Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 4 (15.2.1867)
- Date
- 1867-02-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Pefter Sriefe. VIII. Hf. Pest, im Februar '1867. Vierzig Mitglieder un- ' serer Gemeinde haben sich der Pflicht üntekzogen) für den Bau unseres Schulhauses Beiträge zu sammeln. Die Subskriptionen nehmen einen über alle Erwartung günstigen Perlauf, und die Großgemeinde Pest stellt sich btemit das Zeugniß aus, daß sie 'würdig ist die Fahne des Fortschrittes in Händen zu führen und dem ganzen Lande als Muster des GemeinstnneS und der Opferwilligkeit voranznleuchten. Nachdem nun nicht mehr zu bezweifeln ist, daß man in Kürze zum Aufbau der Gebäude schreiten werde, sei es uns erlaubt hier einen Vorschlag zu berühren, dessen Ausführung unser Gemeindebudget um ein Bedeutendes entlasten würde. Es könnte nämlich der Plan des Gebäudes gleich derart entworfen werden, daß auf die Wohnungen der Kultusbeamten und Lehrer-Rücksicht genommen wird, und so jährlich Tausende erspart würden, die jetzt als Quartierszulage den betreffenden Gemeindebeamten in Baärem vergütet werden. Bei der Besorgniß erregenden stetigen Steigerung unserer Ausgaben, denen keine verhältnißmäßige Vermehrung der Einnahmen entspricht, glauben wir diesen Vorschlag der besten Beachtung empfehlen zu dürfen. Der wohlthätige Frauenverein inaugurirt seine Thätigkeit auf würdige Weife durch Gründung eines Mädchen- Waisenhauses. Bereits hat der Verein zu diesem Zwecke ein Gebäude käuflich an sich gebracht und fürwahr nicht glücklicher hätte die Wahl getroffen werden können als es geschehen. Außerhalb des Dunstkreises der Stadt, in der zum Stadtwäldchen führenden Allee wurde Grund und HauS angekauft. In der freien Natur Gottes,- unter grünen Bäumen und von Frauenhänden geleitet, so wünschten wir uns stets das Loos der armen Kleinen. Möge den mildthätigen Da- Men die Erfüllung ihrer edlen Zwecke stets nach Herzenswünsch gelingen. ' Das Präsidium des ״Izraelita Magyar Egylet“ hat ein Cirkülar an die Intelligenz unserer Stadt versendet, worin bei Gelegenheit des׳ neubeginnenden dritten dreijährigen Cyclus zur Betheiligung an dem Vereine aufgefordert Wird. Wir brauchen auf den wohlthätigen Einfluß des Be׳ stehenS dieses Vereines nicht erst hinzuweisen. In ihm re׳ präsentirt sich die Tendenz des größten Theiles der jüdischen Bevölkerung des Landes, zur Verschmelzung mit der ungarischen Nationalität und es ist Pflicht jedes Gleichdenkenden sein Schärflein beizutragen, nm so diesem Vereine neue Lebenskraft zuzuführen, damit derselbe auf der eingeschlagenen Bahn mit mehr Energie vorwärtsschreiten, Produkte feiner, Thätigkeit reichlicher aufweisen könne. Zudem sind die Ansprüche des Vereines an seine Mitglieder sehr bescheiden: ein Gulden vierteljährlich, wer wollte das nicht gerne beisteuern selbst wenn er fern von Pest wohnte und es ihm *' bloß um Unterstützung der Juden zu thun ist? Die Vorlesungen im ״Magyar egylet“ erfreuen stich auch Heuer einer lebhaften Theilnahme. Der Vortrag des Herrn Heinrich ׳Deutsch über den Chassidismus zeichnete sich wie gewöhnlich durch gründliche Forschung, große Belesenheit nnd in diesem Falle auch durch die gelungen ansprechende Behandlung eines -spröden Stoffes aus. Herr Paul Tenzer, der seit Jahren chen unentgeltichen Unterricht des ״Magyar egylet" in der Landessprache leitet, las über die verschiedenen Epochen in der Entwicklung der ungarischen Sprache und erntete verdienten Szegediu, Selbftvrrtag drr »evaktton. Beifall. Hierauf folgte ein Vortrag des Herrn Dr. Kolm über das Jenseits׳ von jüdischem Standpunkte, welches xat egocpijv transcendentale Thema er dem Jdeengang seines gemischten Publikums glücklich anzupaffeu wußte. Strenger wissenschaftlich hält sich der für die Studirenden unserer Universität begonnene Cyclus von Vorlesungen über jüdische Geschichte und Literaturauf die wir wohl später zurükkommen werben. Zum Schluffe die Mittheilung, daß die Statuten der Chevra Kadischa nach fünfjähriger langer Wanderung durch hohe und höhere Stellen mit der Conceffion versehen in den nächsten Tagen glücklich retour gelangen dürften. Er. Pest, i. Februar. Gestern trugen wir die Leiche des am 29. vorigen Monates entschlafenen Nicolaus Gottes m a n n zur ewigen Ruhe. Unsere Stadt verliert in ihm eine ihrer geachteiesten Persönlichkeiten, unsere Gemeinde einschwer zu ersetzendes, stets thätiges und für bas Gemeinwohl besorgtes Repräsentanzmitglied. Gollesmaun war der in jüngster Zeit nicht mehr so seltene Typus eines Juden, der durch sein Auftreten die leider noch bestehenden Scheidewände zwischen Jude und Christ zu überbrücken wußte. Dem Gemeinbeleben einerseits aufrichtigst zugethan,(seine Frau ist Präsidentin des wohlthätigen Frauenvereins, er selbst hatte 1861 Präses der Gemeinde werden sollen) stand er anderseits mit hochgestellten Männern des Landes in intimer Beziehung und mag durch sein Leben und Wirken nicht wenig dazu beigetragen haben, dem Juden jene sociale Anerkennung zu verschaffen, die dieser sich im Laufe der lezten Jahrzehende unläugbar doch errungen hat. Ein Schlaganfall raubte diese», uns in allen Beziehungen liebenswürdigen'Mann im 54-ten Jahre seines thätigeu Lebens: Die Letcheurede hielt Herr Dr. Meisel. Es kam mir bei diesem Anlasse wiederholt in den Sinn, welch mißliche Sache es um Leichenreden sei und »vie oft der Sprecher hiebei, ohne es zu ahnen, Anstoß zu erregen im Stande ist. Nicht nur daß durch Besprechung der privaten Verhältnisse des Verstorbenen die Leichenrede ihren eigentlichen Charakter verliert, da dies mehr in den Rahmen der Denkrede passt, sondern es ist auch geradezu unausweichbar, hier nach Ver einen oder andern Seite hin nicht zu verletzen, ganz abgesehen von dem möglichen Falle, daß ein in die Familieuverhältniffe nicht ganz Eingerveihter leicht des Einen auf Kosten beö Andern gedenkt. Gelegenheitsbichtuugen bieten fast me vollkommen Zufriedenstellendes und es dürfte daher im Interesse des Redners selbst angezeigt sein, sich bei solchen Gelegenheiten also auch bei Trauungen mehr an die allgemein leitenden passenden religiösen Betrachtungen, eine Art von Agende, zu halten, um solchen unangenehmen Vorkommnissen zu begegnen. Bemerkungen. Wir muffen nufere verehrten Herren Korresp. um Entschuldigung bitten, daß »vir ihre Senduiigen ans Mangel an Raum für die nächste Nummer zurücklegen mußten. Bericht igungen. Kol.1 S. 105 Z. 9 v. u. st. Wirtes l. Wirken. S. 106 Z 20 v. u. st. widmete l. wendere. S. 112 Z. 1 v.o. n. ״Studien" fehlt das W. ״ausgingen." S. 113 Z. 11 v. o. st. ״Zeiten" l. Zeilen. Inhalt. Salomo» Munt. Nekrologe. I. Vom Herausgeber. II. Von Jules Rosenfeld..III. Von D. — Verwandtschaft bei Nabb.«Kollegien. Vom Herausg. — Die Juden in den Douanfürstenthümeru. V. S.M. — Pester Briefe — Pest — t. Beilage. Aus d. Klausenbllrger Konferenz. Vor» Lödl Ahronsohn. — Die Orthodorie u. ihre literär. Verd. V. X. — Tm»- pelbau in Prag. — Der jüd. LandeSfond in Prag. — Literatur. — Nathan der Weise. Besprochen v. Nabb. Dr Sonneschein. — Berichtigungen und Zusätze — Außerordentliche Beilage. Der Morgen einer neuen Zeit. V. Herausg. — Inserate. — Homiletische Beilage. Bericht der Alliance israelite universelle. Leipzig, LommWons-Vrrlag von *rau» Wag net. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu zwei und ein Viertelbogen Beilage.