Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 1 (1.1.1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543273-2543275--5138-2549170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
154 י י 153 gleich ist, um so mehr vyird in den Wipfeln j'des Baumes der Menscheit auch der Friede ‘ erblühen. Und unter allen Völkern, von einer Grenze des Erdballs bis zur anderen, wird einst übereinstimmend — ein Sieges- und Friedenslied ertönen: ״Gott hat Sieg verliehen seinem Volke, den Sieg der Wahrheit! Gott hat Segen verliehen seinem Volke, den Segen des Friedens, den — Frieden de r Menschheit! Amen! Amen!“ Frucht mul Duft. Offenes Sendschreiben an den Herrn Rabbiner Dr. A. Schmie dl in Prossnitz. Von Dr. A lj 11; ׳ h u!11 F r 0 n 0 n. Ew. Ehrwürden! Ich habe Ihre Betrachtung ״die vier Parteien im heutigen Israel“ (Beil, zum B. Ch. v. J. Nr. 38) mit lebhaftem Interesse gelesen, und ich bekenne gerne, dass die Gemeinde zu beneiden ist,, welcher das Wort Gottes von einem so geistreichen und gewandten Redner verkündet und erläutert wird. Niclitsdestoweniger muss ich gestehen, dass mir die von Ihnen entworfene Schilderung der vier Parteien im heutigen ״Israel nicht von unparteiischer Gerechtigkeit diktirt zu sein scheint, und dass Sie bei Beurtheilung der Parteien nicht immer vor Augen hatten das Wort der Thora: ״Du sollst nicht zweierlei Gewicht in deinem Beutel haben, ein grosses und ein kleines; in deinem Hause sollst du nicht zweierlei Scheffel haben, einen grossen und einen kleinen. Du sollst ein völliges und rechtes Gewicht, einen völligen und rechten Scheffei haben (5 M. 25, 13 — 15)!“ Da ich einem Haggada-Virtuosen gegenüberstehe, erlaube ich mir, die angeführte Warnung der Thora auch auf die literarische Waage und das literärische Mass zu übertragen. Zunächst dürfte es bedenklich erscheinen, dass Sie die Indifferenten den anderen Parteien als Partei koordiniren. Der unbefangene Beobachter muss zur Ehre des heutigen Israels einräumen, dass die Zahl der Indifferenten in dessen Mitte so gering ist, dass dieselben sich schon deshalb des Titels ״Partei“ begeben müssen*). Dazu kommt noch ein Umstand in Betracht. Die Theologen, die ganz für die Religion leben, und derselben ihr gesummtes Trachten und Wirken weihen, sind in der Beurtheilung der Weltkinder oft zu rigoros und mit der Benennung ״indifferent“ viel zu freigebig. Eigentlich ״indifferent“, d. i. gegen jede jüdisch-religiöse Regung gleichgiltig und unempfindlich, sind wirklich die wenigsten angeblichen Träger des Indifferentismus. Für die meisten derselben gibt es einen Kreis, oder kommt eine Gelegenheit, oder schlägt eine Stunde, wo sie erwärmt werden, regsame Tkeilnalnne und Opferwilligkeit für Synagoge, Schule und wohlthätige Anstalten an den Tag legen, und solchergestalt dem Psychologen einen erfreulichen Blick in ihr Herz gestatten. Dem Talmudisten fällt bei solcher Wahrnehmung sicherlich die tolerante Aeusserung R. Simon b. Lakisch’s ein, nach welchem selbst die Leeren und scheinbar Verdienstlosen in Israel oft voll von Verdiensten sind, wie der Granatbäum vom Kernen (Erub. 19, a). R. Simon trat allerdings erst im Mannesalter in die Zunft der Gelehrten, und es ist daher kein Wunder, dass das Leben derer, die ausserhalb der Schule standen, einen mildern Beurtheiler an ihm fand. Ihrem Scharfblicke, ehrwürdiger .. Herr, wird es bei ,wiederholter Betrachtung endlich nicht entgehen, dass die Indifferenten auch deshalb auf den Parteinamen keinen Anspruch haben, weil sie nicht Zusammenhalten, keine Aufgabe gemeinschaftlich zu lösen versuchen, kein Ziel mit vereinigter Kraft anstreben. In konstitutionellen Ländern gibt es in der Regel politische Parteien, die verschiedene Richtungen verfolgen und die dabei auch Parteinamen führen. Die Indifferenten aber, d. i. diejenigen, die vermöge, ihrer Bildungsstufe oder ihrer individuellen Stimmung oder Beschäftigung für politische Fragen kein Interesse haben, bilden keine politische Partei, d. i. keineu Faktor des öffentlichen Lebens. So kann aber auch auf religiösem oder kirchlichem Gebiete die passive Tkeilnahmslosigkeit keine eigentliche, ihren Schwestern ebenbürtige-Partei erzeugen. Sie werden vielleicht entgegnen, dsss ich als Ungar rede. Zu den ungarischen Landes- Produkten gehört auch der Indifferentismus in der That auf keinem Gebiete menschlichen Lebens und Strebens. Bei unseren sehr industriellen mährischen Glaubensgenossen scheint dagegen ein gewisser Kaltsinn einheimisch geworden zu sein, so dass ein Seelenhirt, der für seinen Beruf so erglüht ist, wie Ew. Ehrwürden, es angezeigt findet, den Indiffentismus zu geissein. Minder berechtigt scheint mir dagegen, was Sie von Ihrer ersten Partei, der 01־-. thodoxen nämlich, sagen. ״Kein Duft — sondern Frucht!“ Ueber den ersten Punkt enthalte ich mich jeder Bemerkung־. Aber die Frucht, welcher sich die Orthodoxie mit so vieler Ostentation rühmt, hätte uns Ew. Ehrw. näher zeigen sollen. Aus der Gegend, in welcher ich diese Zeilen niederschreibe, ziehen Hunderte jtidischer Familienväter nach Sandec, um daselbst *} Vrgl. B. Ch. 1, 3-10. ßo d.