Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1922-1923
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1922)
- Date
- 1922-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mit der Bitte, sich für die Unterbringung der Flüchtlinge in Vliln-i:-;fU'llcu e i uz u setzen. Die Mitwirkung der Gemeinden, Ber»Institutionen zur schleunigen Hilfeleistung für die Insassen ist eine dringende Forderung des VI n i] e n b 1 i (! s. Die Not der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungeu in der e he - m n t i g e u Prov i n z Pose n veranlaßt die Z.W.St. zu ei :ec besonderen Hilssaktiou, zu welcher sie in erster Linie die Landsmannschaften der Provinz Posen heranzieht. Vorbereitungen für die Durchführung der .Hilfsaktion sind bereits im Gange. Inzwischen Hot die Z.W.St. bereits Geldmittel für die Erhaltung der Waisen- und AllerSverforgnngsanstalt in Posen zur Verfügung gestellt. verkehr mil Behörden, Konstsslonctlen und inttrkonfcfftoncllen Organifationen. Das Reichsverkehrsministerium teilt der Z.W.St. aus ihren Antrag mit, daß den jüdischen WohlsahrtSinstitutionen die Darifvergünstigung für Beförderung von Liebesgaben bis zum 31. Dezember d. I. zngestanden wird. Die Frachtbriefe müssen den Bermerk „Zentralwohlsahctsstelle der deutschen Juden" enthalten. Nähere Auskünfte über die Dienstanweisung über Beförderung von Liebesgaben erteilt das Büro. Als Mitglied der „Reichsgemeiuschaft von Hauptverbänden der freien Wohlsahrtspftege" ist die Zentralwohlfahrtssiel'le zur Mitarbeit in folgende Organisationen berufen worden: 1. Die Organisation Krieger- und Gräberfürsorge hat den Vorsitzenden der Z.W.St., Herrn Eugen Caspary, in den Ehrenausfchnß berufen. Sie veranstaltet eine Sammlung für ihre Zwecke. Außerdem sind Patenschaften für Gräberfürsorge für Kriegsgefallene geschossen, so hat der Jüdische Frauenbund den jüdischen Friedhof in Petrikau übernommen. 2. B r über i n N o t. Die Reichssammlnng für die hungerirden Rnßlanddeutschen und für deutsche Auslandsflüchtliuge, die ruiter dein Namen „Brüder in Not" eine vereinigte Fürsorge betreiben, ist bis zum 31. Oktober verlängert worden. Die Berichte aus Preußen und anderen Landesteileu zeigen einen guten Verlauf. Einige deutsche Städte haben Patenschaften für russische Töchtergemeinden übernommen, z. B. Baden- Baden, Darmstadt, Cassel usw. Auch H a u s s a m m l u n g e n, die nur auf schriftlichem Wege erfolgten, hatten ausgezeichneten Erfolg. Es konnten dem Roten Kreuz bis zum 1. September Mk. 10 90213-1,95 für russisches Hilfsweck übergeben werden. Die jüdischen ^kreise haben sich an der Reichssammlung rege beteiligen können, da das Rote Kreuz für unterschiedslose Verteilung Gewähr leistet. Jüdische Kolonien haben sich im .Hungergebiet au der Wolga nicht befunden. 3. Die Sa m m l u n g A l t e r s hi l s e für das Deutsche Volk ist noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse der Sammlung können die Not des Alters, besonders nachdem die neue Geldentwertung eingetreten ist, bei weitem nicht in ausreichendem Maße lindern. Bis jetzt sind aus dem Reichsansgleichsfonds Mk. 250 000 für alte Wohlfahrtspfleger und Pflegerinnen bereitgestellt worden, davon sind Mk. 150000 direkt für die Unterstützung jetzt laufender Gesuche für Sozialbeamte durch die Provinzialausschüsse bestimmt, die ihrerseits die gleiche Summe hinzuzufügen verpflichtet sind. Die restlichen Mk. 100000 gelangen demnächst ebenfalls zur Verteilung. -t. Die Sammlung R h ei n l a u d d a n k für rheinische - und saarländische .Heimat- und Wohlfahrtspflege ist bis zum 15. November verlängert worden. Die bisher eingegangeneu Alk. 350 000,— wurden in folgender Weise verteilt: Mk. 250 000,— an den Hilfsausschuß der Saarländer, die hauptsächlich zur Fürsorge zu Gunsten der Markempfänger im Saargebiet (Sozial-Rentner, Witwen und Waisen) verwendet werden. Ferner Mk. 50000,— an den Hilfsansschuß der Rheinländer, des weiteren Mk. 50 000,— an den Rheinischen Verkehrsverband. Es ist in Aussicht genommeu, eine besondere „Rheinische Stndeiltenhitfe" durch den „Rhetnlschen Berkeyksverlianbt' zu nnlerslützen. 5. A n s l a n d s h i l f e. Die Zeutralivohlsahrtsstelle, die seit der Organisation der gesamten Auslandshilse in dem „Deutschen Zentralausschuß" vertreten ist, hatte vor allen Dingen die Ausgabe, dafür zu sorgen, daß im Lande draußen, in Gemeinden oder von den Stellen, welche dort mit der Durchführung der Wohlfahrtspflege betraut waren, eine Vertretung in die Orts- und Landesausschüsse entsandt wurde, daß die führenden Kreise sachgemäße Aufklärung über den Zeutralausschuß und dessen Grundsätze und Sicherheit über gerechte Verteilung erhielten und nnkontrollierbare Bittgesuche an das Ausland möglichst verhindert wurden, ferner für Aufklärung über die wahren Zustande bei den Jude u Sorge zu tragen. Bei der im Mai abgehaltenen JahreSvollversammlung des Deutschen Zeutralausschusfes war die Z.W.St. d. d. I. zur Mitberichterstattung ansgefordert. Diese umfaßte die Summe aller vom Ausland au jüdische Organisationen zu gegangeueu Liebesgaben in der mauuigfachsteu Form, die uns bekannt geworden waren, z. B. Lebensmittel, Textilien, Medizinalartikel, Kühe, bares Geld, Allsnahme von deutschen Kindern im Aus lande usw. Die Kinderspeisttng ist ans den Händen der amerikanischen Quäker ebenfalls in die Fürsorge des Zentralansschnsfes übergegangen, und auch hier war es iKr Z.W.St. möglich, die rituelle Speisung anzuregen und einzngliedern. Das Zusammenarbeiten hat sich so gilt bewährt, das; der Zeutralausschuß die Z.W.St. in jedem Fall daraus aufmerksam macht, wenn an einer örtlichen oder an einer Mittet - stelle keine jüdische Vertretung im Lokatausschuß sitzt. vcutfchZtracMW.bcmeinücbuna Waisenkinder auf's Land! Bedarf es in unseren Tagen einer näheren Begründung des hygienischen und moralischen Segens der Verpflanzung der Großstadtkinder auf's Land? Wenn der Vorsitzende der Warseukommofcou der 5 liner Jüdischen Gemeinde au den Deutsch-JSraelitischeu Gemeindebuud die Aufforderung gerichtet hat, ihm bei der Unterbringung seiner männlichen und weiblichen Schutzbefohlenen im Alter bis zu 14 Jahren an kleinen Plätzen behilflich Lu sein, so verfolgt er damit aber noch ein weiteres sehr fördernswertes Ziel. Er wünscht nämlich die Kinder nach .solchen kleinen Gemeinden zu bringen, deren jüdische Volksschule ans Mangel an Zöglingen von Auf löfnng bedroht ist, was, wie die Erfahrung lehrt, vielfach zur Folge hat, daß die Gemeinde nicht mehr einen qualifizierten Beamtet: anstellen kann. Der vollständige Verfall des jüdischen Lebens läßt dann nicht aus sich warten. Deshalb ist die Anregung zu begrüßen, die auch den jüdischen Lehrern, wie andereir geeigneten Familien Gelegenheit zu einem Nebeueiukoiilmeu bietet. Als höchster Pflegesatz werden monatlich 600. - Mark angeboteu. Anerbietungen sind an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund Berlin W. 35, Steglitzer Straße 9 l zu richten. Nolstandsaktio» für die jüdische» Eemeittdebeamte». Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat bei seineit Bundesgemeinden eine Notstandsaktion für die jüdischen Gemeindebeamten ins Werk gesetzt, für die er die Mitwirkung seiner Delegierten utid die moralische Unterftützuttg der Beamtenorganisationen anfgernfen hat. Es handelt sich dabei um die Linderung der schreienden, augenblicklichen Not zahlreicher unter unglaublich ungünstigen Lebeusbediuguugen schmachtenden Beamtenfamilien und der noch uugüu stiger gestellten Altpensionäre und Beamtenwitwen. Ui, berührt von dieser Nothilfe bleiben die Bestrebungen nach Erreichung würdigerer Austettungsverhältuisse überhaupt, wie sie von der jüdischen Beamtenschaft augestrebt werden und die Vorbedruguug für die Erhaltung eines Standes darstellen, von dessen Vorhaudeuseiu die Erhaltung des Judentums in Deutschland in hervorragendem Maße mitbedingt wird. Schon vor Jahresfrist hat der D.J.Ä.B. für diesen Zweck 1 Million Mark in seinen Etat eingestellt und da er über diese Summe nicht verfügt, sie durch Umlage aus seine Bnndesgemeinden zu erhalten gesucht. Leider blieb der Erfolg aus. Möge hem diesmaligen Ausrns, aus dem wir nachstehend den wichtigsten Seit miedergeben, weil er uns Zustände enthüllt und belegt, die weite» Kreisen nicht genügend bekannt sind und nach Vtbhitse 4