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Ben Chananja · 1867-01-01 · 1 (1.1.1867) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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11 12 dentie der Wissenschaften. Aus dem vom Spitaldirektor und Ew. Wohlgeboren eingelaufenen Berichte vom 17. November l. I. habe ich mit Freude ersehen, daß die Cholera- Epidemie, die in unserer Stadt gewüthet hat, vollständig erloschen ist, und daß in Folge dessen das für Cholerakranke eingerichtete Filialspital, das Ihrer Leitung anvertraut war, geschlossen wurde. Meine Freude steigerte sich, als ich aus dem Berichte des Spitaldirektors ersah, daß die Sterblichkeitsziffer unter.den im Spitals verpflegten tausend Cholerakranken zwar groß, aber doch im Verhältnisse zu anderen europäischen Spitalern günstig zu nennen ist. Da dieses günstige Ergebniß nicht nur nach dem Berichte des SpitaldirektorS, sondern auch nach meiner eigenen, aus Erfahrung geschöpften, Ueberzeugung einzig und allein Ihrer energischen und unermüdlichen Thätigkeit und Ihrer aufopfernden Hingebung und umsichtigsten Sorgfalt zu verdanken ist; so erfülle ich nur eine angenehme Pflicht, indem ich Ew. Wohlgeboren für diese ausgezeichnete, ohne jeglichen materiellen Entgelt geleistete, mit Gefährdung Ihres Lebens verbundene Wirksamkeit hiermit meine größte Auerkenuung und meinen wärmsten Dank ausdrücke, und Sie zugleich in Kenntniß setze, daß ich es nicht unterlassen konnte, diese Ihre Leistungen, — durch we.che Ihre, in vieljähriger, der leidenden Menschheit gewidmeter, uneigennütziger Thätigkeit erworbenen Verdienste glänzend überstrahlt werden, — auch höhern Orts zur Kenntniß zu bringen. Genehmigen Sie 'den Ausdruck meiner aufrichtigen Hochachtung, mit welcher ich verharre Pest, 19. November 1866, Ew. Wohlgeboren bereitwilliger Diener Leopold Rottenbiller m. p., Oberbürgermeister." Dieses Schreiben bedarf keines weitern Kommentars. Es ehrt den Empfänger, aber es ehrt nicht minder den vorurtheilsfreien Bürgermeister unserer Stadt, der auch dem jüdischen Verdienste gerechte Anerkennung zollt. 8. Komorn, 23. Dezember. Unserm wackern Prediger und Schuldirektor, Herrn H. Schnitzer, ist für dessen ersprießliches Wirken während der Kriegsdauer die Allerhöchste Annerkennung zu Theil geworden. L. Serlin. Dr. Adler, Landesrabbiner in Kassel, hat für seine im Drucke erschienene Frjedensprebigt vom Könige, der Königin, dem Kronprinzen und dem Ministerium Dankschreiben erhalten. Die Predigt erfreut sich allgemeinen Beifalls, den sie auch in vollstem Maße verdient. Sie gehört unstreitig zn den gediegensten homiletischen Erzeugnissen, welche aus dem Boden der neuesten politischen Ereignisse hervorgegangen sind *). Kultus UN- Knltnsgemeiu-e. — Wien, 26. Dezember. Wie Ihnen bereits bekanut ist, starb am 3. Tebeth der Stifter des Taubstummeninstitutes, Herr Hirsch Kolisch. Wer das Taubstummeninstitut kennt, dem braucht es nicht gesagt zu werden, daß Herr Kolisch sich um dasselbe ein unsterbliches Verdienst erworben. Gestern fand in der Anstalt eine Seelenfeier für den Dahingeschiedenen Statt. Herr Oberkantor Snlzer funflirte beim Gottesdienste mit bekannter Virtuosität. Von Direktor Deutsch muß ich jedoch sagen, daß er sich selbst übertroffeu hat. Er hielt eine Ansprache an die Taubstummen, und wahrlich, wer nicht davon wußte , daß zu Taubstummen gesprochen wird, der hätte eS aus dem gehaltenen Vorträge nicht entnommen. Dazu jedoch muß ich bemerken, daß der Vortrag selbst ein kleines Meisterstück der Homiletik war. Man kann zu Kindern nicht einfacher, eindringlicher und ergreifender; sprechen. Am Schluß des Gottesdienstes sprach ein taubstummes Kind deutlich das Kadischgebet. Das Taubstummeninstitut war bisher vom Glück begünstigt. Der;Gründer desselben hat es mit vieler Aufopfe¬ *) S. die homiletische Beilage zur vorliegenden Nummer. . rung mS Leben gerufen. An der Spitze desselben steht ein Direktor, der gleichsam von Gott dazu geschaffen wurde. Den Bau der Anstalt leitete Herr M. L. Kanitz, der gewissermaßen überwachte, wie jeder Stein gelegt wurde und eö hat Vorsteher und Vorsteherinnen, die mit aller Liebe und der größten Sorgfalt ihrem Berufe obliegen. Möge dieser Anstalt dieses Glück ferner bewahrt und beschieden sein. -Z. Pest, 24. Dezember. Am 19. d. M. kam folgendes amtliche Schreiben eines Obergespans bei dem Gemeiude-AuSschusse zu Verhandlung: ״Löblich wohlehrwürdiger Kulusvorstand! Der fortschreit.'nde Geist der Zeit und die immer zunehmende Aufklärung würden die, wenn auch wenigen, aber dennoch bemerkbar gewesenen Stimmen, die , sich auf das verjährte Gesetz berufend, gegen die Niederlassung der Israeliten in der Nähe der Bergftädte sich erhoben hatten, allmälig beschwichtigt und so geschah es, daß die Israeliten seit dem Jahre 1850 angefangen haben, sich auch im Sohler Komitate anzusiedeln. — Nachdem im genannten Komitate mehr als 100 israelitische Familien bereits Obdach gefunden hatten, bemühte ich mich, diese Familien dahin zu vermögen, daß sie den religiösen Anforderungen unter der Leitung eines zu wählenden Rabbiners Nachkommen. Die Wahl des Rabbiners hat wol manche Differenzen veranlaßt, die, vielleicht auch mit Hilfe meines Einflusses, glücklich beigelegt wurden. Gegenwärtig befinden fich die benannten Familien in einem kirchlichen Verbände, und an der Spitze dieses Verbandes steht Herr Goldzieher als Rabbiner, ein in jeder Beziehung ausgezeichneter, Achtung einflößender Mann, von dessen Wirken man um so mehr zu erwarten berechtigt ist, als er, von dem lobenswerihesten Eifer beseelt, seinem Berufe mit wahrer Religiosität vorsteht, und sich mit dem Wenigen , was eine arme Gemeinschaft zu bieten im Stande ist, zufrieden stellt. —Der Seelsorger wäre nun da, es fehlt aber der Ort, wo die Seelen zu Gott sich erheben sollen. Die mit Mühe armselig eingerichtete einstweilige Synagoge in der k. freien Bergstadt Neusohl ist bereits viel zu klein, um alle die Frommen aufzunehmen, die junge Gemeinde aber viel zu klein und viel zu schwach, um eine neue Synagoge blos aus eigenen Kräften begründen zu können. Da nun die Einrichtung einer grüßern Synagoge, vereint mit den nöthigen Schuluod Badelokalitäten, eine dringende Noch- Wendigkeit wäre, und dazu die Mittel der im Sohler Komitate wohnenden Israeliten allein nicht zuretchen möchten, ist die besagte Gemeinde bei dem hochlöbl. Siatthaltereirathe um die Bewilligung eingekommen, znm Behufe der Durchsührnng des obigen Unternehmens eine Sammlung mildthätiger Beiträge im Lande bei den Glaubensgenossen veranstaltest zu dürfen. Die Bewilligung ist bereits erfolgt und Herr Rabbiner Goldzieher ist bereits auf dem Wege dieser Einsammlung und macht den Anfang in der Pester Stadt. Um ihm bei dieser Unternehmung einigermaßen den Weg zu bahnen, ergeht hiermit meine Bitte an den löblichen wohlehrwürdigen Kultusvorftaud, Herrn Rabbiner Goldzieher auf seiner Wanderung gütigst zu unterstützen, und die Mittel anwenden zu wollen , womit die Gemüther der hierortigen Gemeindeglieder zur Wohlthätigkeit gestimmt würden. ES handelt sich nicht um einzelne große, aber um viele kleine Gaben, damit der mit Beginn des nächsten Frühjahres vorzunehmende Bau des besagten Gotteshauses mit dem Losungsworte Ezra I. 3: ״So Jemand ans seinem Volke ist, mit dem sei der Herr, und er ziehe nach Jerusalem in Judäa, und baue auf das Hans Jehovas des Herrn Israels, der ein Herr in Jerusalem ist", — vollzogen werde. Meine Bitte bedarf wol keiner Motivirung; ich habe nur als Ober- Haupt des Komitates zu bemerken, daß die in meinem Komitate angesiedelten Israeliten größtentheils arme, aber brave,

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