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Ben Chananja · 1867-01-01 · 1 (1.1.1867) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9 doch , die öffentliche Meinung durch die Journalistik eine sehr wohlthätigeKontrole ausübt, nicht biS zum Advokaten bringen kann?! Das zuletzt Erwähnte mag vielleicht vielen Lesern unglaublich scheinen, und doch ist eS so. Alljährlich wird eine gewisse Anzahl Advokaten ernannt, und alljährlich müssen wir es geduldig mitansehen, daß die jüdischen Kandidaten, trotzdem sie ihren christlichen Kollegen an Würdigkeit und an Verdiensten nicht im Mindesten nachstehen, übergangen werden. Es ist bekannt, daß es gegenwärtig in Wien mehr jüdische Advokaturs-Kandidaten gibt, als christliche, was aus dem vorher Gesagten ebenso leicht erklärt werden kann, als der Umstand, daß die ältesten Kandidaten Juden sind. Und trotzdem daö Senicum das einzig entscheidende Moment sein soll, nahm die ehrsame Advokatenkammer auch in ihren Heurigen Vorschlag keinen einzigen Juden ans. Es ist möglich, daß der Jnstizminister hierauf keine Rücksicht nehmen und die jüdischen Kandidaten, die schon seit Jahren ein Recht auf die Ernenunng haben, dieses ihr Recht endlich einmal angedeihen lassen wird. Es ist möglich, sage ich, und man hofft es. Doch eS kann auch geschehen, daß die in ihren Erwartungen schon so oft getäuschten jüdischen Juristen wieder in die Lage kommen, ein ganzes Jahr lang darüber nachzudenken, welch sonderbare Dinge auch in einem Rechtsstate Vorkommen können!. Zn den Norstandswahleu.; Wien, im Dez. Ein altes Sprichwort lautet: Es kömmt darauf an, wie man den Brief liest. Ich erlaube mir daher zu bemerken, daß ich die Ansprache des Vorstandsmitgliedes, Herrn Dr. M. Engel, bei der. letzten Wahlbesprechung bezüglich der Wiederwahl des Herrn v. Schey anders aufgefaßt habe, als der geehrte Herr Referent der ״Neuzeit." Herr Vertreter M. Pollak hatte konstatirt. daß Herr v. Schey ein thätiges Mitglied des Vorstandes sei, und empfahl deshalb dringend und warm die Wiedewahl des genannten Herrn. Herr Dr. Engel unterstützte diesen Antrag und motivirte denselben dadurch, daß Herr v. Schey neben seinen andern schätzenswerthen Eigenschaften auch ein reicher Mann sei, der stets offene Hand und offenes Herz hat, wenn es gilt , für Gemeindeanstalten oder für Arme und Bedürftige etwas zu thnn. — ES ist der verehrlichen Redaktion der ״Neuzeit" bekannt, daß Schreiber dieser Zeilen leider nicht zur hohen Finanzaristokratie gehört, noch stand ich je mit Herrn m Schey in näherer Verbindung; ich muß jedoch bekennen, daß ich und mit mir viele Gemeindeglieder im Prinzipe mit Herrn Dr. Engel einverstanden sind und kann ich hinzufügen, daß auch der sel. Prediger Herr Mannheimer dieselbe Ansicht hatte. . Die Wiener Gemeinde braucht an ihrer Spitze Männer, welche eine hervorragende soziale Stellung einnehmen, und die in der Lage sind, durch ihre Opferwilligkt t mit gutem Beispiele voranzugehen. Mir ist der reichere Jude nicht der bessere Jude. Es steht eben jetzt an der Spitze des VorstandeS ein Mann, der in Beziehung auf Geld und Gut von mehreren seiner Kollegen und vielen Gemeiudegliedern übertroffen wird; aber besäße er auch nur die Mittel für das tägliche Brot, so würde sein Name doch in die späte Zukunft hinüberklingen, denn xr hat durch Wort und Schrift für seine Glaubensgenossen gewirkt, er hat Institute ins Leden gerufen, Monumente, dauernder als Erz. Derartige Perfönlichkeiten sind jedoch nicht zu Dutzenden zu finden. Wenn ,daher Personen als Kandidaten für den Vorstand vorgeschlagen werden , die in ihren sonstigen Eigenschaften auf gleichem Niveau stehen, von welchen jedoch der Eine und der Andere sich durch ihre soziale Stellung auSzeichnen, die überdies offene Hände und offene Herzen haben, so würde 10ich aufs Entschiedenste für letzteren stimmen und im gegebenen Falle für Herrn v. Schey. Schließlich ist noch zu bemerken: Im Vorstande der Gemeinde ist bekanntlich kein Mangel an konservativen Mitgliedern, und eS wäre daher zu bedauern, wenn die liberalen Elemente aus demselben treten würden. Ein Mitglied der Gemeinde. pester Briefe. , vi. ’; Hf. Pest, im Dezember. Schnee und Eis sind die besten Fürsprecher der Armuth. Mit heranbrechendem Winter mehrt sich auch die Zahl wohlthätiger Handlungen, die wir mit Befriedigung registriren. So wurde in den letzten Wochen eine Sammlung zur Bekleidung armer Schulkinder eingeleitet, die zu einem schönen Ergebniß führte; die Vertheilung der Bekleidungsstücke an die armen Kleinen findet nächste Woche Statt. Dieser Tage wurde zu Gunsten des Jsraelitenspitals im deutschen Theater eine Vorstellung gegeben, die bei vollem Hause einen reinen Nutzen von ׳ 1100 fl. ergab. Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir auch, daß im hiesigen Armenkinderspitale, wie wir in dem Jahresberichte desselben entnehmen, im Laufe des verflossenen Jahres 66 jüdische Kinder unentgeltlich . verpflegt wurden; derselbe Bericht erwähnt auch des rühmenswerthcn Bemühens der Frau Emilie Ullmann, welche Dame allein 100. ordentliche. Mitglieder, für das Spital warb. Dankend erwähnen wir ferner der namhaften Spende des Herrn Schulvorsters Hollitscher zur Einrichtung für den wieder eingcführten Stu-' dentengottesdienst. Ueber das Wirken des wohlthät'igen Frauenvereins und der Suppenstalt werden wir mit Nächstem Näheres berichten können. Der verstorbene Prediger Dr. Jos. Bach hat,, wie wir erfahren, in seinem Testamente ein frommes Legat mit 200 fl. gestiftet. Am 29. d. beginnen die beliebten Vorlesungen des I2ra61its magyar egylet. 5)en Reigen eröffnet Herr Heinrich Deutsch mit einem Vortrage über Chassidismus. Vierzehn Tage darauf folgt' die Vorlesung des Herrn, Paul Tenczer über die Epochen der ungarischen Sprache. Dr. Kohns bereits besprochenen Vorlesungen über jüdische Literatur werden jeden zweiten Samstag ebenfalls in den Lokalitäten des Lgylsd abgehalten werden, so daß jede Woche abwechselnd ein populär-wissenschaftlicher und ein Vortrag Dr. Kohns folgt. Wir erwähnen an dieser Stelle auch, daß sich unter den Stüdirenden des Breslauer RabbinertSeminars ein kleiner ungarischer Leseverein gebildet hat, dem daö Präsidium des Magyar egylet nn 50 ungarische Werke zum Geschenke gemacht hat: Norrejpondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. -ob- Pest, im Dez. Ich erlaube mir, nachstehendes Aktenstück wortgetreu aus dem ungarischen Originale übersetzt, ' den Lesern deö ״B. Ch." mitzutheilen. Bekanntlich ist Herr Primarius, Dr. Josef Rozsay, bis zu diesem Augenblicke der einzige Jude, der in der hiesigen Stadt ein städtisches Amt bekleidet, und dürfte nachstehendes Schreiben einen Beitrag zur Lösung der Frage liefern, ob unsere Glaubensgenoffen den Anforderungen des öffentlichen Dienstes zu genügen im Stande sind : eine Frage, die mindestens in der Praris noch nicht allenthalben eine günstige Lösung gefunden hat. Das fragliche Schreiben lautetwie folgt:'- ״Sr. Wohlgeboren , des Herrn Dr. Josef Rözsay, Primararzt, Ritter des Franz Josef-Ordens und Mitglied der ungarischen Aka- י...•■-: ׳'..

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