Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 2 (15.1.1867)
- Date
- 1867-01-15
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Welt uns in die Einsamkeit zu andächtigem Verkehre mit Gottes Wort zurückziehen, um uns 1zum Bewusstsein unserer Würde, zum'Gedanken an unsere Bestimmung zu sammeln. Auch wenn wir alles Licht in uns aufgenommen hätten, welches der Geist der heilgen Schrift ausströmt, dürften wir nicht müde werden, in dem Worte zu forschen, denn kein Schriftgelehrter darf und kann sich rühmen, es vollkommen ergründet zu haben. Damit ist auch zugleich die Frage beantwortet, ob es denn gerade die heilige Schrift sei, aus der wir Nahrung für unsere Vernunft schöpfen müssen. Wie heiss ist mein Wunsch, dass ihr die beseligende Kraft des Gotteswortes zu tief erfahren haben möget, um solch eine Frage zu thun; wie sehnlich ist mein Verlangen, dass in euch die Ueberzeugung befestigt würde, die der Psalmist in jenen Worten aussprach: הירח י חוה תמימה משיבח נסש Amen. Eine Tranrede. Von Dr. L. Adler, Landesrabbitier in Kassel . Pflänzchen gleich, das hoch empor Aus der Erde sprosst hervor, Leben suchend bei dem Licht, Ist das Streben himmelwärts, Nicht verhindert auch vom Schmerz . Eingedenk zu seiu der Pflicht. So lautete der Denkspruch *), den ich dir, meine Tochter! damals überreichte, als du, die Schwelle der Kindheit überschreitend, einen neuen Lebensabschnitt beginnend, vor Gott standest, und im Namen Gottes in geheiligter Stätte gesegnet wurdest. Es war auch ein schöner Tag, war auch ein festlicher, heiligerTag! Bis zu diesem Tage gleicht gewiss das Leben des Menschen einem Pflänzchen, und zwar einem solchen, das unter dem Schutze Gottes, von Andern, zunächst den geliebten Eltern, bewacht und gepflegt* wird. Eintretend in das Alter der Jugendzeit ist es immer noch ein zartes Pflänzchen, aber ein entfaltetes, blüthenreiches Leben, dessen Ueberwachung nicht mehr so, wie früher,, von Andern geschiebt, sondern zur eigenen Lebensaufgabe geworden ist; Und so wie Vater und Mutter mit aller Sorgfalt und Liebe deine Kindheit bewacht haben, so hast auch du selbst bis zu diesem Tage dein Herz bewacht und in dir den schuldlosen Sinn, ein frommes Gemtith, weibliche Sanftmutli und Herzensgute zu erhalten dich bestrebt. Wohl dir und wohl dem, dessen Geschick heute dem deinigen sich anschliesst, mit welchem du flir das ganze Leben heute dich vereinigst! Ja, wohl ihr, *) Der Verfasser pflegt bei der Konfirmation Denk- Sprüche zu vertheilen, die Akrostiche enthalten. 160 der jungfräulichen Braut und wohl Ihnen, v. Herr Bräutigam! dass dem also ist. Hängt ja doch Euer Beider Wohlergehen davon ab, 0 b und wie Euere Herzen sich vereinigen werden! Denn wie ganz verschieden auch der neue Lebensabschnitt, welcher heute für Euch beginnt, von den beiden vorhergehenden ist, einem Pflänzchen ist auch dieses zu vergleichen, hevorsprossend, sich entwickelnd, das, wenn es gepflegt, sorgsam gepflegt wird, reich an Blüten der schönsten Lebensfreuden sein und werden kann! ־ Lassen Sie mich, m. g. Brautpaar! einige Augenblicke, aber auch nur einige Augenblicke, bei diesem Bilde verweilen! Wenn eine Pflanze gedeihen soll, was ist nicht alles erforderlich! ein guter Boden, aus welchem die Wurzel ihre Nahrung zieht; eine reine gesunde Luft, von der die Blätter ihre Nahrung empfangen; Thau und Regen, ohne welche der Stamm nicht wachsen kann und ganz besonders noch — Licht, ohne das überhaupt in der Natur kein Leben denkbar ist. Mag aber das Alles auch noch so vollständig und vorzüglich vorhanden sein: es würde gleichwol die Pflanze nicht gedeihen, wenn deren ursprünglicher Kern kein gesunder wäre. Dieser muss vor Allem unbeschädigt, ein ganz gesunder Kern sein, dann, und nur dann werden durch Thau und Regen, durch Licht, Luft und Wärme der Pflanze Gedeihen, Emporwachsen und Blühen dauernd erzielt werden! So m. g. Brautpaar, ist es auch mit dem Glücke der Ehe, des Hauses, des — Familienlebens! Was wird nicht Alles gethan, um dieses Ziel zu erreichen! was muss nicht Alles aufgeboten werden! was nicht Alles für den häuslichen Wohlstand, für den häuslichen Bedarf; für ein geordnetes wirtschaftliches Hauswesen, für ein geregeltes, einträgliches Geschäft, für eine würdige ehrenvolle Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft; für eineu erheiternden, belebenden Umgang in .geselligen Kreisen! Aber mag auch alles hierzu Erforderliche vorhanden' sein, in reicher Fülle vorhaudeu sein; zur Förderung und Erreichung des häuslichen Glückes wird es nur dann beitragen,' wenn der ursprüngliche Keim ein ganz gesunder ist, nämlich: die Herzen auch wahrhaft und unzertrennlich vereinigt sind! Ein Bild, ein sehr treffendes Bild für diese Vereinigung bietet uns das Licht. Es gibt nichts, was in solcher Weise sich vereinigt, in seiner Vereinigung so ganz eins wird, wie das Licht. Zwei Lichtstrahlen, , die sich vereinigen, in einen Lichtstrahl sich verwandeln, weit entfernt hierdurch sich selbst zu schwächen, werden sie beide nur noch leuchtender und einmal verbunden, ist ihr Licht ein viel helleres und stärkeres! Und eine solche Vereinigung soll auch die der