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Ben Chananja · 1867-02-01 · 3 (1.2.1867) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
3 (1.2.1867)
Date
1867-02-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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87 den selbst die Verbände nach Kreisen und Provinzen auch ferner erhalten wollen, und Aehnliches. Bis jetzt haben wir weder Anlaß. das Schlimmere zu fürchten, noch auch, das Bessere mit Zuversicht zu erwarten. Einige, aber freilich nur schwache, Anzeichen sprechcn für das Letztere.' Der Schleier wird sehr bald sich lüften; gebe Gott, daß dann die Befürchtungen als unbegründet sich erweisen und die Hoffnungen sich erfüllen. — Ein eigenes Geschick steht dem Distriktsrabbiner Wormser in Gersfeld bevor. Der Sprengel desselben bestand aus den Gerichtsbezirken Brückenau, Mellerichstadr, Bischofsheim v. d. Rhön, Gersfeld und Weichers mit dem Herrschaftsgerichte Tann. Die drei letzteren Bezirke sind von Preußen annektirt worden, die ersteren sind Baiern verblieben. Wie wird es mit dem Rabbinatsdistrikte? wie mit dem Distriks-Rabbiner? Die Gemeinden des. Bezirkes sind nicht so wohlhabend, daß der eine Theil für sich die Kosten bestreiten kann und man ist auf den Ausgang sehr gespann t. Pester Griefe. VII. Hf. Pest, im Jäuer. Das Bedürfnis nach einem neuen Schulhaufe wird ein von Jahr zu Jahr dringenderes. —Die bisherigen Lokalitäten sind dieselben, die vor Jahrzehnten genügt, als unsere Gemeinde noch um 20 bis 25,000 Seelen weniger gezählt und wenn man auch, um dem gesteigerten Schulbesuche zu entsprechen, fremde Lokalitäten in Miethe genommen, so war hiermit doch noch nicht allen Anforderungen Genüge geleistet, so daß bei uns — kaum würde man es glauben — sich alljährlich der Fall ereignet, daß viele von dem zum Schulbesuche sich meldenden Kmdern wegen Mange l an Raum zurückgewiesen werden müssen, in Folge dessen sie gezwungen sind , Vas ohnehin schon so bedeutende Kontingent der Missionsschulen zu vermehren. So lange daö System der konfessionellen Schulen besteht, bildet die Erhaltung der eigenen Schule eine Hauptbedingung des Gemeindelebens. Kein Opfer darf weder dem State noch einer Gemeinde zu groß erscheinen, wenn es sich darum handelt, den Volksunterricht zu heben, die Blüthe der kommenden Generation zu befördern. Traurig genug, wenn eine Großgemeinde, wie die unserige, nicht einmal eine genügende Lokalität für den Schulunterricht zur Verfügung zu stellen vermag! Weil aber Jene, denen die Leitung unserer Gemeinde in der Vergangenheit anvertraut gewesen, in eigenmächtiger planloser Vergeudung des ihnen überantworteten Vermögens die Kraft der Gemeinde bis auf die heutigen Tage gelähmt, dürfen wir, die wir nun für die Sünden unserer Vorfahren büßen, es nicht weiter dulden, daß unsere Kinder, die Gemeinde der Zukunft, ohne genügenden Unterricht, vernachlässigt in Religion und Bildung, heranwachsen. Wol mag der Wohlhabendere die Schwere dieser Frage weniger begreiflich finden, denn seine/ Kinder besuchen Gymnasien und ausländische Akademien. Doch diese bilden nicht die Mehrzahl.. In der Hand des Volks lehrers liegt die Gewähr einer schönern Zukunft; Schulen׳ für das arme Volk, das ist es, wofür wir in erster Linie zu sorgen haben und reichen die uns zu Gebote stehenden Mittel nicht aus, so dürfen wir keinen Moment zaudern, um zu außerordentlichen zu greifen. So wurde es z. B. unsererseits bereits angeregt, daß die Stadt, der durch die von der Gemeinde verwalteten Schulen ein nicht geringes Ersparniß erwächst, billigerweift an den KVl sie« für Erhaltung jüdischer Schulen theilnehmen Me; ge^ rüchtweise verlautet nun, daß der Magistrat, von der Richtigkeit dieser Auffassung überzeugt, nicht abgeneigt sein soll, hierauf einzugehen*). Was nun die Beschaffung der zum Schulbau erforderlichen Mittel anbelangt, so appellirl dev Vorstand wieder an die Opferwilligkeit der Gemeindemit-' glieder, vertraut deren Gemeinsinn, der sich gewiß auch bei diesem edlen Zwecke nicht verleugnen wird, wie alles wahrhaft Gute und Schöne noch immer einen reichen Boden gefunden. Noch eine andere das Schulwesen berührende Nachricht ist zu unserer Kenntniß gelangt. Bekanntlich leiben wir doch nicht nur an guten Schulen und Lehreknsondern auch an an tüchtigen Rabbinen Mangel. Dem abznhelfen wäre einzig und allein ein Rabbinerseminar im Stande , das, unterstützt durch die Zinsen des jüdischen Religionsfondes unter Leitung anerkannter Kapazitäten, nicht nur jüdisch und wissenschäftlich, sondern auch ungarisch gebildete Rabbinen heranzöge. Wir würden uns gewiß schon längst dieser wohl-׳ thätigen Institution erfreuen, hätte es nicht einer Zahl Hypervrthodorer Rabbinen beliebt, hiegegen auf das Energischste zu protestiren und so der ohnehin zögernden Regierung einen vielleicht nicht ganz unwillkommenen Anhaltspunkt zu bieten, diese für die Interessen des Judenthums so hochwichtige Angelegenheit wieder ad graecas calendas zu vertagen. Wir vernehmen nun, daß die ungarische Hofkanzlei 13 petitiönirenden meist orthodoxen Rabbinen mittelst Allerhöchster Entschließung das Recht zugestand, Rabbinatskanhibaten heranzubilden, denen auch MUitärfreiheit zugesichert wurde. Wir wollen hier die übrigens sehr naheliegende Frage , ob jene Herren nicht so sehr das Interesse der guten Sache, als' etwa eine Art von Zunftgeist zu jenem Proteste gereizt, nicht aufwerfen. Wol aber fragen wir, mit welchem Rechte gewährt die höchste Gewalt in der Gesellschaft, die Regierung, diesem und jenem Rebbe das Recht, Rabbinen Heranzubilden? Har sie die Fähigkeiten des Betreffenden geprüft, daß sie seiner Schule eine Art Sanktion zu Theil werden läßt, und die aus eigener Machtvollkommenheit zu Rabbinen erklärten Individuen als solche anerkennt? Warum, wenn schon die Nothwendigkeit der Heranbildung von Rabbinen anerkannt wird, nicht lieber ein Seminar errichten, das für seine Handlungen verantwortlich ist und dessen Thun und Lassen frei vor der gnnzen Oeffentlichkeit liegt? Gewiß es ist nnr noch eine Frage der Zeit, wann wir ein Seminar erhalten; aber wie lange noch? Herr Dr. Duschak hat ein Werk ״Ueber den mösaischen Kultus" verössentlicht; der Gemeindevorstand beschloß 10 Exemplare Hiervon änznkaufen. — An der Musterhauptschnle wurde Herr Sigmund Oeser neu angestellt; es freut uns, durch ihn einen ungarischen Lehrer mehr andieser Schule zu zählen. Von den im Rabbinate geführten Matrikelbücheru wurde bis zum Jahre 1848 stets eine Kopie dem Magistrate behänbigt. Seit damals jedoch ist dies unterblieben und wird nun auf Aufforderung der Behörde nachträglich bewerkstelligt werden. — In unserer Stadt sind gegenwärtig drei Koscherfleischbänkc aufgestellt, in denen die Gemeinde die Aufsicht durch bezahlte Beamte ausübt. Der Andrang zu diesen Bänken ist nun ein so großer, daß man beschloß, die Zahl derselben zu vermehren und auch in der Leopoldstadt eine Koscherbank zu errichten. :׳ ' ׳ *j Als Gegenerempel wollen wir hier den eben in der letzten Sitzung des Gemeindeansschusses gefaßten Beschluß anführen, wonach dein hier zu erbauenden resormirten Gymnasium- — mit Rücksicht auf dessen zahlreiche , Schüler jüdischen Glaubens — eine durch vier Jahre fortzusetzeHe Subvention von 100 fl. votirt wurde. . ._— . iJ

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