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Ben Chananja · 1867-02-15 · 4 (15.2.1867) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
4 (15.2.1867)
Date
1867-02-15
Page
– (sequence 27)
Language
German
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m 174 Diskussion dieser Frage in der konstituirenden Versammlung erfolgen sollte, hielt sich der Präsident unseres Zentral-Komites in Bukarest auf. Fürst und Minister fand er gleich geneigt, den Verfassungsentwurf zu unterstützen; er befürwortete denselben in der Kamm er vor mehreren Deputaten mit einer Beredsamkeit, die unserer Lobeserhebungen in dieser Versammlung nicht bedarf, da doch Jeder die rednerisehe Kraft kennet, die ihm zu Gebote steht bei der Verteidigung einer Sache, deren glorreicher Verfechter er nun seit einem halben Jahrhunderte ist. Die Befürwortung bewirkte, dass die erbitterten Feinde der Israeliten zur Erneute ihre Zuflucht nehmen mussten. Wir wollen Ihnen nicht die Szenen der Plünderung und Gewalttätigkeit schildern, die nach der Abreise unseres Präsidenten erfolgten, die die Verhandlungen der Kammern störten, und von der Schwäche derselben die Streichung des Artikels 6 erzwangen. Die Verfassung gewährt die politischen und bttrgerliehen Rechte ausschliesslich den Moldo- Walachen. Die Israeliten, Nachkommen längst eingewanderter Familien, Eingeborne des Landes, was sind sie denn Anderes? Fremdlinge im Lande! Nein, die diplom. Konvention von 1858 zählt sie zu den Moldo-Walachen nielit-christl. Ritus und gewährt ihnen den Genuss der bürgerlichen Rechte. Es stand nicht in der Macht der Landesverfassung, ihnen die Rechte zu entreissen, die ein internationaler Konvent ihnen zusagte. Es stand ihr nur frei, die Unterschefdung zwischen bürgerlichem und politischem Rechte aufrecht zu erhalten, sie that dies nicht. Allen Moldo-Walachen wurden bürgerliche und politische Rechte zuerkannt; es gebührt dies folglich auch den Israeliten, wie allen übrigen. Dies ihre rechtliche Läge. Mögen sie dieselbe energisch vertheidigen. Die öffentliche Meinung, die gesammte Presse Europas, die Regierungen Frankreichs, Englands, Italiens und Oesterreics stehen ihnen zur Seite. Auch der regierende Fürst wünscht ihre Emanzipation. Er hat sie unserem Präsideuten versprochen und er wird nun sein Versprechen erfüllen, jetzt, nachdem seine Macht genugsam erstarkt ist, um von einer Verbindung von Intriguanten nichts befürchten zu müssen, die auf den Fanatismus rechnen, mit dessen Hilfe die Juden unterdrückt und sie selbst von der kommerziellen und industriellen Konkurrenz befreit werden sollen. : Inmitten dieser Bestürzung erhielten wir aus Lithauen die auffallende Nachricht, dass sieben unglückliche Israeliten, der Brandstiftung fälschlich angeklagt, verurtheilt wurden. Der Eine derselben, hiess es, wurde zum Tode verurtheilt. Wir schritten für sie bei der russischen Regierung ein, und ihr Gesandter in Paris hatte die Güte, uns mitzutheilen, dass einer der Angeklagten, des Verbrechens der Brandlegung überführt, wol nicht zum Tode, aber zur Deportation in eine Kolonie verurtheilt wurhe; dass 5 Andere freigesprochen wurden und dem siebenten wegen falscher Zeugenaussage die präventive Haft als Strafe angesehen ward. Er war auch so gefällig, die Unterstützung der Klagen־ der Israeliten von Wilna bei der Regierung zu übernehmen, die die Propaganda einer vom Statthalter protbgirten und von der Presse des Landes ermuthigten Ge- Seilschaft fürchteten, welche bemüht war, die Massen-Austreibung der Israeliten zu bewirken. Die unaufhörliche Inanspruchnahme der Gerichte führt nur langsam zum Triumphe. Einer unserer Mitglieder glaubte den Leiden unserer Glaubensgenossen andere Abhilfe 8uchen zu müssen und schlug vor, die Auswan ' derung zu ermuthigen. Nach welcher Gegend jedoch soll diese gerichtet sein? Die Juden in Schabatz (Serbien) wollen nach Palästina auswandern. Zu welcher Beschäftigung sollen sie jedoch greifen in einer Gegend ohne Ackerbau und Industrie? Seine jetzigen Einwohner befinden sich in einem trostlosen Elende. Die Kolonisation Palästinas erscheint als das einzige Mittel, die dortigen Zustände zu verbessern, doch sie bietet ungeheure Schwierigkeiten und es wäre glorreich, selbe zu besiegen. Dies Werk unternahm ein in Deutschland gestifteter Verein unter dem Präsidium des Oberrabbiners Kalisch in Thorn. Der Verein besitzt nur ein geringes Kapital und er stellte dies uns zur Verfügung in der Meinung, dass es der Alliance leicht wäre, selbes zu vermehren. Wir haben das Kapital angenommen mit dem Vorbehalte, den Ertrag desselben in der uns am geeignetesten scheiuenden Form zur Aufmunterung des Ackerbaues verwenden zu dürfen, bis das Kapital, durch die Grossmuth unserer Glaubensgenossen, so anwachsen wird, dass es zum Versuch einer Kolonisation hinreicht. Wir sind vielleicht diesem Zeitpunkte nicht mehr so ferne, wenn wir von solch begeisterten und entschlossenen Männern unterstützt werden, wie der Oberrabbiner von Thorn und einige seiner Mitarbeiter, hier vertreten von einem Rabbiner aus Ungarn, den sein lebhafter Antheil an unseren Brüdern in Palästina in unsere Mitte führt. Zur Stunde ist das für die Emigration günstigste Land Amerika. Dies grosse Land mit den ungeheuren Bodenstrecken, mit dem blühendsten Ackerbau, der blühendsten Industrie und dem ausgedehntesten Handel, die unumschränkte Freiheit, bieten der menschlichen Thätigkeit eine unerschöpfliche Quelle. Amerika ist es, wo so viele Unterdrückte, so viel Unglückliche ihr

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