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Ben Chananja · 1867-01-01 · 1 (1.1.1867) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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s Beim Beginne seines zehnten Kreislaufes ist es dem ״Ben Chananja" Gottlob gegönnt, seine Anschauungen vielfaltig gerechtfertigt zu sehen und seinen Bestrebungen eine günstige Prognose stellen zu können; und indem er sich zur Fortsetzung-seiner Laufbahn anschickt, sei es ihm gestattet, sich der weitern Gunst und Unterstützung seiner Freunde zu empfehlen. Ihrer Mitwirkung verdankt er die bisher errnngenen Erfolge; das Maß ihrer Theilnahme wird auch über seine Zukunft entscheiden. Die uns in letzter Zeit von nah und fern zugekommenen Anfmunterungen ermuthigen kuns, die zuversichtliche Erwartung zu hegen, daß ״Ben Chananja" in diesem Jahre den gesteigerten Anforderungen entsprechen wird, die gebildete Leser an ein seit Jahren wirkendes zeitschriftliches Organ zu stellen berechtiget sind. Die EM des Menthmils anberen.~ Von Dr. Grünebaum, Bezrrksrabbiner zu Landau. Erste Mthkilnng. D i e h e i l i g e S ch r i f t. Daß die h. Schrift die volle Gleichheit des Gesetzes in Bezug auf Juden und Nichtjuden, d. h. auch die damaligen Heiden, lehrt, und zwar nicht blos in Rücksicht auf das Sittengesetz, sondern sogar in Rücksicht auf die das Seelenheil fördernde religiöse Uebung; daß sie also ein nationales Israel auch in letzterer Hinsicht nicht für die Berechtigttng zur Kenntniß und Uebung der göttl. Lehren und Gesetze, sondern nur in Bezug auf den Beruf und die Verpflichtung zu deren Erhaltung und Verbreitung anerkennt: also alle Menschen ohne Ausnahme zu jener Kenntniß und Uebung, oder, um uns eines heute geläufigen Ausdruckes zu bedienen, zur Seligkeit berufen, kann einem ernsten Zweifel nimmer unterliegen. Schon die eine Thatsache, welche sie an die Spitze stellt: daß Gott alle Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen, schneidet jedem Gedanken an eine Verschiedenheit deS Verhältnisses zwischen Gott und Menschen oder der Menschen untereinander von vorne herein alle Begründung ab. Aber auch später, als die Stammesunterschiede sich geltend machen, wird Israels Erzvater, Abraham, berufen, nicht blos zum Segen seines Hauses, sondem ״aller Geschlechter der Erde." Sogar ein sehr frommer christl.׳ Geistlicher, der sonst die Erfüllung alles geistigen, wahr- Haft religiösen und sittlichen Lebens erst in seiner Kirche und im N. T. verkündet findet, muß hier die umfassende Liebe in den göttlichen Offenbarungsurkundeu zugeben. ״Diese Offenbarung und Verheißung eines unendlich reichen Segens, sagt Otto v. Verlach 1 Mos. o. 12, welche den Abram aussondert, und Ihm einen Vorzug gibt vor allen Menschen seiner Zeit als Gottes auserwahltem Liebling, wird nur deshalb ihm zu Theil, damit durch ihn und seine Nachkommen Gott dem ganzen menschlichen Geschlechts dieselbe Gnade seiner Erkenntniß und Gemeinschaft scheuke. Bet der ersten Be- *) Aus einer nächstens erscheinenden größeren Arbeit. schränkung seiner Gnade auf ein erwähltes Geschlecht kün- - diget Gott zugleich ihre unendliche Allgemeinheit nach'Breite- Länge und Tiefe an; schon die erste Offenbarung Jehovas ״ an den Stammvater zeigt, wie das Alte Testament von einem jüdischen Nationalgott, dem die übrige Welt fremd -wäre/-- nichts weiß." , ' ' In keinem andern Sinne ist der Ausspruch 2 Mös. 19., 5. zu fassen: ״Werdet ihr meiner Stimme gehorchen, und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigenthum sein aus allen Völkern, denn mein ist die ganze Erde." Auch hier macht jener fromme Theologe die schöne Bemerkung: ״Erhaben ist es, wie in diesen Worten gerade auf Gotteö Eigenthumsrecht an der ganzen Erde die Wahl der Kinder Israel gegründet wird. Dem Volke wurde dadurch die Heidnische Vorstellung von einem Volksgott, dessen Macht auf sein Land und Geschlecht beschränkt ist, gänzlich benommen, wie denn diese Allgewalt an der ganzen Erde soeben, sich an den Aegytern erwiesen hatte; und zugleich wurde das auch angedeutet, daß die besondern Vorzüge Israels in Be- Ziehung ständen auf das Heil der ganzen Welt. Ist Gott Herr der ganzen Welt, wählt sich aber ein besonderes Eigenthnm von allen Völkern aus; so kann er nur die Absicht haben, durch dies auserwählte Volk für alle zu sorgenl" Israel hat den Beruf, der ihm durch seine schon vorher durch die Väter, in deren Namen Moses auch gleich Äufangs zu ihm gesandt ward, vererbte Erkenntniß ,Gottes allein unter allen Völkern werden konnte: der Heilsverk ü nder, der Pr i e st e r zu sein, der göttliche Botschaft zu allen Völkern zu tragen berufen ist; au dem Heile selbst sollen alle Menschen theilnehmen. Die Bestimmnng zur Erkenntniß und Verehrung Gottes durch Uebung seines heiligen Willens ist die gleiche für alle Menschen. Und was in den Mosaischen Schriften als Bestimmung der Menschheit verkündet ist , das schauen die Profeten in ihren herrlichsten Gesichten in seiner Erfüllung als das Messiasreich, als die Herrschaft Gottes auf Erden: ״in der Zukunft der Tage, da wird feststehen der Berg des Gott. geweihten Hauses, als der Berge Haupt, und er wird überragen die Höhen, und ,es werden zu ihm strömen, alle Völker. Und viele Vö.lker werden gehen und sprechen: ״Kommt, laßt uns Hinaufwallen zu dem Berge Gottes, zum Hause, des Gottes Israels, daß er uns belehre über seine Wege und. wir wandeln in seinen Steigen." ״Denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes aus Jerusalem. Und richten wird er unter den Völkern, zurechtweisen viele Völkerschaften, und sie schmieden ihre Schwerter zu Pflugschaaren undihre Speere zu Sicheln; nicht erhebt Volk gegen Volk ein Schwert und nicht lernen sie fürder den Krieg*).-" ES ist die Zeit, in der ״sie nicht freveln und verderben auf meinem ganzen heiligen Berge , denn voll ist die Erde der Erkenntniß Gottes, wie Wasser den Meeresgrund bedeckt." ES ist die schöne Zeit der vollendeten Ausbreitung und Entwicklung deö gottgeoffenbarten Geistes der Wahrheit und Gerechtigkeit: ״Gott wird König sein auf der ganzen Erde, an jenem Tage wird Gott der Einzige sein, und sein Name der Einzige ** ***))." Ein Gott und eine Menschheit: bas ist die Quintessenz des Profetischen Gedankens, der in der Zukunft sich verwirklichen wird, in den Mosaischen Büchern aber schon, als das Ziel der Gottesoffenbarung verkündet ist. (Fortsetzung folgt.) *) Jes. 2, 2-4. 01. 4, 1-7. **)Jes. 11. 9. ***) Sech. 14, .9. 000000

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