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Ben Chananja · 1867-01-01 · 1 (1.1.1867) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Homiletische an<l didaktische Beilage Kr. 14. 1867. l (Beilage zu ״Ben Chananja“ Nr. 1). Fromme FrieiieiisholFniiiig. Von Dr. L. Adler, Landesiabbiner in Kassel*] Gleich der im Frühlingsjubel emporsteigen den Lerche schwingt auch des Menschen Geist jauchzend sich empor, wenn der belebende Frühlingshaach der Hoffnung das Herz ihm erfrischt und erquickt. Aber ach, wie der Kelch der Blume, wenn ihn giftiger Mehlthau berührt, seine Blätter zusammenzieht und wel-. kend abfällt, so lässt auch die Hoffnung ihre Schwingen sinken, wenn bei den unsanften, harten Berührungen von Aussen, bei den durch Täuschung auf Täuschung *angeregten Zweifein der Blick in die'Zukunft sich verdüstert, in der Wirklickeit ganz andere Lebensbilder sich uns nahen, als die von der Hoffnung begeisterte Liebe sie zu finden sich einbildete. Du reichst einem Bruder die Hand, fühlst im Geiste schon die Wonneschauer eines liebevollen Händedruckes, ach, wie schmerzt es tief, keine Erwiderung zu finden oder, gar zu sehen, dass dieser die Hand kalt zurückzieht, und mit vornehmthuender Geringschätzung auf dich herabsieht? wie schmerzt es dich, mit vorurtheilsfreier Bruderliebe dein Herz einem Andern öffnend, sein Herz dir verschlossen zu finden und statt erwiedernden Vertrauens höh- ׳nischer Gleichgiltigkeit zu begegnen! wie schmerzt es dich, wo du schöne Beelen gehört, erhabene Grundsätze vernommen, den Gedanken von Menschenrecht und Gottesfrieden bewundernd gelauscht und ob des Wiederhalls in der eigenen Brust schon über den Sieg des Lichtes gejauchzt und gefro'hlockt, wie schmerzt es dich, wenn , was du־?hör-, test, nur ein leerer Schall, ״die Lippen 1־edeten, das Herz aber ferne war. “ **) Wir J uden haben das, ach, gar oft und recht schwer im Leben erfahren! Doch ich will nicht Klage führen! wir wollen im Gegentheile dankend. des Guten uns erinnern, das uns begegnet ist. Unter allen deutschen Staten war der kurhessische der erste, der seinen jüdischen Statsangehörigen die volle Gleichstellung־ mit allen übrigen hessischen Mitbürgern zu Th eil werden 11688. Und wahrlich, von den vielen ruhmreichen Blättern der Geschichte des hessischen Volkes, wird das, auf welchem die volle Gleichstellung der Juden geschrieben steht, noch in den spätesten Zeiten zu den ruhmreichsten und unverwelklichsten gehören! *) Aus dessen trefflicher Predigt .״ ־Friedensfei er.“ Gehalten am II. November 1866. Kassel. Druck von Gehr. Gotthelft. 8. 16. **) Jes. 29, 13. Und wenn einst ein Geschichtschreiber die Fortschritte des Menschengeschlechtes in der Anerkennung des Menschen- und Bürgerrech-' tes den Zeitgenossen berichten wird, wahrlich, des kurhessischen Volkes wird er in ehrende/ Anerkennung gedenken! Seit jener Zeit — V wie sehr haben wir dem himmlischen Vater zu danken! — seit jener Zeit, wie viele Be- Schränkungen, wie viele schmerzliche Zurück- Setzungen, wie viele kränkende, aus der Zeit finsteren Hasses und Vorurtheils stammende, das Recht schmälernde Gesetze sind aus den Gesetzbüchern der deutschen Staten geschwunden! Aber ist Alles, was einst Vorurtheil und Unduldsamkeit niederschrieb, jetzt schon gestrichen? sind in allen deutschen Stajgn dem Juden die statlichen Rechte ganz ungischmälert zuerkannt? Und wenn es wäre, genügt ' es denn schon, wenn die Denkmale des Glaubenshasses und unduldsamer Lieblosigkeit einer finstern Vorzeit aus den Gesetzbüchern ־ verschwinden? kann, darf das ungl darf das unserem gesitteten Zeitalter selfm genug sein? muss nicht viel mehr uns und allen auf der Höhe der fortgeschrittenen menschlichen Gesittung und Bildung stehenden Mitbürgern daran liegen, dass alle von Vorurtheil und Unkenntniss geschriebenen Abneigungen und Zurücksetzungenausgelöscht werden 4-, in dem Buche des Herzeus?- ausgelöDht, '^■.gaijz, ausgeiöseht^dass'^uf ’ sie das Work•:, anwendbar: ״sie werden nimmer gedacht und nimmer hervortreten in einem Herzen auf immer“V Wie nun aber, wenn das nicht-ge- . Schicht, wenn die alten Vorurtheile noch fortbestehen, die, wenn auch weniger harten, doch nicht weniger schmerzhaften und kränkenden . Zurücksetzungen sich wiederholen oder gar vergrössern, wie dann uns verhalten? Der Profet gibt uns Antwort. Er schreibt seinen Brüdern in Babylon: ״ich weiss die Gedanken, die ich für euch habe, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheile, euch zu geben eine Zukunit und Hoffnung.“ ״Und ihr“, fügt Jeremia hinzu, ״werdet mich rufen, ihr ,werdet hingehen und zu mir beten und ich werde euch erhören, denn ihr werdet mich suchen und fin den, indem i h 1־ von ganzem Herzen mich suchet.“ Er will ihnen damit sagen: Werdet ihr anfangs auch hart und rauh behandelt, wird euer wohlgemeintes Streben, euere Vaterlandsliebe, euere Treue gegen Fürst und Stat auch nicht gewürdigt und anerkannt, werdet ihr auch in eueren Bestrebungen verkannt, missachtet und mit Zurück- Setzungen aller Art gekränkt: lasset nicht ab von d en Hoffnungen und haltet fest an der Treue, fest an dem

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