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Ben Chananja · 1867-01-15 · 2 (15.1.1867) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
2 (15.1.1867)
Date
1867-01-15
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Homiletische und didaktische Beilage Nr. 15. 1807. (Beilage zu „Ben Chananja“ Nr. 2). Die Unentbehrlichkeit des Gotteswortes. Eine liomiletisolie Betrachtung. Von Dr. H. Jolowicz. M. Fr.! Jeder Schritt, den der Mensch auf seiner Lebensbahn tliut, jede Handlung, die er vollzieht, ist ein Zeugoiss von seinem Glauben, seiner Gesinnung, von .seinen Hoffnungen, Wünschen und Bedürfnissen, das er vor Gott und der Welt ablegt, ist ein Spiegel seines Innern, ein Selbstbekenntnis. Nimmt Jemand Speise zu sich, so bekennt er sich dadurch zu der Zahl der Wesen, die nicht ohne Nahrung von aussen ihr Dasein fristen können, baut er sich ein Haus, so bezeuget er damit, dass er unter freiem Himmel nicht immer leben kann; legt er sich im*Sommer in den Schatten, so verräth er durch diese Handlung, dass er von der Sonnenhitze sich belästigt fühlt. Gilt dieses von denjenigen Handlungen, welche die Erhaltung des äusseren Lebens betreffen, so wird es noch weit mehr auf alles passen, was dem innern Leben eignet, und ich kann daher mit vollem Rechte auch euer Erscheinen an diesem Orte’ als ein Selbstbekenntnis ansehen. Denn eure Gegenwart hier ist entweder eine leere, gedanken- und bedeutungslose Beobachtung einer alten jüdischen Sitte, oder der Ausdruck eines innern Bedürfnisses, eines Verlangens nach geistiger Speise. Es liegt in euerm Hiersein das Geständnis, dass ihr einer Erinnerung an das Wort Gottes bedürfet, dass euch dieselbe unentbehrlich ist, dass ihr ohne Gottes Wort nicht leben könnet. Wenn ich euch nun die Unentbehrlichkeit einer Bekanntschaft mit demselben zu beweisen suche, ,so haltet das nicht für ein Misstrauen von meiner Seite, als zweifelte ich daran, dass ihr aus rechter, andächtiger Stimmung euch unter diesem Dache versammelt habt. Nein, ich will euch nur in solcher Andacht befestigen, nicht Gefühle in euch erwecken, die noch nicht in eurem Herzen wären, sondern zu grösserer Belebung der vorhandenen euch eure eigenen Gedanken und Empfindungen Vorhalten. Das Wort Gottes ist Niemandem entbehrlich, kein Mensch darf es versäumen, sich mit dessen unvergänglichem Inhalte vertraut zu machen. Denn Gott hat es uns gegeben, auf dass es uns als ein Mittel zur Ausbildung unserer Vernunft, diene. Das aber ist eine Arbeit , der sich Niemand überheben, ein Geschäft, dem sich keiner entziehen darf. Ohne das Licht der Vernunft wandelt der inwendige Mensch in Finsterniss und schwebt in Gefahr zu fallen und tödtlichen Schaden zu nehmen; ohne ausgebildete Verfiunft gleichen wir einem, der mit Blindheit geschlagen ist, können wir nicht sehen, was zu unserem Heil und Frieden dienet, noch dieser Einsicht gemäss iinsere Handlungsweise gestalten. Die Vernunft ist nichtsweniger, als der in unser Inneres eingezogene Gott selber; wer sie entbehrt, dem mangelt die Kraft, von welcher die Gegenwart Gottes begleitet ist, die von ihr, wie die fruchtbringenden Strahlen von der Sonne, ausgeht. Wie vermöchten wir es, ohne sie die Anfechtungen des Lebens zu ertragen, die Angriffe des Bösen zu bestehen, wie vermöchten wir ohne diese Gotteskraft die sittlichen Triebe im Zaume zu halten und die Selbstsucht zu überwinden, um rüstig zu arbeiten an der Erlösung der Brüder vom geistigen und leiblichen Elende, und in edler Verleugnung unser selbst uns dem Dienste des Nächsten zu weihen? Zu dem allen erzieht das Wort Gottes den Menschen durch die Lehre, die es ihm gibt, durch die Beispiele, die es ihm aufstellt. Durch jene werden göttliche Gedanken in ihm erweckt, durch die Beispiele diese Gedanken in Vorsätze verwandelt und die Menschen geneigt macht, die erkannte Wahrheit in das Leben einzuführen und nach ihrer Andeutung das Leben zu heiligen. Aber können wir nicht solches auch durch uns selbst erreichen? ist die Vernunft nicht ein Merkmal der menschlichen Natur, ist es uns nicht angeboren das Vermögen, göttlich zu handeln, und bedürfen wir dazu durchaus des Beistandes der Kraft, die im Worte Gottes wohnt? Sicherlich dürften wir die letzte Frage verneinen, wenn die Vernunft mehr wäre, als ein blosser Keim, der sorgsam gepflegt und gehütet und durch den wohlthätigen Einfluss des Lichtes erzogen werden muss , um das zu. werden , wozu er bestimmt ist. Der inwendige Mensch so gut wie der äussere, kommt als ein schwaches hilfloses Kind auf die Welt, und soll im gedeihlichen Wachsthume zum Manne erstarken; daher muss ihm eine weise Zucht, eine kräftige und gesunde Nahrung zu Theil werden. Beides gewährt ihm das Wort Gottes, der darin wohnende Geist ist wie ein Gärtner, der die zarte Pflanze der Vernunft in ihrer Ausbildung bewacht, ihr das Licht .zuführt, ohne welches sie nicht gedeihen und gute Früchte bringen kann, sie auch vor schädlichen Insekten hütet; dass sie nicht vor der Zeit umkomme. Und selbst wenn die Vernunft unter solcher Obhut erwachsen und erstarkt ist, bedarf Sie noch der Nahrung des Wortes Gottes, um nicht wieder in die alte Schwachheit zu verfallen. Oft, m. Fr. müssen wir aus dem zerstreuenden Geräusehe der

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