Jugend noch abgelehnt hatte, ihre Kräfte in den Rahmen der Gemeinschaftsarbeit zu stellen, ist sie vor kurzer Zeit aus eigener Initiative an die Zentralwohlfahrtsstelle herangetreten, damit sie in Zukunft zu der sozialen Arbeit herangezogen wird. Es wurde zu diesem Zweck ein „Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände" aus Vertretern aller Richtungen der Jugendbewegung gebildet. Der Ausschuß wird im Herbst seine Tätigkeit für das Reich aufnehmen. Zunächst hat er in Berlin mit der praktischen Arbeit bei der Erbolungsfürsorge begonnen. Es ist in die Hand der Zentralen für Wohlfahrtspflege gelegt, der Mitarbeit der Jugend in dieser Beziehung die Wege zu ebnen. — 2 -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.