Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1867-01-15 · 2 (15.1.1867) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
2 (15.1.1867)
Date
1867-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543273-2543276--5147-2549180
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ttonen zu verschaffen. Er fragte allenthalben nach und wurde nicht müde, nach den Quellen der vorhandenen Nebel und nach den Mitteln zu forschen, durch deren Anwendung Hilfe und Linderung gebracht werden könnte. Leider ist eS aber dem edlen MoseS bisher nicht gelungen, passende und treue Organe zur Ausführung seiner frommen Absichten zu finden. Ueberfluß an solchen Organen ist mindestens in diesem Augenblicke sicherlich nicht bei uns zu finden. ES ist niederschlagend, aber wahr: Den gegenwärtigen Elementen der jüdischen Bevölkerung in Palästina ist schwer zu helfen, arbeitsamere Elemente würben sich selbst bald zu helfen verstehen, sobald sie nur in der ersten Zeit ihrer Ansiedlung die erforderliche Unterstützung fänden. Dann dürfen Sie nicht glauben, daß im heiligen Lande allenthalben eine heilige Gesinnung zu Hause ist, und der Eigennutz sich nirgends regt. So ist's bei weitem nicht! Statt einer unerquicklichen Schilderung gebe ich Ihnen-im folgende charakteristische Notiz, deren Wahrheit hierorts attgemeiu bekannt ist. Einer der Vorsteher des ungarischen „Kolel", sein Name ist Jsak Präg, richtete an Montestore das dreiste Ansuchen, daß derselbe jede weitere Einwanderung in Palästina zu verhindern trachte, damit die jetzigen Empfänger der eingelaufenen Spenden keinen Abbruch erleiden sollen. Ueberhaupt ist von den Vorstehern des ungarischen Kolel nicht viel Rühmliches zu melden. Ehrgeizelei, Zank und Hader sind an der Tagesordnung; jeder will herrschen, jeder der erste sein! Manche des h. Landes in Ungarn, die ich nennen könnte, dzie ich nicht nennen will, /sind ganz würdige Kollegen d^eS hie- Hg'en Decemvirates, welches von den aus Ungarn kommenden bedeutenden Summen den meisten Nutzen hat und willkürlich darüber schaltet. Es ist wirklich zu verwundern, daß die vernünftigeren Freunde Jerusalems in Ungarn ihre Spenden nicht an den unübertrefflichen Albi Kohn in Paris gelangen lassen: Sollten Sie denn nicht mehr bereit sein, die Sendung der Gelber zu besorgen *)? Kaufleute und Geldwechsler sind in Folge der unglücklichen Konjekturen sehr herabgekommen; fast nur das sefardische Haus Jakob Valero steht nnerschüttert da. Im Rolhschild'schen Spiral ist zum tiefen Bedauern der jüdischen Kranken noch kein eigener Arzt angestellt. (Nach einem jünger« Berichte ist Dr. London, bisher in Wien angestellt, nach Jerusalem berufen, und von dem verdienstvollen Spitaldirektor, Herrn Selig Hanödorf, bereits iustallirt worden. Red.) Die von Baron Franchctti in Turin in der hiesigen Stadt gegründete jüdische Handwerkerschule befindet sich in einem blühenden Zustande. Sie wird gegenwärtig von 39 Zöglingen besucht, unter denen 29 hierorts geboren sind; einer stammt aus Hebron, drei auS der Türkei, zwei aus Marokko, und je Einer aus Oesterreich, Rußland, Griechenland, Algier. 16 sind Schuhmacher, 8 Goldarbeiter, 6 Spengler, 5 Schneider, 2 Apotheker, 1 Schlosser, 1 Buchbinder. Baron Franchetti hat der Schule neuerdings 1500 Franks zugewendet. Herr Selig Hausdorf, ein allgemein hochgeachteter Mann, führt die Aufsicht über die Anstalt, welcher das blühendste Gedeihen zu wünschen ist. (Wir fügen dielen Nachrichten noch den Ausweis hinzu, welcher von Herrn Alb. Cohn in den Arch. Jsr. erschienen ist, und dem zufolge in dem Rothschild'schen Spital zu Jerusalem 15,053 Ordinationen an kranke Ambulanten verschiedener Religionen geschahen, und 347 Patienten vollständige Versorgung fanden. Von diesen wurden 319 geheilt, 16 gingen mit Tode ab, 42 blieben in Behandlung. Der Heimat nach waren 42 aus Jerusalem, 4 auö Zaser, . *) 2ch bin nach wie vor bereit, .mich diesem Geschäfte mit vielem -Lergrmgem zu unterziehen und die damit verbundenen Portoauölaaen selbst i» bestreiten. Löw je einer aus Hebron, Liberias, Jaffe , Frankreich, Neapel, Aegypten, Persien, Rußland, 55 aus der Türkei, 22 aus Oesterreich, 171 aus Rußland, 18 aus Polen, 13 aus der Moldau-Walachei, 11 aus Marokko, 2 aus Algier. In der von der Frau Baronin Lionel v. Rothschild reichlich erhaltenen Mädchenschule haben die Schülerinnen bereits das Lesen und das Uebersetzen der wichtigsten Gebete erlernt. Weibliche Handarbeiten werden von zwei Lehrerinnen gelehrt. Die Stiftung der Fr. James v. Rothschild hat in diesem Jahre 120 Wöchnerinnen untertstützt. Red.) Aorrejjionklenz. Emanzipation nnd bürgerliche Verhältnisse/ ' — Wien, 1. Jäner. In dem soeben erschienenen Wehrgesetz-Entwurfe werden unter denjenigen, die von dem Eintritt in das Heer befreit sind, auch anfgezählt: die Rabbiner, dann die Kandidaten deS Rabbinates, a) während sie sich in einem von der Regierung als öffentliche Anstalt anerkannten Rabbinatsschule befinden/ wenn sie sich über den guten Fortgang ihrer Studien ausweisen, -darül l>) durch drei Jahre, nachdem sie ihre Studien an einer solchen Schule beendet haben, wenn sie sich über ihre Eignung, als Rabiner angestellt zu werden, mir dem Zeugnisse eines Rabbiners, und über ihr Wohlverhalten.- sowie - über den Umstand, daß sie noch unter die Kandidaten des Rabbingtes gehören, mit dem Zeugnisse ihrer politischen Bezirksbehör^e auöweisen (§. 16). Der darauf folgende 8laute IruDie Angehörigen der Mennoniter und der Karaiten-Geme'inden in Galizien werden — in Anbetracht ihrer Glaubensgrundsätze — von der Ausübung der Wehrpflicht moch ferner losgezählt. Der Uebertritt zu diesen beiden Religionsbekenntnissen befreit von der Wehrpflicht nicht." DaSj-Gesuch^der hiesigen Gemeinde um Anstellung isr. Feldchretriger Ist-vpM Kriegsministerium abschlägig beantwortet worden - indem im Militärbudget für 1867 die bezügliche Ausgabe .nicht -vorgesehen wurde, und überhaupt neue Ausgaben vermieden werden müssen. Ll, Dunaföldvär, 4. Jäner. In die -hiesige Stadtre- Däsentanz sind zwei Juden gewählt worden : Herr Benj. Bölcskey zum Geschwornen -und Herr Rabbiner Kohn ln den Ausschuß. Der verdienstvolle Kultusgemeindevorstand, Herr Mor. Btschitz jun., ist zurückgetreten; an dessen Stelle der allgemein geachtete Herr Leop. Stäuber gewählt worden. Herr Rabbiner Kohn hielt an den neugewählten Vorstand eine ungarische Ansprache. ' London, 2. Janer. Der gewesene 'Lordmayor, Alderman Philipps, wird nächstens zum Ritter ernannt werden. In Portsmouth ist der Alderm'an Emanuel, Goldarbeiter, zum Lordmayor gewählt worden. In Southampton wurde der vorjährige jüdische Lordmayor fük 1867 wieder gewählt. Paris, 2. Jäner. Den Montyon-Preis, 2500 Fr.,, hat die Akademie einem jüdischen Schriftsteller, Herrn Engen Manuel, für bas poetische Werk : kagas inUnios, zuerkaunt. L. Miro 26. November. Wir haben also wirklich eine Art von Konstitution und die Juden sind Wähler! Es ist aber nicht zum ersten Male, daß Juden Bürger von Aegypten sind; sie waren es auch unter den Ptolemäern. Sie finden sich auch ganz vortrefflich in ihr mizraitisches Bürgerthum, und die Orthodoresten finden plausible Gründe genug, die sie von der Beobachtung deö alten Verbotes diSpensiren, nach welchem sie eigentlich gar nicht in Aegypten wohnen dürften. Dem Drange des Lebens muß die Satzung weichen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.