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Ben Chananja · 1867-02-15 · 4 (15.2.1867) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
4 (15.2.1867)
Date
1867-02-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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MaliSnius heuchelnde Brütianü , der noch Herrn Cremieur veksprach, für die Juden in die Schranken za treten, scheute sich nicht, öffentlich in der Kammer zu äußern, daß die Juden eine Plage jedes von ihnen bewohnten Landes und mit Fug und Recht als die Parias der Menschheit zu betrachten sind. Nach einem so schnöden Verrath haben wir uns überzeugt, daß jede Hoffnung eitel sei; wir haben endlich einsehen gelernt, daß man nur unsere klingenden Beweise von PatriotisiNüs Nicht verschmäht. Wenn wir aber, getauscht durch die pomphaften Phrasen von libertd, dgalite und fraternitä, von denen sie immer ihken Mund so voll nahmen, auch unser Herz zu erschließen versuchten, wurden wir kalt zurückgewiesen. . Auf unerschütterliches Drängen^von Seite unserer verehrten Tempelgemeiud'erepräsentanz, wie auch vom Auslande her, sendete die Regierung eine Schätzungskommission, die den Schaden konstatiren soll. Der Bericht dieser Kommission lautete, daß der dem Tempel zugefügte Schaden sich mindestenS auf 6500 k. k. Dukaten beläuft. C. Bolliac fand darin neue Anhaltspunkte, nm in seiner ״Trompete" Allarm zu blasen. ״Was! sagte er, von ehrlichem christlichem Gelde sollen M unbedeutend verkratzten Mauern der Judenschule*) zu eiüöni Salomonischen Tempel verwandelt werden? sind wir etwa in Palästina, daß mau die Christen nöthigt, zur Erbaunng der Juden-Havras beizusteuern? man soll die tolsraNte Gesinnung des rumänischen Volkes-nicht noch mehr auf die Probe stellen, Beweise vou menschenfreundlicher Gesin'nung haben sie genugsam geliefert, denn wahrend in Böh- Men und selbst im intelligenten München das Leben und Vermögen der Juden angegriffen wurde, haben es die Ru- Mnen nur bis zur Bagatelle von einer Tempelschändung gebracht!!! wo übrigens die Juden zuvor den Ort entweiht haben, indem sie auf einem Platze ihren Tempel b uten, wo früher die heilige Kirche Stella stand." Offenbar ist es die größte Lüge, Wenn noch deute sind die Ruinen jener Kirche auf einem andern Platze zu sehen. Die Regierung hat noch bis zur Stunde ihre Schuld nicht abgetragen. Nach ihrer üblichen Marime vertröstete sie unfern Vorstand von Tag zu Tag. Unser edeldenkender Fürst Karl I., der das Zögern seiner Regierung nicht mehr sehen konnte, übergab unserm Vorstände von seiner Privatschatulle 2000 k. k. Dukaten als Vorschuß, damit der Wiederaufbau 'in--Angriff genommen we-tden soll, daß 'das vom Vandalismus geschändet.׳ Gotteshüüs nicht auch ferner als ein Monument wilder Rohheit dastehe. Die menschenfreundlichen Bestrebungen unseres edeldenkenden Fürsten bleiben, weil konstitutionell, nur ein frommer Wünsch, Cäsar Bolliac gönnt uns keine Ruhe, zu ihm gesellen sich , mehrere, die sich unsere Verfolgung zur Lebensaufgabe gemacht haben. Heliadi, Redakteur, der ״Legalitateu" erklärte unumwunden, daß nur nach empfangener Taufe man dem Juden Wie versöhnende Bruderhand-entgegenstrecke. Diese im Mittelalter oftmals in praxi angewenbete Versöhnungsmethöde wird von den hierländischen Pflegern der Wissenschaft den auf ihre Lehre lauschenden Zöglingen eingeschärft. Letztere petitionirten von der Kammer, daß Wie Volksmandatare neue'erschwerende Ausnahmsgesetze schaffen sollen. Es 'bestätigt sich hier die Meinung Vieler, die behaüp'ten, daß-unreife, 'auf einer niedrigen Stufe der Bildüng'stehende Völker die liberale Kost des ׳konstitutionellen Lebens nicht verdauen können. Die.Leitung solcher Völkerschäften muß man einem auf die pochende Stimme des Zeitgeistes hörenden Mann unbeschränkt überlassen, damit es ihm möglich sei, ׳dieselben vorwärts zu bringen. *) Die Walachen nennen eine Synagoge Havra Jidoväsci Unser ebeldenkender Fürst aber muß mit durch die Konstitution gebundenen Händen die entartete *) Auffaffdng seiner Unterthanen schweigend ansehen. Jener finstern Partei zum Trotz läßt er keine Gelegenheit, die sich ihm darbietet, unbenützt, um seine judenfreundliche Meinung zu äußern. Unser Gemeindepräses, Herr Jakob Löbl und Herr A. Halfen wurden zur fürstlichen Tafel geladen. Die auS einigen Mitgliedern der Tempelgemeinderepräsentanz bestehende Deputation, die sich nach dem Empfange des eben erwähnten Vorschusses ins fürstliche Palais begab, um demselben für die großmüthige That zu dankenwurde von Sr. Hoheit aufs freundlichste empfangen. Er drückte ihr seine Freude aus, daß es ihm gegönnt wurde, zum Wiederaufbane der durch den Vandalismus einer sinstern Räuberbande zerstörten Gotteshauses beizutragen. Ich versichere Sie, sagte er, ״daß sich unter meinem Regime keine.solche Gräuelszenen wiederholen werden." Meine Mutter, sagte er, hat mich gelehrt, religiös zu sein, d. h. jede Religion zu achten. Als sich die Deputation über das judenfresserische Blatt C. Bolliac's beklagte, antwortete Se. Hoheit: ״Laßt Euch nicht durch einige Schmähartikel in einem solchen Zeitungsblatte beirren. Solche niedrige Menschen vermögen -nicht den! Ruhm Eures Volkes Abbruch zu thun. Ich Hab erst vor einigen Tagen ihm selbst.gesagt, eben an diesem Platze, daß nur er der ursprüngliche Veranlasserdes 18. Juni sei, und daher jener Schandfleck nnvertilgt an seinem unehrlichen Namen haften bleibt. Selbst von den von Euren Widersachern so verschrieenen moldauischen Juden habe ich eine viel günstigere Meinung. Man kann ja eben von keinem Volke verlangen, baß es der. Monopolist aller menschlichen Tugenden sei, wie mau auch keines zum S.ündenbock der Menschheit machen darf. Es gibt unter den Inden,-sowie auch unter den Christen gute und schlechte Menschen." Nächst unserm Fürsten müssen wir auch jener längst bewährten treuen Menschenfreunde, der Herren Costophorus und Äonolachi Costache, Erwähnung thun. Um meinen Bericht nach Möglichkeit zu vervollständigen, will ich Ihnen auch über unsere inneren Gemeindeangelegenheiten referiren. In unserer Hauptgemeinde steht es ebenso arg, wie um unsere sittlich-soziale Lage. Der am Anfang des Jahres nach altem Brauche — oder besser Mißbrauche — gewählteVorstand, bestand aus 7 Mitgliedern , von denen 2 der Tempelgemeinde angehörten. Diese, bestrebt, für das Wohl der Gemeinde treu zu sorgen, wurden von den fünf, die der Hauptgemeinde angehörten, majoristrl. Manche der letzteren haben dieses heilige Amt zur Einnahmsquelle herabgewürdigt, sie haben die Gemeindeinteressen zu ihren eigenen gemacht. Der 'Tonangeber dieser Partei war schamlos genug, öffentlich einen Zusatz auf Koscherfleisch 4 por pr. Stück Vieh als r660np6n86 für sich zu beanspruchen. Die Gemeindeschule ist in argen Zuständen, denn eben dieses Individuum Har es sich zum Prinzipe gemacht, mit allen ihm zu -Gebote stehenden Mitteln gegen die Gemeinbeschule zu opponiren. Referent, der im ersten Semester d. I. mit der Schulaufsicht betraut wurde, hatte Gelegenheit das fanatische Wühlen jener ryhen Menschen zu betrachten. Ich fand mich dadurch veranlaßt, dieses Ehrenamt niederzülegen, wie es auch meine Vorgänger, die ehrenwerthen Herren Deutsch und D. Popper, zu thun bemüßigt waren. Der Tadel, der auch die zwei bessern Vorstandsmitglieder trifft, ist, daß obwol einer von ihnen das Präsidium *) Als ein Kuriosum mag hi«׳ die parlamentarische Geivandtheit unserer hierländischen Deputirten erwähnt werden. Zn einer am 21. <3. abgehaltenen Kaminersitzung haben die tsontradisenten sich gegenseitig Dieb, Lügner ,c. 1c. titulirt. Dem. eben erwähnten Judenfresser Nikolai JoucScu wurde von Seite des Obersten Fürst I. .Sturdza vorgeworfen, 1000 Dukaten gestohlen zu haben.

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