Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 2 (15.1.1867)
- Date
- 1867-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2542917-2543273-2543276--5144-2549177- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
durch Lehre und Unterricht zu bewirken. »Der wohlthatige Einfluß der Alliance ist in diesem Augenblicke zu einer wirklichen Macht herangewachsen. Folgende Thatsachen werden Sie wol als Beweis gelten lassen. Die Juden von Salonich führten bei uns Klage, daß man. von ihnen gewisse Dienstleistungen fordere, von denen Muselmänner und Christen befreit sind. Die Alliance wendet sich.^an die hohe Pforte und der Minister für auswärtige .Ange.lenenheiten, Ali Pascha, beeilt sich, mittelst einer telegrafischen Depesche die betreffende Behörde um Aufschluß anzugehen und unS vollständigste Genugthuuug zu gewähren. . Zu Minsk (in Rußland) werbe» zehn Juden — angeklagt des Verbrechens der Brandstiftung für schuldig befunden. Eine telegrafische Depesche verständigt uns , daß einer unter ihnen, zum Tode verurtheilt, seiner Hinrichtung harret, und daß auch die übrigen ein gleiches Los zu erwarten, haben. Juden als Brandstifter! könnte es denn möglich-sein?. (Bewegung). Ihr Präsident richtet eine Bittschrift awden Kaiser der Russen und überreicht dieselbe seinem Gesandten" zu Paris, Herrn v. Budberg. Hier, vor der Oeffentlichkeit, ist eö meine Pflicht, dem Eifer des Herrn v. Budberg, »womit er unsere Bitte vor den Czar gelangen ließ, unfern Dank abzustatten. Schwer dürfte eS Ihnen fallen, sich einen Begriff zu machen von der wohlwollenden Hlusüahme, die in dem obschwebendeu Falle seiner hohen Stellung so würdig war. Die Antwort ließ nicht lange auf sich wartem Die Todesstrafe, die auf den einen der Verurtheilteni verhängt war> wurde in eine 20jährige Verbannung verwandelt, acht Angeklagte wurden in Freiheit gesetzt, der neunte wurde zu einer Kerkerstrafe verurtheilt, deren Dauer nach-'.der . Untersuchungshaft bemessen wurde, und da letztere eingerechnet, werden mußte, so wurde er an dem Tage entlassen; an welchen seine Verurtheilung gefällt worden war (Allgemeine Zustimmung). Von welcher Seite immer Klagen an uns gerichtet waren,;wir zögerten nicht, Hilfe zu gewähren. Der Bericht unseres Sekretärs hat nicht ermangelt. Ihnen über die Einzelnheiten ein genaues Bild vorzuführen. Die, Regeneration .d-er Juden! wir haben mit diesem Ausdrucke nicht uns selber im Auge, wie dürften wir uns solches beikomkommen lassen? in den Orient haben wir unsere Thätigkeit verlegt,- ww unsere Glanbensbrüder in Mitten von Völkerschaften Kleben, die unserer Zivilisation nicht theilhaftig sind, wo.: sie noch unter der Wucht der erdrückendsten Vorurtheile seufzen, hier ist unser Boden, wo wir, mit offener Hand erscheinend, Schulen gründeten, die man bis dahin gar nicht gekannt» hatte. Mogador, Tetuan, Tanger, Konstantinopel, Salonichi ^-Damaskus und Bagdad — überall hat sich ^unsere Alliance eingefunden und. hat den Anfang mit der Regeneration^.der Kinder gemacht, damit sie in vorgerücktes rem Alter,.mit Kenntnissen ausgestattet, die Bahn der Intelligenz betreten mögen. Ich weiß-nicht, welche angeborene Empfänglichkeit, welche schnelle Auffassung diesen Kindern des Orientes eigen ist , die uns durch ihre Fortschritte in Erstaunen jsetzen. Knabenwie Mädchenschulen wachsen, gedeihen und blühen.: Viel beschäftigen uns die Mädchenschulen. Sind doch die Mädchen berufen, Gattinnen, die Gattinnen, Mütter zu werden und ist es doch die Mutter, von der das Kind die ersten, oft auf sein ganzes Leben entscheidenden Eindrücke empfängt. Da wir doch unter uns sind, meine Herren, so will ich Ihnen bekennen, daß ich für die Frauen immer eine süße, unwiderstehliche Neigung gefühlt habe. Ich habe es zur guten Stunde erfahren, daß das Schicksal unserer Kinder, d. h. das Glück unseres Lebens, von ihnen abhängt; und damit ich Ihnen nichts verschweige, so will ich Ihnen auch gesagt haben, daß ich es nie verstehen konnte, wie man den Frauen eine untergeordnete Stellung zumuthen will. Ich will dies nicht vornehmlich von den jüdischen Fa> mitten gesagt haben. Erscheinen sie doch im hellsten Lichts, wenn wir die Geschichte zu Rathe ziehen, die über ihren Heroismus so viel zu berichten weiß und rollen doch unsere heiligen Bücher schöne Bilder ihrer süßen, häuslichen Tugenden auf! Es ist wahr, Gott sprach zu Eva: „Der Mann soll dich beherrschen", doch er enthielt sich ihr zu sagen: „und du wirst ihn nicht bezwingen." Der Mann besitzt Kraft, die ihn zum Herrschen eignet, die Frau dagegen besitzt Anmuth und verführerischen Reiz: Ja, ich sage .es mit erhobener Stimme: Die Zivilisation ist nicht möglich, ohne die beglückende Intervention der Frauen. Die Frau «auff/die Stufe stellen, auf der wir stehen , heißt nicht uns erniedrigen, sondern sie erheben! U : Während meiner Reise in Aegypten , als » ich Kairbesuchte , hatte ich Gelegenheit zu beobachten, in - welch abhängiger Lage die jüdischen Frauen daselbst sich befinden. Die jungen Töchter der reichern Einwohner wurden in die Schulen geschickt; doch in welche Schulen! iw einem unterirdischen Raum, der gegen die Sonnenhitze Schutz gewährte; lagerten sie nachlässig auf Teppichen und verbrachten träge den Tag. Die ärmeren Töchter konnten nicht einmal diese Zusammenkünfte genießen. Auch im Innern der Häuser leben- -die Frauen in Abhängigkeit und Unterthänigkejt.u, Währendmir die Juden, versammelt in der großen Synagoge;, -ihre Huldigung darbrachten , deren Erinnerung mir nimmer aus dem Gedächtnisse schwinden wird, entzogen sich die verwiesenen Frauen gänzlich meinem Blicke. Ich hatte mir vorgenommen, mich gegen diese Sitte der Familie zu wenden,, und richtete an heiliger Stätte an die versammelte Menge folgende warmgefühlte Ansprache: , „Seid Ihr denn Muselmänner, sagte ich, daß ihr Eure Frauen behandelt, wie jene ihre Frauen behandeln? Hat denn der Gott Israels das Weib nicht aus unserem Fleische geschaffen? Sind sie denn nicht die Mütter Eurer Kinder? Kennet Ihr denn nicht aus unserer Geschichte die edlen Frauen, die Muster häuslicher Tugenden: Rebekka, Rachel- Noemi, die erhabenen Frauen, die Muster heroischen Muthes: Deborah, Ester, die religiöse Ester! Wie! der Berg Sinai erhebt sich vor Euch, seine geheiligte Spitze zeigt sich in geringer Entfernung Euren Blicken und Eure. Weiber bücken sich vor Euch? Seid Ihr, — die Enkel Josefs im Aegypten ,— Sklaven und unterwerfet Euch dev Sitten. Eurer Beherrscher? Seid Ihr nicht vielmehr die Nachkommen freier Männer, die von Gott die heilige Lehre empfingen? Ist