Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 4 (15.2.1867)
- Date
- 1867-02-15
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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175 176 Heil finden. Aus den Israeliten, die religiöse Intoleranz aus Europa vertrieb, entstanden die grossen Gemeinden Amerikas. Wir müssen daher diejenigen unserer Gläubensbrüder,die ihr eigenes Vaterland ausstösSt, nach Amerika führen. In den häufigsten Fällen ist .es die äusserste Armuth, die zur Auswanderung anspornt. Die Unterstützung der Auswanderer ist ein unserer amerikanischen Glaubensgenossen würdiges Werk; wir forderten sie hiezu auf. Die Emigration ist ein offener Weg für• unsere, verfolgten Glaubensbrüder , doch nicht der einzige, der zum gesuchten Heile führt. Die Meisten hangen an dem Lande ihrer Gehurt und, wie gross das Elend immer sei, sie verbleiben in der Erwartung י künftiger besserer Tage Es ist nun der wahre Zweck unseres Unternehmens, den Zustand unserer Glaubensbrtider umzugestalten, und wenn der Einfluss der Bildung auf Gesetz und Gesittung der Völker diese Umgestaltung befördern kann, dann ist es an unseren Glaubensgenossen, diesen Zeitpunkt abzuwarten. Sie sollen arbeiten, kämpfen gegen die Unwissenheit; die Erfahrung wird sie lehren, dass die geistige Kultur, deren Zweck 68 ist, ihnen das Gefühl der sittlichen Würde zu erhalten, daS wahre Mittel ihrer Freiheit ist. Wir, die wir an dieser Freiheit Theil haben, müssen trachten, sie ihnen zu übermitteln. Wir müssen ihnen Lehrer, Schulen und Btteher geben. Das Unternehmen gelingt. Wenn wir zur Summe , Über die eine Gemeinde alljährlich zur Erhaltung einer Schule verfügt, das noch Uebrige hinzuschiessen, ist ihre Gründung entschieden. Wir suchen für die Verwaltung unserer Schule einen Mann, der Rechtlichkeit, Charakterfestigkeit, Sittenreinheit und Liebe zum Glauben mit ausreichenden Kenntnissen verbindet; wir legen ihm die Bücher, die Methode, Lehrmittel, die ganze wissenschaftlisbe Anstalt in die Hände. Er reist ab. Bei seiner Ankunft wird die Schule eröffnet, die Einzelheiten der Organisation sind geordnet, das Einvernehmen zwisehen ihm und der Gemeinde durch die Be- Stimmungen unseres Komitös gesichert. Seine Pflicht ist, alle Kinder der Gemeinde zu vereinigen und Reichen und Armen gleichen Platz anzuweisen. Der segensreichste Einfluss zeigt sich schon nach kurzer Zeit; inan begegnet nicht mehr umherirrenden Knaben in den Strassen der Stadt, die Kinder haben nicht mehr das zurückschreckende Aussehen, das ihnen Elend und Herumstreichen verlieh; sie sind nicht mehr der Gefahr ausgesetzt, durch Mtissiggang dem Laster zu verfallen. Sie veredeln sich, indem sie an Wissen zunehmen; ihr Gesicht erhält die ganze Fülle der nattirliehen Schönheit zurück; sie eignen sich das Gefühl der persönlichen Würde an , und dies spornt sie an, sich dem Elende zu entreissen, wie aus; den Fesseln der Knechtschaft. Der Unterricht erleichtert den Wechsel ihrer Verhältnisse; npt Freuden erblicken es die Eltern, und die Aussicht auf eine glückliche, Zukunft für ihre Kinder erhebt sie selbst. Wenn es ihnen nicht möglich ist, ihre eigene Lage zu verbessern , spornen sie den Eifer ihrer Kinder an und ermuthigen ihre Fortschritte. Die Ausdehnung des Unterrichtes auf alle Armen, ist ein noch schwieriges Problem, selbst in den zivilisirtesten Ländern des Occidents, und wenn in einem dieser orientalisehen Länder, wo religiöse Verfolgung mehrerC Jahrhunderte die Schulen sperrte, eine blühende Zivilisation vernichtete, und ganze Generationen der Unwissenheit preisgab; wenn man hier die Gründung einer Schule betrachtet, wie sie wächst und gedeiht unsern besten Schulen gleich: so merkt man, dass sich darin die geistige Fähigkeit unseres Stammes bethätigt. Sie lebt unbezwingbar selbst in denen fort, die uns die verkommensten scheinen, einige Jahre Ruhe und unsere Ermuthigangen genügen , um ihnen ihre ganze Frische wiederzugeben. Es ist Beruf der Israeliten, den Orient d.r westlichen Zivilisation zu öffnen. Sie haben in vergangenen Jahrhunderten denselben beleuchtet. Ein grosser Schriftsteller sagt: ״Die Araber übernahmen von ihnen die Fackel, von ihnen die Christen“, und noch sind sie es, die das Licht im Orieut zu verbreiten berufen sind, und in unseren Schulen werden sie gerüstet, die Vorkämpfer der europäischen Zivilisation in ihrer Heimat zu sein. Die Vertreter aller europäischen Mächte unterstützen unsere Bemühungen. Dieselbe Tragweite hat auch für sie, wie für uns, die Grüdung von Schulen; sie unterschätzen nicht den Einfluss, den sie durch diese Schulen auf den Orient ausüben können und sie .nehmen denselben für ihre Regierungen in Anspruch. Sie eifern die Israeliten an, fordert, zur Gründung von Schulen auf, leiten die Organisation derselben und befördern ihr Gedeihen nach Kräften. Von Zeit zu Zeit besuchen sie dieselben, prüfen die Zöglinge und ermuthigen sie. Indem sie die Kinder unterstützen, werden sie’ natürlich die Beschützer der Eltern, sie dulden ferner nicht, dass durch Akte des Fanatismus und der Leidenschaften die Ruhe im Schosse der sich regenerirenden Gemeinden gestört werde. Unsere Glaubensgenossen bleiben unbehelligt, solange die Schulen gedeihen. Die Gründung von Schulen ist eine solch grosse Wohlthat, dass sie keine der orientalisehen Gemeinden entbehren sollte. Sie erfordem kein unerschwingliches Kapital. Die kostspielig8te wird mit einem jährlichen Budget