Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 4 (15.2.1867)
- Date
- 1867-02-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2543273-2543278--5207-2549242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
129 auch einstimmen zu müssen in den Jubelchor, in welchen bas Volk am Morgen nach dem Sturze CusaS ausbrach. Ohne den geringsten Zweifel zu hegen, lieferten wir schon antioipando einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zu der von der provisorischen Regierung ausgeschriebenen Nationalanlethe. Auch nachdem wir von der Nationalgarde ausgeschlossen wurden, wiegten wir uns doch noch in der süßen Hoffnung, die Emanzipationsfrage zu unser» Gunsten gelöst zu sehen. Nach der Weisung der talmudischen Lehre Abot 1, 6. suchten wir dieses intolerante Verfahren zu rechtfertigen. Möglich, sagten wir, daß das Bürgenvehr-Jnstitut der Gesammtheit gegenüber zwar als ein Recht gilt, dem Judividuum gegenüber aber als eine Last zu betrachten sei, sie uns daher keine neue Last auferiegen wollen, bevor wir auch positive Rechte genießen. Wir ließen daher auch keine Gelegenheit vorübergehen, ohne unserewarmen patriotischen Gesinnungen an den Tag zu legen. '■׳ Wie Sie aus dem Bulletin Der AlliaDce bereits wissen, sind unsere moldauischen Glaubensgenossen denunzirt worden, an den politischen Wirren theilgenommen zu haben, und mit der separatistischen Partei zu liebäugeln, und dieselbe zu unterstützen, wodurch das Wohl des Landes untergraben würde. Herr Bratianu, aktives Mitglied der neuen Partei, und von dieser zum Primaru ernannt, mit dem ich zuweilen in Berührung komme, ermüdete nicht — sobald ich das Gesprach auf dje Judenfrage lenkte — mir ans Herz zu legen, daß er für deren günstige Lösung beseelt fei, nur müssen wir Uns bestreben, unsere moldauischen Glaubensgenossen für die nationale Sacke zu gewinnen. Der wackere Präses der Tempelgemeinbe, Herr Jakob Löbel, versäumte nicht, auch diesem Wunsche zu willfahren, er setzte sich mittelst Telegraph mit dem Jaffyer jüdischen Vorstande in Korrespondenz, die beinahe drei Stunden dauerte. Es stellte sich heraus, daß es sich hier nur um eine Verleumdung handelt, die man aber nur darum ersann, um eine Einwendung!;egen die Juden :zu haben. Um Cäsar Bolliac, der seit zwei Jahren nicht auf- Hort, die Masse gegen die Juden zu Hetzen, schaarte sich eine Clique von Skribenten, zu der sich auch das Jaffyer Professoren-Kollegium gesellte. Letztere bemühten sich, die Habgier im Volke wachzurufen, indem sie ihm vorspiegelten, daß es durch die Juden noch an den Bettelstab gebracht wird. Nicht nur beim Plebs, sondern sogar bei mehreren auf Bitdüng Anspruch machenden Bojarensöhnchen fand jdaS Ansuchen jener Fanatiker Anklaug, denn in den Distrikten Bottuschan und Dorohoi verabredeten sich mehrere solche junge Bojarenkinder, eine Judenhetze nach der Fayon des Mittel׳ alters zu veranstalten, und nur der guten Gesinnung einiger Edeldenkenben ist es zu verdanken, daß dieses böse Vorhaben nicht zur Thatsache wurde. Jene aber setzten ihre Schmähschriften fort, in welchen ste das Judenthum in gehäßigtem Lichte darstellten. —Besonders machte es sich der berüchtigte Professor *) HiSbu zur Aufgabe/: die nachbiblische jüdische Literatur herabzusetzen, denn in populär gehaltenen Vorträgen schilderte er den Talmud als ein jeder Moral hohnsprechendes Werk. So reizte man die leicht bewegliche Masse, daß man von Tag zu Tag die Zunahme der mißnmthigen Stimmung derselben wahrnehmen konnte. Und doch war unsere Hoffnung noch auf die ans Ruder gelangte Partei gerichtet. Daß wir dazu berechtigt waren, beweist der vom Ministerium Bratianu- Ruffeti dem corps legislativu vorgelegte Konstitutivnö-Vorschlag, in welchem die Gleichheit aller Kulte ausgesprochen wurde. *) Ben Ehananja IX. Nr. 4. IM Mehr Wahrscheinlichkeit gewann unsere Aussicht, durch, das unferm berühmten Glaubensgenossen, Herrn Adolf Crsmieur, sowol vom Fürsten, als auch von dessen Regierung gemachte Versprechen, dessen Inhalt aus Cremieur'S Briefe an den Redakteur des 816616״- bereits bekannt ist. Und als wir uns schon dem Ziele nahe glaubten, da. brach jene Ihnen bereits bekannte Katastrophe heran. Anstatt die Morschgewordene Scheidewand zwischen uns und unfern christlichen Mitbürgern uiebergeriffen zu sehen, sahen wir freche Hände an die starken Mauern unseres mit so vielen Opfern aufgerichteten Prachttewpels sich versuchen. Mit einer, jedem menschlichen Gefühle Trotz bietenden Frechheit lobte der Redakteur der ״Trompete" die Rumänen ob dieser vollbrachten Heldenthat*), und spottete über die feigen Juden, die ihres Lebens und ihres Gutes unsicher, bei den europäischen Konsuln Schutz suchten. Wie konnten sie denn, * aber anders handeln! da selbst die zur Ruheerhaltung her-- beigeeilte Bürgergarde keine andern waren, als die früher" mit Breckinstrumenten versehen, Hand׳ an unser Heiligthum, legten, und jetzt als Ehrenbürger bewaffnet, die Juden selbst mißhandelten! Ja, im Innern des Tempels würbe die ganze , darauffolgende Nacht hindurch zerstört und zertrümmert. Es scheint, daß die Regierung auf dieses Attentat vorbereitet war, denn es dauerte keine halbe Stunde nach dem Ausbrnch desselben , als schon gedruckte Proklamationen unter dem Volke vertheilt würben, die dasselbe benachrichtigten, baß jener Art. 6, der den Juden gleiche Rechte. gesichert haben soll, vom Ministerium zurückgezogen , worden ist. Die Jaffyer Gegner C. Bolliacs appellirlen nun noch-, mals an die leicht bewegliche Masse, baß diese an die Kammer petitioniren soll, daß man eine Judenorbnung auSar-׳ beite, welcher folgende Punkte zu Grunde gelegt werden.! sollen. , I. Keinem Juden sei es gestattet, Eß- und Trink-, waaren an Nichljuben zu verkaufen; II. alle Markttage sollen auf Samstag verlegt werden, damit es den Juden unmöglich gemacht sei, au .denselben zu partizipiren;! , < III. die Judenpaffe sollen einer genauen Revision ün- ' torliegen, damit die im Auslande unter einer harten Be-. Handlung ächzenden,Juden von der Milde der Rumänen herbeigelockt, diese uichl überschwemmen sollen. Dieses von den Jaffyer Professoren durchdachte Elaborat wurde von C. Bolliac mit Akklamation angenommen/ Punkt für Punkt besprochen, und die dem Lande zu erstehenden Vortheile auseinander gelegt. Er setzte noch dazu, daß man die Art. 9 und 16 vom Küsa'schen 6od6 olvil, — nach welchen der Jude nach Erfüllung der dort vorgeschriebenen Bedingniffe, die Naturalisation erlangen kann — streichen soll, und bas Originellste von Allem: ״Man stelle ein Gesetz als Norm auf, nach welchem von heute bis über hundert Jahre die Judeufrage weder von der Regierungnoch von einem Andern mittel- oder unmittelbar angeregt werden darf." Von Habgier und bornirtestem Krämerneid geleitet/ wurde in der Kammer dieses Ansuchen von einem Jaffyer Deputirten, Namens Nikolai Jonescu, mit einer solchen Wärme befürwortet, die einer bessern Sache würdig wäre- Es wurden aus der Zeit finstern Hasses stammende Verleumbungen hervorgesucht, um die Nothwendigkett dieses intoleranten Gesetzes zu motiviren. Und selbst der bis nun Li- *) Es zittert noch jetzt meine Hand, indem ich mich jener Schreckensszene erinnere, bei welcher ich Attgenzeuge war, wie einer dieser Entarteten, eine Thorarolle aus der heiligen Lave der alten Synagoge heraushob, und dieselbe mit thierischer Wuth zu Boden׳ tvarf und mit Füssen trat/ Es vergegenwärtigten sich u ir die grauenhaften Leiden, die unsere Ahnen im Mittelalter zu bestehen hatten.