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Ben Chananja · 1867-02-01 · 3 (1.2.1867) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
3 (1.2.1867)
Date
1867-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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86 85 in der Regel die eigentliche Hausfrau, der sich die. zweite bereitwillig ׳unterordnet. Der Fremde, der eine solche Fa- Mille besucht, ohne von den Familienverhältnissen unterrichtet zu sein, meint eine Schwiegermutter und Schwiegertochter vor Augen,zu haben: so viel Autorität bemerkt er von der einen , so viel Subordination von der andern Seite. In den Donaufürstenthümern kommt kein einziges Beispiel von Bigamie vor , da dieselbe von der bürgerlichen Obrigkeit verboten ist und bestraft wird. Gerichte aus Mitteldeutschland. T'. Herr Dr. Geiger, der Ihrer Zeitschrift im vierten Jahrgange der seinigen S. 267 ff. eine eingehende Besprechung widmet, macht die sehr richtige Bemerkung, daß dem ״ Ben Chananja" deshalb die weitere Verbreitung und Theiln ahme (in Deutschland) entzogen sei, weil die Nachrichten zunächst auf Ungarn und die übrigen österreichischen Länder sich beziehen, während sie aus andern Ländern mehr sporadisch Vorkommen. Das Mitgetheilte biete tem Entfernten nicht genügendes Interesse, während sie daS sie Jnteressirende vermissen. Daß dem so ist, ist sehr zu beklagen, denn, wie Geiger sehrrichtig bemerkt, dem wahren Freunde der allseiti gen Entwicklung des Judeüthums, der die gegenseitige Ein- Wirkung nicht übersieht und daher die Bewegungen aller Orten mit lebhafter Theilnahme verfolgt, müssen gerade ausführliche Nachrichten aus Gegenden, in welchen sich noch sehr trübe Gährungen geltend machen, zeitgemäße Bemühnngen mit finsterm Chassidismus, mit Un- und Halbbildung viel zu kämpfen haben, von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit sein. Die Zahl der wahren Freunde ist demnach, wenn Geigers Bemerkung richtig ist, noch sehr klein und sollte deren Vermehrung von Allen angestrebt werden, welchen daö Interesse deS Judenthums am Herzen liegt. Der leidige JndifferentiSmus und beklagenswerthe Materialismus, gewiß auch der angeschürte Separatismus, tragen hieran wol die meiste Schuld. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird immer schwächer und regt sich höchstens, wenn irgend, eine Verfolgung berichtet wirb. Außerdem sind die politischen Schlagbäume auch in den religiösen Angelegenheiten für die Juden vorhanden. Von den Männern der nenorthodoren Richtung kann man dieses weniger sagen. Sie stehen in allen Ländern mit einander in Verbindung und bekunden ein gegenseitiges Interesse in ihren Angelegenheiten. Der Grund ist leicht einzusehen. Die Orthodoxie will Aeußerlicheg erhalten. Dazu bedarf es auch eines äußerlichen Zusammen- Haltens. Würde dieses gelockert oder ganz verschwinden, so wäre der Gegenstand ihrer Vereinigung und ihrer Fürsorge verloren. Die Männer deS Fortschrittes, die den Geist des Judenthums erkannt haben und zur Geltung bringen wollen, streben jeder in seiner Weise, zuweilen sehr von einander abweichend, zuweilen sogar einander widerstreitend, und ihrer Richtung schließen auch gar Viele nur insoferne sich an, als ihnen das Aeußerliche die Bedeutung verloren hat, ohne daß sie I von dom Geiste selbst erfüllt sind und. für ׳.dessen AuSbreitung thätig sein wollen. , Wenn Jene demgemäß auch die größere Anzahl sehr in Rechnung bringt und zu bringen hat, so wird eS bei den den Fortschritt vertretenden Religionsgenossen weniger auf die Zahl ankommen, als auf die Brederkeit deS, Charakters, auf die Standhaftigkeit des Strebens und vor Allem auf die fortwährende Klärung und die sich immer weiter verbreitende Berichtigung der vorgefaßten Meinungen und eingewurzelten Jrrthümer. Das eifrige, gewissenhafte Streben deS ״Ben Chananja" müssen in dieser Beziehung selbst seine Gegner anerkennen) und ist es von seinen Gesinnungsgenosse» in allen Ländern gewiß zu tadeln, wenn sie deshalb seine Verbreitung sich nicht angelegen sein lassen, weil der Neugierde die Befriedigung.nicht geboten wird, welche mehr in dem gefunden^ wird, was sie interessirt, d. h. was in ihrem Lande sich zuträgt. Was hilft eS indeß, darüber zu klagen? Man wird dem abhelfen müssen, und Ihre Freunde in den nichtösterreichischen Ländern müssen Sie mit Neuigkeiten versehen, die auch für die Bewohner außerhalb Oesterreichs Interesse haben. Die lehrreichen, wissenschaftlichen Arbeiten haben nur ein kleines Publikum und so groß- und dauernd deren Werth, die.Verbreitung des Blattes wird mehr durch sie gehemmt, als gefördert. Mißverstehen Sie mich nicht! Ich will nicht sagen, Sie sollten deren weniger bringen; ich hege vielmehr die Hoffnung, sie werden auch mit der Zeit in einem größeren Publikum mit Interesse gelesen.-werden. Aber der Ges chmack daran wird erst gar manchem noch beizubringen sein, a llen denjenigen nämlich, welche sich für sehr gebildete, ja für sehr dem Fortschritte huldigende Juden Halten, ohne für die jüdischen Wissenschaft sich im Geringsten zu intereffiren. Sie müssen-recht oft und recht nachdrücklich es zu hören und zu lesen bekommen, daß nur durch eine Betheiligung ihrerseits die Männer der Wissenschaft mit Erfolg für das auch von ihnen gewünschte Ziel zu wirken im Stande seien. Indessen, wie schon gesagt, müssen Ihre Freunde sich schon bequemen, Ihnen auch, was in ihrem Kreise sich Interessantes ereignet) als Neuigkeit mitzutheilern damit auch in diesen Kreisen der ״Ben Chananja" willkommen geheißen werde , in welchen man für ernstere jüdische Lektüre noch wenig empfänglich ist. Ich habe mir auch aus diesem Grunde vorgenommen, Ihnen möglichst regelmäßige Berichte zugehen zu lassen. Das weite Gebiet Mitteldeutschlands wird ja wol Stoff bieten, ob auch immer interessanten) und namentlich auch für die Leser in den österreichischen Staten interessanten, ist freilich noch fraglich, aber vorerst wol zu erwarten, denn die bedeutenden.po-! Mischen Ereignisse können unmöglich die jüdischen Verhältniffe, namentlich die' Kultus- und- Schulangelegenheiten, unberührt lassen. Gegenwärtig herrscht in den ännektirten Ländern eine große Unruhe. Man ist in der gespanntesten Erwartnng, ob den Ländern, in welchen die Juden der vollen Gleichberechtigung sich zu erfreuen hatten, diese fortbestehen wird, ob die von der preußischen sehr abweichende und weit günstigere Stellung der Kultusbeamten in Hannover und Kurhessen diesen auch verbleiben werde, ob die Gemein- 3

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