Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1867-02-15 · 4 (15.2.1867) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
4 (15.2.1867)
Date
1867-02-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543273-2543278--5209-2549244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

133 134 im Vorstande führte, sie doch all das von jenen begangene Unrecht schweigend geduldet haben. Sie gaben sich ferner dazu her, ein drittes, dem Geschmacke unserer Zeit würdiges Subjekt unter dem Namen von More Zedek zu den zwei Ersten zu wählen. Um das Gebühren jener Leute zu kennzeichnen, mag zur Charakteristik ihrer Stimmführer dienen, daß derselbe obwol seit dem 12jährigen Bestehen der Gemeindeschule oftmals im Besitze des fetten Vorsteheramtes sich rühmt, in diesem langen Zeiträume keinen einzigen Akt für Schnlangelegenheiten unterschrieben zu haben. Sollte es Ihnen auffallen, wie ein den Gemeindeintercssen nachtheiliges Individuum so oft zur Vorstandswürde gelangen kann, so müssen Sie einen Begriff von der Abnormität unseres Wahlmodus haben. Es werden nämlich von den circa 30 Synagogen und Bethäusern zu je zwei Delegaten abgeordnet, also von den fünf aus zahlreichen Mitgliedern . bestehenden Sy« nagogen werden wie von jenen kaum ein Minjam zählenden Bethäusern nur zwei Mitglieder vom respektiven Gabai zur Wahl gesendet. Es ist daher jenem Individuum sehr leicht, sich die Stimmen dieser meistentheils aus der untern Schichte der Gemeinde bestehenden sogenannten Delegaten, deren Majorität nicht einmal schreibfähig ist, zuzustchern, um bas ein- »ahmreiche Amt nicht aus den Händen fahren zu lassen. Zu dieser Anomalie kam noch der Ministerial-Erlaß, nach welchem die jüdischen Gemeinden nunmehr sich selbst überlassen bleiben, ohne daß die Regierung sich um deren innere Angelegeoheiten bekümmere. Dennwährend jene auf einer hohen Stufe der Bildung stehenden Gemeinden die freie Autynomie als ihr höchstes . Gut betrachten, da diese daS Gemeindeleben fördert, brachte in unsere Gemeinde dieser Ministerialbeschluß noch mehr Verwirrung. Auch hie erwähnreu zwei bessern Mitglieder des Vorstandes sahen sich veranlaßt , ihr Amt niederzulegen, worauf mehrere herzhafte Mitglieder aus der Tempelgemeinde, einsehend .die Gefahr, die die Gemeindeinstitutionen laufen, wenn die unbeschränkte Gewalt auch ferner in den Händen jener neuen! Art Betrüger bliebe, sich verabredeten, die Leitung her Hauptgemeinde jenen aus den Händen zu nehmen. Sie wählten unter sich ein Komitsin welchem auch Referent die Ehre hatte, zu sein, dieses begab sich in die Vorstandskanzlei und eröffnete den Vorstehern, daß die gewaltthätige Administration der Gemeinde aufhören muß, ,und daß sie daher die Verwaltung dem Komits überlassen sollen. Die Leute willfahrten dem Verlangen, das Komit6 machte sich schon bereits anheischig, einen Wahlmodus auszuarbeiten, zu welchem mehrere achtbare Mitglieder der Tempelgemeinde -behilflich sein wollten. Leider aber scheiterte auch dieses Vorhaben. Durch Jntriguen seitens des abgesetzten Vorstandes wurden Szenen herbeigeführt, die in die ohronioa 86unäa- 1082 gehören. Um kein Chillul Ha-Schem zu veranlassen, zog sich das Komit6 zurück, den gewesenen Präsidenten veranlassend, seine Demission zurückzunehmen, bis zur nächsten - Wahl. Ich will nun auch die Lichtmomente unseres Gemeindelebens hervorheben, ich meine die unter dem Namen Comuna Templului Choralu konstituirte Gemeinde, deren Mitglieder aus dem Kern der Hauptgemeinde zusammengesetzt sind. Diese obwol ihres heiligsten Gutes beraubt, sammelte sich in einer gemietheten Synagoge, um unter der einsichtsvollen Leitung unsers bewährten, in der Gemeinde sehr be- liebten Chor-Kantors, Herrn G. Weiß, einen nach den ästhetischen Förderungen der Zeit geregelten Gottesdienst abzuhalten. Es ist diesem gutmüthigen anspruchlosen Künstler gelungen, im kurzen Zeitruume von nur 6 Monaten einen mustergiltigen Knabenchor auszubilden. Der Professor des ׳Kirchen- Chors am hiesigen Konservatorium -gesteht offen - -daß es ihm, obwol im Besitze vieler Mittel, nicht gelingen konnte, einen solchen guten harM.ontrendM Chpr zusammenzustellett. Dieser Professor ist so eingenommen für diesen Gottesdienst, daß er sehr oft die Synagoge besucht. Auch Christen höhern Ranges kommen öfters, um daS. hohe Talent dieses. Mannezu bewundern.. Es ist daher nicht zu viel gesagt, daß eS diesem Künstler gelungen sei, viele der Synagoge längst entwendete Gemüther der heiligen Andachtsstätte zurückzu führe». Nicht nur in den hohen Feiertagen, selbst an den S.ahb.ajh- Vorabenden ist es erhebend anzusehen, wie viele sich in der Synagoge zusammenfinden, und mit religiöser Innigkeit den lieblich-melancholischen Tönen lauschen. Um die Konstituirung dieser Musterschule haben sich die von deren Mitgliedern gewählten Ue.rtxauensmäyn.er am meisten verdienstlich gemacht. An her Spitze dieser steht der biedere, unermüdlich thätige Präses, Herr Jakob Löbl, Direktor der Vay<1u6 Uomanu dessen aufopfernde Hingebung nicht genug anerkannt werden kann. Aber um gerecht zu sein, muß ich auch der Opfer- Willigkeit sämmtlicher Mitglieder Erwähnung lhun, da sie kaum 130 zählen , doch den mehr als eine halbe Million Piaster kostenden Tempelbau bestritten haben. Nächst, diesem bestreiten sie noch zur Zeit den Aufwand von 45,000 Piaster, die die Erhaltung der Kultus.beamten in Anspruch nimmt. Möge es ihnen gegönnt sein, auch das heilig beleben.de Wort in den Hallen deS wieder aufzubauenden Tempels aus dem Munde eines um das Judenthum sich perdient gemachten Mannes vernehmen zu können. . Bei dem zu Ehren unseres berühmten Glaub.ensge- »offen, - Herrn A.Cromieur vom hiesigen Komits der Alliance I. U. veranstalteten Banquett hielt.Herr, Crsmieur eine' sublime Rede, in welcher er die Fusion unserer deutschen und sefardischen Gemeinden befürwortete, indem die Grund- Prinzipien der Alliance die Inden als עם אהד zusammenzuhalten, besonders betonte. Sämmtliche Anwesende der Defardim, in eine gehobene Stimmung versetzt , versäumten nicht, dem Lokalkomits der Alliance, welches früher nur aus Deutschen bestand , da die Spagnolen in keine ה12דה mit denselben zusammen sein wollten, beizutreten. Die Alliance hat daher bedeutend zugenommen. Auch meinem gelehrten Freunhe/ Herrn. Josef Halevy, der von der Alliance als Missionär nach Abyffinien gesendet werden soll, ist es gelungen, mehr als 1400 Mitglieder in den Propinzen für die Miayce zu gewinnen. Selbst in solchen Ortschaften, wo chaßidäifche R.ebbes ihren Wohnsitz Haben, hat-erMitglieder!,erworben. Jq selbst manche Rebbes sind dem Vereine beigetreten, npr unter Bedingung der Anonymität. Die Bottuschaner Gemeinde wollte den Bau eines Spitals in Angriff nehmen auf einem von ihr zu diesem Zwecke gekauften Platze, welche von der Com- Mission de Hygenia als vortheilhaft befunden wurde. Sie wurde aber von der dortigen Munizipalbehörde in ihrem Vorhaben gestört, weil, wie sich die dortigen Stadtvätfr ausdvücken, ״es nicht gestattet.sei, ein Juden-Hedey neben einem christlichen Hospital aufzubauen,./-dkun. die kranken Christen werden durch die immer vor Augen habenden unreinen Kadavers belästigt werden." Die Gemeinde petitipnirte an den Mni8tr6 56 Int6rn6, indem sie darin nachwies, daß das. christliche Hospital 150 Klafter entfernt von jenem Platze — es wurde hierauf eine UntersuchungSfom- Mission abgeordnet. Bei dem endgiltigen Bescheid;dieser Affaire werde ich nicht ermangeln, Ihnen darüber zu berichten. Mein dortiger Freund, der auch Ihnen, als . Gelehrter bekannte Herr Hilel Kahane, benachrichtigt mich, daß dieGemeinde in einem eigenen großartigen Gebäude eine Schule eröffnet hat, deren Leitung ihm.anvertraut wurde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.