Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1867-02-15 · 4 (15.2.1867) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
4 (15.2.1867)
Date
1867-02-15
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542917-2543273-2543278--5218-2549253
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

167 168 ganem; in Oesterreich zu Pest und Wien, in vielen Städten Rumäniens, in Bukarest, Galatz; in der Türkei zu Rustschuk; in Syrien zu Alexandrien und Beyruth; in Venezuela; in Brasilien zu Rio-Janeiro. Landes-Komitös haben sich in Ländern gebildet, in denen früher unser Verein gar nicht gekannt war. So in Dänemark, wo sich in Folge des eindringlichen Aufrufes des Ober• rabbiners 247 neue Mitglieder meldeten und in Kopenhagen befindet sich ein LandeskomitA In den Vereinigten Staten haben sich zu Rochester und Dayton zwei Komitös gebildet, von denen wir uns zahlreiche Mitglieder versprechen. Die Abgeordneten-Versammlung zu New- York — Board ofDelegates — die eieinen Theil der amerikanischen Gemeinden vertreten, hat in ihrem Budget 500 Fr. für unsere Schulen präliminirt, indem sie ihr Bedauern ausdrückte, dass ihre finanziell^ Lage ihr nicht erlaube, einen grösseren Beitrag zu leisten. Die Bene-Berith-Genossenschaft, diese philantropische Institution, die in den Ländern der Vereinigten Staten 10,000 Mitglieder zählt, hat sich mit uns auf die wohlwollendste Weise in Verbindung gesetzt, und ihre Vertreter lassen uns für die nächste Zukuuft eine erspriessliehe Hilfe hoffen. In Brasilien zu Pernambuco haben junge Leute einen Wohlthätigkeitsverein gegründet und in den Statuten ausser einem der Alliance zuzuführenden jährlichen Beitrage festgesetzt, dass im Falle der Verein sich auf löst, sein Kapital der Alliance zufallen soll. Die Frauen zu Curagao begründen einen Wohlthätigkeitsverein und setzen ebenfalls statutenmässig fest, für die Alliance jährlich eine Subskription einzuleiten und dem Lokal- Komitö unserer Gesellschaft ihre Hilfe an gedeilien zu lassen. Wenn man sieht, mit welchem Eifer unsere Glaubensgenossen aus den entferntesten Gegenden sich uns anscliliessen, so fühlt man, dass der alte Geist der jüdischen Liebe sie begeistert. Die jüdischen Blätter leisten uns machtige Hilfe, auseinandergehend in so manchen. Fragen, stimmen sie darin überein, dass sie in unseren Glaubensbrüdern zu Gunsten unseres Werkes Begeisterung wecken und wir können uns der Hoffnung־ hingeben, dass ihre Bemühungen das Aufblühen unserer Gesellschaff auch in jenen Gegenden herbeiführen werden, in denen wir nur *eine geringe Anzahl von Mitgliedern haben. Unsere Gesellschaft ist noch weit entfernt von der universalen Verbreitung, nach der zu streben unsere Statuten uns zur Pflicht machen, und trotz der Unzulänglichkeit unserer Mittel haben wir, welche Seite unserer gesellschaftlichen Thätigkeit wir immer in Betracht ziehen, sei es die Verbesserung der politischen und sozialen Lage, sei es die geistige und moralische Gesittung unserer Glaubensgenossen, befriedigende Resultate aufzuweisen. Im Oriente ist die Lage der persischen Juden für uns die bedauerlichste und die beunruhigendste Angelegenheit; wir haben Ihnen diese Lage schon im vergangenen Jahre aufgedeckt, leider hat sie sich nicht zum Bessern gewendet, vornehmlich nicht in den Innern Städten. Tief gekränkt, wagen sie es nicht, die Beschimpfung zu rächen, mit Füssen getreten, wagen sie es nicht, sich zu vertheidigen, beraubt, wagen sie nicht, sich zu beklagen — unsägliche Leiden haben sie auszustehen und wir allein sind die Vertrauten ihrer Schmerzen. Von Zeit zu'Zeit bricht die Verfolgung mit der rohesten Wuth los, erschreckende Plünderungen und Metzeleien sind dann an der Tagesordnung. Wir haben Ihnen eine erschlitternde Episode ihrer Verfolgung vorzuführen. Zu Balforuch, in der Provinz Hamadan, hat das Verschwinden eines jungen Mädchens die Bevölkerung gegen die Juden gehetzt. Die Letzteren suchten der Plünderung und dem Tode dadurch zu entgehen, dass sie zum Islam tibertraten. Der Intervention der Minister von Frankreich und England ist es gelungen, zu erwirken, dass sie, ohne beunruhigt zu werden, zu ihrer Religion zurückkehren durften Die Regierung schien glücklich, durch die den Juden gewährte .Genugtuung ihren festen Entschluss zeigen zu können, die Juden unter ihren Schutz zu nehmen. Der Gesandte in Paris gab uns in einem an uns gerichteten vom 3. Juli dat Schreiben die Versicherung hierüber, welches folgendermassen lautete: ״Sie können versichert sein, dass die Regierung Sr. Majestät des Schah — der alle seine Unterthanen ohne Unterschied der Religion mit väterlicher Liebe liebt und der nie geduldet hat, auch nie dulden wird, dass die Israeliten, seine getreuen Unterthanen, in Persien Verfolgungen ausgesetzt sein sollen, wie Ihnen aus Bagdad berichtet wurde — am geeigneten Orte Massregeln ergreifen wird, um die Verwegenen von jedem Gewaltmissbrauch zurückzuhalten.“ Doch die in so schönen Worten versproebene, den• Israeliten gewährte, Gerechtigkeit entzündete nur den Fanatismus und bald kam uns wieder eine niederschlagende Nachricht zu. ״Achtzehn Juden wurden in Balforuch niedergemetzelt; zwei lebendig verbrannt; der Agent für auswärtige Angelegenheiten wurde selbst ausgeraubt; die Erbitterung ist durch die europäische Intervention verursacht.“ So lautete eine an uns gelangte Depesche. Wir brachten dieselbe der persischen Gesandtschaft zur ICenntniss und auch der französisehen Regierung; unser ehrenwerther Freund,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.