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Ben Chananja · 1867-01-01 · 1 (1.1.1867) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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B ti r g e r s i n n e, fest an der strengsten Gewissenhaftigkeit in Erfüllung aller Pflichten eines guten Bürgers! fest an dem Eifer für das Wohl des States und Vaterlandes! Haltet fest aber auch an dem Glauben, den ihr aus der Heimat mit nach Babylon brachtet, an der schon in der Heimat von dem Profeten Jesaias vernommenen Verheissuug: ״eine Zeit wird kommen, in der Gerec htigkeit und Wahrhaftigkeit der Gurt der Lenden aller Starken und Helden sein wird; eine Zeit, in welcher der Wolf hei dem Lamme weilet, der Panther bei dem Böeklein lagert, Kalb und Löwe zusammengelien, von einem kleinen Knaben geführt, in welcher der.Säugling spielt auf der Natter Höhle, der Entwöhnte nach der des Basilisken seine Hand ausstreckt. Sie werden nicht verderben, nicht verletzen auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll wird sie sein die Erde ׳ von Erkennfcniss Gottes , wie Wasser den Meeresgrund bedecket“ (Jesaias 11, 5—9). Haltet fest an ihnen, aber nicht heimlich , nicht im Verstecke, vor der Welt euch deren schämend und ob solcher Verlieh-־ lung euch entwürdigend; nein, ihr sollt mich rufen! das könnt ihr freilich überall, in eueren Häusern und im Innersten des Herzens, aber ״ihr sollt auch g6h6nund beten", sollt auch die Stätten des Gebetes, die' Versammlungshäuser der Andacht aufsuchen, in Allem, was auf Religion und Gottesverehrang Bezug hat, eine treu zusammenhaltende Gemeinschaft sein! Und hierzu soll auch die Feier uns veranlassen, die wir heute begehen: sie soll der Ausdruck frora mer Gesinnung sein! Wir dankcn heute Gott nicht nur für den Frieden, wir flehen ihn auch an, um Frieden! Um Frieden! für wen? nur für unser Land? nur für nnseren Stat? nur für unseren Welttheil? 0 nein, für alle Staten, für alle Länder, für alle Welttheil6, wir flehen ihn an um den Frieden der Menschheit, um den von den Pro: feten verkündeten Gott68frieden in den Tagen־* der Zukunft. Um den Frieden flehen wir ihn an, der durch zwei Profeten übereinstimmend ist verkündet worden, der als ein ewiger geschlossen“, alle Völker und Nationen bestimmen wird, ״ihre Schwerter zu Fflugschaaren abzustumpfen und ihre Spiesse zu Rebmessern, kein Schwert mehr zu schwillgen und keine Kriegesübungen mehr vornelimen zu lassen.“ Auf einen solchen Frieden hoffend, lasset auch uns, was auch immer uns bevorsteht; in den Tagen der Zukunft, welche Täuschung wir auch, wo Gott vor sei, erfahren mögen, lasset auch uns an Fürst und Vaterland, aber auch am väterlichen Glauben, an Vertrauen und Gottesverehrnng mit unwandelbarer Treue festhalten! In allen seinen Stämmen, in allen seinen Landen, in allen den blutigen Schlachten und Kämpfen sah dchs deutsche Volk seine Söhne israelitischen Glau% bens in den Reihen der übrigen Kampfgenos-* sen! Standen die jüdischen Soldaten nicht gleich allen übrigen heldenmüthigcn Vaterlandsvertheidigern, j e nach der Fahne, zu der sie Pflicht und Ehre rief, zusammen oder feindlich einander gegenüb er? Ach! viel deutsches Blut ist geflossen! Auch der jüdische Soldat, nicht als Jude, nein, als Deutscher, als der Sohn seines Vaterlandes, zog er in den Kampf und nicht für seinen Glauben, sondern für seinen Fürsten und für sein engeres Vaterland ist er in den Tod gegangen! Sollte dieses Blut vergeblich, für M e n s c h e n r e c l>t und Bruderliebe, für Gleichberechtigung ' und Gottes frieden vergeblich geflossen sein? Unmöglich! Nachdem so viele der Brüder ohne Unterterschied des Glaubens im Tode sich vereinigten und auf den! Felde der Ehre unter einein gemeinsamen Grabhügel schlummern: wie verstockt müssten die Herzen sein, wenn die Lebenden auch jetzt noch an Vorurtbeil und Glaubenshass festhalten wollten! Die Stimme des Friedens, als dessen - Herold wir den heutigen Tag betrachten, sie soll uns eine Friedensstimme sein aus jener Zeit, welche die Profeten der Menschheit verkündet haben! Eine solche Zeit, werdet ihr sagen, die. liegt noch sehr, sehr ferne! Mag sein! aber seht, meine geliebten Zuhörer, damals, zur Zeit, als der Profet Jeremia dem Volke diesen Brief schrieb, waren es einzelne Männer, die solche Gedanken ausspraehen, ein einziges Volk, ja nur ein einziger Stamm dieses Volkes, ja nicht einmal der ganze Stamm, nur ein Tbcil dieses Stammes, der diese Worte vernahm. Und heute? von Tausenden werden sie gepredigt, von Millionen werden sie vernommen! Wollen wir da noch zweifeln, dass .es eine Zukunft gibt und eine Hoffn u n g? Ja, wir hoffen auf Frieden, den Inbegriff aller Segnungen, ״das Gefäss, das allen Segen in sich schliesst.“ Sie werden einst kommen, die Boten des Heils, auf den Beigen verkündend als Boten des Friedens! Friede dem Einzelnen, Friede den Familien; Friede den Gemeinden, Friede den Staten; Friede den Nahen, Friede den Fernen! Sie wird einst kommen, die Zeit des Friedens! indem wir Ihn suchen, alle Menschen Ihn sueben, mit ganzem Herzen Ihn suchen Und diesen Frieden— wir Alle können, wir Alle sollen ihn herbeiführen helfen! Denn die Wahrheit ist seine Wurzel, das Recht sein Stamm und je tiefer die Wahrheit wurzelt, und sieb ausbreitot und je mehr das Recht erstarkt und unbeugsam für alle

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