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Ben Chananja · 1867-02-15 · 4 (15.2.1867) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
4 (15.2.1867)
Date
1867-02-15
Page
– (sequence 20)
Language
German
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14a Licht und Geist und Kraftalhniet. Sie gehen mit festen, klingenden Schri'tteil dem Feinde׳ entgegen. Ihre Brust ist nicht eingepanzert, und doch prallt jedes feindliche׳ Geschoß ohnmächtig von ihr ab. Klein׳ ist die Schaar und doch ist ׳- es der Angriff und nicht die Vertheidigung, worauf sie bedacht find. Fast wird cs mir bange unr den Ausgang des Kampfes, wenn ich sehe, wie groß ,: wie furchtbar , wie mächtig die Zahl ihrer Feinde ist. Da tritt mit einemmale der Führer der Wackeren aus ihren geschlossenen Reihen hervor. Er spannt seinen herrlichen Bogen, legt den blanken Pfeil auf die Sehne, er zielt und er trifft — das Herz der Feinde. Wer ist dieser Held, und wss heißt׳ seine Waffe? ׳Es ist L e s s i 11 g und sein N a th a n! Ohne überschwenglich zu sein, darf man, ähnlich jenem Rabbi der Vorzeit, den Satz niedcrschreibcn: ״Lägen alle zur Würdigung und Ehrenrettnng Israels geschriebenen Bücher in der einen Wagschale, nnd Lessings Nathan ganz allein in der Zweiten; der Nathan würde sie allcsanimt answiegen!" Daß nnnmehr dieses unvergleichliche Buch in die Gewandung der heiligen Sprache׳ gekleidet, vor den kundigen Leser tritt, das'ist ein literarisches Ereigniß, ׳ welches durchaus nicht unterschätzt werden darf. Dieses Ercigniß inseiner ganzen Bedentung zu würdige» , kann nur verdienstlich sein; Und dieses Verdienst möchte ich mir in׳ folgendem erwerben. Mit dem Bacher'schen □2m נתן und mit dem בן אבויה von Lette r i s, welcher vor zwei Jahren veröffentlicht wurde, hat die hebräische Hebersetz 11 ngsiiteratiir von den beiden bedeutendsten Erscheinnngen der klassischen Literäturepoche Deutschlands Besitz ergriffen. Die besonderen Eigenthüjiilichkciten Lesfsng'S und Gvethe's, welche in diesen ihren Meisterwerken ani schärfsten. hervortretcn, mnßteii auch auf die hebräischen liebersi-'tzungeu bepeutend einwirken. Im ״Faust" ist es ״das ewige Weibliche", " die"Ma.cht'der'Empfindung,. 'bie 'Schönheit der Form, was nnö so wunderbar :e1WH.'"''Hier- Poet nimmt unser Denken gefangen, indem er sich unserer GeMle bemächtigt. /Ganz anders im ״Nathan"; in ihm waltet ״das ewig Mannhaste", der Adelder That, die Üuwiderstehlichteit des Gedankens. Der Dichters erobert sich uyM.Herz, indem, er unfern Kopf für sich einnimmt. Mp ist.'.merftvürdig,'.Eie genau diese Verschiedenheiten in den genaunteil Ueh'ersetznngen ihre. Rechnung finden. Wir können es förmlich sehen, wie bei der Einen die Feder des Uebersetzers in lauter Empsindnng getaucht wav und wie hingebend sie bei dem Ändern den Flug der Hochgedanken vollzog. Während'unsttersts in'dein :א2^!״ j2 unreine ״Nachdichtnng" des i Oiu^.Äetet',7.unS''aber durch 'den lyrischen Duft entzückt, den seine melodischen, leicht hiiistießenden Verse aushauchen, so daß wir in der Ucbersetznng beiiiahe'das Original vergessen, überrascht uns in Bacher's Q3nn נתן dle.'^reiie.,^׳Mt'der 'er '•Sefffttg 'fast Satz für Satz nach folgt, und dabei den sME'der'hyljgen Sprache keineswegs in die Fesseln sklavischer Nachahmung einschttürt, söndern ihm überall die volle Freiheit und Selbständigkeit zu wahren weiß..";'.י' Man vergleiche Szene für Szene den deutschen mit dem hebräischen Nathan , und man erkennt in dem Letzten! fast dnrchgängö dieselbe epigrammatische Dialektik, dieselbe orakelhafte Tiefe des Ansdrncks, dieselbe gewappnete Kampflust der Worte. Es fehlt der Nebersetzung eben nur der poetische usrvas rsrum: die Unmittelbarkeit deS Originals, um auch dieselbe Anziehnngökraft auf den Leser ausznübcn. Daraus, daß wir in der Nebersetzung hin und wieder das Melodiöse und Abgerundete vermissen, dürfen wir' Herrn B a ch er keinen Vorwurf machen. Auch-in diesem scheinbaren Mangel ist er ganz ׳den '׳Einflüssen des Originals unterworfen gewesen; und wir finden es ganz erklärlich, wenn alle die Hammerschläge, welche beim Einsargen der religiösen Intoleranz den Nagel auf den Kopf treffen, nicht den weichen Tonfall der Härfenklängc haben. Ich bin überzeugt, daß Bacher's נתן המכס überall in solchen jüdischen Kreisen, wo die deutsche Zunge fremd klingt, dieselbe großartige Wirkung Hervorbringen wird, wie die Originalschöpfung Lessing's. Und damit hätte ich die schönste Seite, den cigentlichen Werth , dieser Nebersetzung berührt. Die Pflege nnd die Blüte des Nenhebräischen gilt nur in der liebersetznngSliteratnr niemals als die Hauptsache. Diese nothwendige- Pflege nnd allfällige Blüte ergibt nnd entwickelt sich natiirgemäß bei den mannigfachen Originalarbeiten der modernen hebräischen Schriftsteller. Ich lasse nnch also bei der Schätzung von hebräischen Uebersetzungsschriften, zumeist von der! 144 Doppelansicht leiten: es müsse dem zur Nebersetzung ׳ gelangtem Buche vornehmlich irgend ein ethisches Prinzip zu Grnude liegen, nnd es müsse ferner die Nebersetzung selbst ganz dazu geeignet sein, ein Genieingnt des hebräisch lesenden Publikums in jenen östlichen Ländern׳ zu werden, wo die Kultur des Westens noch kaum Wurzel zn schlagen beginnt. Solchergestalt muß die llebersetzung Mittel und Zweck zugleich sein : — die Brücke, welche das geistige Verständniß für die zivilisatorischen Errungenschaften des Abendlands nach dem jüdischen Morgenland hinüberführt, nnd zugleich ein Theil dieses Kulturgcbictes selbst, ans dem sich der orientalische Jude rasch heimisch-zu machen vermöchte. Wenn nun ein Werk geeignet ist diese schwierige Doppelanfgabe zu lösen, so ift.es Bacher's נתן החכם• Der Schauplatz der Handlung ist: d i e h e i l i g e S t a d t, der Held der Handlung iste i 11 Jude, der Gipfelpunkt der Handlung ist: die von diesem Juden siegreich verfochtene religiöse Toleranz, gepaart mit der edelsten Humanität. Können wir einem Buche, das bei unseren östlichen Brüder» in dem oben angedenteten Sinne aligenieinen Eingang finden soll, glänzendere Eigenschaften wünschen? Wird sich nicht jeder jüdische Lehrer in' jenen fernen Ländern, wo die Kultur des Westen noch kaum dem Namen nach' gekannt ist, wo Barbarei, Glaubenshaß nnd Fanatismus noch immer ihre wilden Orgien feiern, von dem milden, balsamischen Hauch der Lessing'schen Dichtung getröstet und gehoben fühlen, - fühlen — daß er Heilung gibt für all' die grausam geschlagenen Wunden, fühlen, daß diese Dichtung verwandt ist mit jenen profetischen Gedanken, die zur Wahrheit werden müssen!! — Wahrlich, dasselbe, was G e rv-in ns, dieser ausgezeichnete Geschichtschreiber und Literarhistoriker, in Bezug,ans den deutschen Nathan und das dcntch c Publikum sagt: ״Wem hat nicht bei dieser freien. sichern Moral, die in jedem Zuge mannhaft und großartig ist, das Herz geschlagen? — — Und was könnte man der Folgezeit heilsameres wünschen, als daß dieser reizende Koder religiöser und weltlicher Moral immer tiefer in die Herzen-nnscres Volkes greisen möchte, dem es so vorzüglich gegeben ist, zu glauben ohne Aberglauben, in zweifeln ohne Verzweiflung, frei zn denken, ohne frivol zu handeln" — dasselbe läßt sich mindestens mit eben so großer Wahrscheinlichkeit von dem hebräischen Nathan und seinem j ü d i sch e » Leserkreise behaupten. Das sind die Aeußerungen, welche ich anbetreff des Uebersetznngs- Werkes abzugeben hatte; nun will ich meine Anfnierksamkcit der liebersetzungsarbeit zuwenden. (Schluß folgt.) Berichtigungen und Zusätze. — Vnllovär, im Feber 1867. Als Nachtrag zu dem in voriger Nummer des ״B. Eh." veröffentlichen, die Nabbinatsschnlen in Ungarn betreffenden Jntimates, wird hiermit, ohne jede subjektive Bemerkung daran zn knüpfen, die Thatsache mitgetheilt, daß ein ähnliches Reskript für Kroatien nnd Slavonien von der h. königl. kroatisch-slavonischen Hofkanzlei in Wien ddo. 6.- März v. I. Z. 853 erlassen nnd durch die hohe königliche Statthalterei zu Agram, am 24. März 1866 Z. 3647/1007. intimirt wurde. — , Das gedachte Jntimat dekretirt unter Anführung der Allerhöchsten Entschließung voni 3. Jnni 1865, dieselbe Berechtigung einigen diesen! Kronlande angehörenden Rabbinen nnd fügt ohne weitere nachträgliche Klauseln blos für die betreffenden löbl. Komitatsbehörden den Auftrag hinzu: daß diese solche Verbreitungsschüler stets in Evidenz zu halten haben. — Die hiezu berechtigten Rabbinen sind: Herr Jakob Eisner, Rabbinatöleiter in Agram; Herr Samuel Spitzer, Oberrabbiuer zu Essegg, nnd der ergebenst Gefertigte: David Löwy, Oberrabbiner von Syrniicn, in Vnkovür. — Re ch 11 i tz. Das Banket nnd die Spenden, von denen in meiner Korrespondenz 'die Rede ist, sind von der ganzen Gemeinde ausgegangen. Die gedruckte Angabe ist durch die Abkürzung der Red. enstanden. Bemerkungen. Aus Versehen des Abschreibers oder des Setzers ist unter den Unterschriften der au die Red. d. Bl. gerichteten Adresse in d. v. Nr. des- ״B. Eh." der Name des-Herrn Hauptschullehrers Emanuel Goldberger in Miskolcz ausgefallen, was die Red. sehr bedauert. — Jsr. Gem. Raab, Die gewünschte Begünstigung f. d. Schule wird gewährt. — H. I. R. P e st. In der nächsten homiletischen Beilage, Druck von Sigmund Burger in Szegedin, 1867.

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