Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 4 (15.2.1867)
- Date
- 1867-02-15
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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169 m Herr Franz Goldsmid, hat nicht ermangelt, dieselbe der englischen Regierung mitzutheilen. Mit uns verlangten auch die persische Gesandtschaft und die englische Regierung die ernsteste Bestrafung der vollführten Verbreeben. Die politischen Blätter berichteten bald darauf, dass ein ausserordentlicher Bevollmächtigter der Regierung die Verhaltung der sechs Hauptanführer vorgenommen und dieselben, in Ketten nach Teheran abgeführt hat. Die Bestrafung derselben ist im Interesse unserer Glaubensgenossen unerlässlich, die in ihrer Verzweiflung entschlossen zu sein sch eineu, ihr Vaterland massenhaft zu verlassen. Sollte die Regierung ihre Untcrlhanen fürderhin nicht zu schützen vermögen, so wird es unsere Aufgabe sein, diese Auswanderung zu fördern. Ein Land des Orients, in welchem die Lage der Juden den glücklichsten Gegensatz bildet zu der der persischen Juden, ist die Türkei. Die Regierung ist eine wachsame Hüterin der Interessen unserer Glaubensgenossen. Man bedient sich des Fanatismus höchstens als Vorwand6s für richterliche Willkür und Erpressungen, denep die benachrichtigte Regierung mit aller Energie steuert. Wir halt, n ira abgelaufenen Jahre hiefür zahlriiche Belege. Die Juden in Salonichi führten bei uns Klage, dass einige von ihnen, weil sie sich geweigert hatten, einer unrechtmässig repartirten Dienstleistung zu entsprechen, verhaftet wurden. Die hiervon benachrichtigte Regierung ordnete eine gerichtliche Untersuchung an und beauftragte ihren Gesandten, uns von dem Resultate derselben zu benachrichtigen. Es zeigte sich, dass der in Rede stehenden Verfügung jedwede religiöse Leidenschaft fremd und dass sie überhaupt ganz ohne Bedeutung war. — In Bagdad verordnete ein Pascha, um sich eines Vertrages zu entledigen, weleher in Sachen einer das öffentliche Vermögen betreffenden Verpachtung abgeschlossen wurde, die Verhaftung mehrerer Israeliteil und die Konfiskation ihres Vermögens. Nachdem wir uns durch einen europäischen’Konsul von der Wahrheit dieses Vorfalles überzeugt hatten, benachrichtigten wir davon die ottomanisehe Regierung und die verhafteten Israeliten wurden in Freiheit gesetzt. — Zu Larissa bediente sich der Gouverneur der Stadt, um einige Juden gehörende Häuser an sich zu reissen, einer Feuersbrunst, die in der Nähe derselben ■ausbrach, indem er die Eigenthtimer aus ihren Häusern vertrieb. Der zur Rechenschaft gezogene Gouverneur bewerkstelligte durch seine falschen Berichte, dass den Juden ihr Recht vorenthalten ward, bis er endlich von seinem Posten entfernt und durch einen andern Pascha ersetzt wurde, der den Opfern dieser Ungerechtigkeit die entschiedenste Genugthuung zu gewähren versprach. Die Regierung ist voller Billigkeit gegen die Juden und der grösste Tbeil der Beamten ist von demselcen Wohlwollen beseelt, von dem der Pascha zu Jerüsal m ein schönes Beispiel gegeben hat. Während der Cholera, die so unbarmherzig in Jerusalem gewttthet und unter den Israeli ten so viele Opfer gefordert hat, gab der Pascha eine Probe seiner beispiellosen Liebe, wofür wir ihm unsern Dank abstatteten. Hören Sie, welche Antwort er uns ertheilte : ״Durchdrungen und beseelt von der väterlichen Intention meiner Regierung und von ihrem gewissenhaftesten Bestieben, das Glück aller 'ihrer Unferthanen ohne Unterschied herbeizuführen, habe ich während der unglücklichen Zeit der Epidemie nur meine Pflicht gethan. Die Aufmerksamkeit, die Sie mir erzeigten, beweist mir nur, dass Ihre Glaubensgenossen unser Streben anerkennen und nur darum ist es meine Pflicht, ihre Anerkennung als eine Ehre anzunehmen.“ Es sind nun zwei Jahre, seitdem wir in einem Briefe des Gouverneurs zu Smyrna, Cabouly Paschas, denselben Gefühlen, derselben edlen Sprache begegneten; mit Vergnügen er- Innern wir uns dessen, um zu zeigen, dass das Andenken der unsern Glaubensgenossen erwiesenen Güte nimmer aus unserer Mitte schwinden wird. ' In einem andern Theile der muselmännischen Welt, wo es im vergangenen Jahre der gemeinsamen Intervention der europäischen' Mächte bedurfte, um die Häupter einer bedeutenden Gemeinde zu retten, in Marokko, wurde die Ruhe unserer Glaubenshrtider nicht weiter gestört. Die Vertreter Europas wachen über die Juden mit einer Aufmerksamkeit, die sie ehrt und sobald sie gewahr werden, dass, man ein oder das andere gegen Juden vollführte Verbrechen zu bestrafen zögert, beeilen sie sich, die Bestrafung zu fordern. Herr v. Acquin, Minister Frankreichs, benützte seine Reise nach der Hauptstadt von Marokko, um die Interessen unserer Glaubensgenossen dem Sultan auf das angelegentlichste zu empfehlen. Uns hier in Paris gab ein ausserordentlicher Gesandter des Sultans von Marokko die besten Versicherungen. Unser Dank für den dem Herrn Moses Montefiore ausgestellten Ferman Und unsere Bitte, unsere Schule zu beschützen, ist uns im Namen des Sultans mit dem Versprechen beantwortet worden, dass man unsere Glaubensgenossen mit der gewissenhaftesten Gerechtigkeit behandeln wolle, in so lange sie sich eines pünktlichen Gehorsams gegen die Gesetze befleissen. Auch hat man uns die Versicherung gegeben, dass die Regierung ihren Schutz unseren Schulen und überhaupt allen unseren Institutionen angedeihen lassen wird. Die unsern Glaubensgenossen gewärte Sicherheit ist uns eine Bürgschaft, dass unser Werk der Zivilisation in Marokko von Erfolg gekrönt werden wird.