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Ben Chananja · 1867-01-01 · 1 (1.1.1867) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
10 (1867)
Issue
1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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3 Dies der Dialog. Ist eS nöthig, denselben näher zu erläutern?.' Liegen ja die verschiedenen Anschauungen, von denen die entgegengesetzten Urtheile der beiden Mischnalehrer getragen werden, klar und unzweideutig vor Augen! - Nach R. Eliezer ist es heilsam, die Zahl der religiösen Entbehrungen zu vermehren, und dem Menschen in diesem Stücke so viel zuzumuthen, als ec überhaupt zu ertragen und zu leisten vermag. Der Raum, den die Nüsse in der Tonne leer lassen, kann noch immer mit Sesamkörnlein ausgefüllt werden! •. R. Josua b. Chananja erblickt in der Anhäufung aöketischer Mittel ein gefährliches Experiment, da dieselbe gar zu sehr geeignet ist, Aufmerksamkeit und Eifer von den wesentlichen Aufgaben der Religion ab- und unwesentlichen Dingen zuzuführen. Die mit Oel gefüllte Tonne nimmt das werthlose Wasser willig ans; sie muß es aber mit werthvollem Oele theuer bezahlen7 8 9)! So dachte und sprach R. Josua b. Chananja vor mehr denn siebzehn hundert Jahren! Der Romantik, welche Wasser in Oel verwandeln zu können glaubt, ist es selbst in unseren Tagen noch immer nicht möglich, sich zu seiner Denkweise zu erheben; sie schwärmt für seinen Antagonisteu. IHM ruft sie begeistert zu: ״ich bin dein und dein sind meine Träume 0)!" Sie kennet nicht den alten Kanon : Wo Ben Hyrkanos und Ben Chananja getheilterMeinung sind, folge unbedingt dem Ben Chananja").'? ׳ Zur Zeit, als eine ebionitische Sekte gänzliche Lossagnng von allem irdischen Gute forderte nnd die Askese aufs Aeußerste trieb, warnte R. Jsak b. Pinchas vor freiwilligen Gelöbnissen und Entsagungen: ״Genügen dir denn die von der Thora festgesetzten Beschränkungen nicht, daß du wähnst, dir auch erlaubte Genüsse versagen zu müssen?" So lauten seine Worte, in denen Maimonides den originellsten Ausspruch des Talmuds findet9). Der ältere Ausspruch Ben Chananjas steht aber demselben sicherlich an Originalität nicht nach!? R. Josua b. Chananja war der einzige Erbe des milden Geistes, der auch seinen Lehrer, R. Jochanan b. Zakkai, beseelt hatte. Letzterem blieb dies nicht verborgen. Indem er seinen übrigen Jüngern volle Gerechtigkeit widerfahren ließ, besaß doch Ben Chananja vor allen Uebrigen seine Sym- Pathie. Seine auserwählten Schüler charakteristrend, ruft er über B. CH. aus: ״Heil der, die ihn gebar *)!״ ׳ Da R. Josua in seiner Jugend im Chore der levitischen Säuger den Gottesdienst im Tempel zu Jerusalem ver- ף Rasch! Sabb. 153, b. erklärt das.Nrtheil R. Jos.'ö mit folgenden Worten: .,Mit gestrichenem Maße haben sie an jenen! Tage gemessen, indeni sie über die Gebühr Verbote häuften, so daß dieselben nnerfraglich werden, nnd dazu führen, daß man selbst Vorschriften der Thora nicht achtet. Viel besser hätten sie gethan, gehörig zu messen, damit durch die Ueberhäufung des Maßes nicht dessen Verniinderung herbeigeführt werde." Unter.den Toßafisten tauchte sogar der Versuch auf, das Nrtheil R. Jos.'ö zu einer Apologie der Prohibitionen umzudeuten. Bcr. 55, b. ‘ ף Einl. R. Sam.'s 103, b. Kerith. Jen!. Ol. 3, 4. &) Ned. 9, 1. Sink. Ab. 4. B. Chan. 2, 638. 639. ״) Ab. 2, 8. Die hieraus entstandene Sage. j. Jebam. 1, 6. 4 Herrlichen half, war er um so untröstlicher, daS Heiligthum des Herrn von Feindes Hand vernichtet zu sehen. Wehe uns, rief er bei dessen Anblicke in Gegenwart sernes Lehrers aus, daß die Stätte verödet ist, wo Israels Sünden gesühnt würden! R. Jochanan wies ihn aber zurecht, indem er zu ihm sprach: Mein Sohn, laß dir diesen Verlust nicht zu Herzen gehen! Wir besitzen ein anderes Mittel zur Sühne, daS dem verlornen gleichkommt: Werke der Liebe! Dabei berief er sich auf den Profetischen Ausspruch (Hosea 6, 6): ״Ich verlange Liebe und nicht Opfers!" Diese, den Menscheu auf sich selbst anweisende und daher erhebende Lehre R. Jochanans liefert einen merkwürdigen Gegensatz zu der Doktrin seines Zeitgenossen Paulus, nach welcher der stellvertretende Tod Jesu die Versöhnung zwischen Gott und dem Menschen bewerkstelliget9). Dieser Gegensatz ist um so beachtenSwerther, als R. Jochanan seiner Versöhnungslehre den universellsten Umfang gab, und Spr. 14, 33. folgenden Gedanken ausgedrückt fand: ״Wohlthätigkeit erhebt ein Volk und die Liebe der Nationen ist ihr Sündenopfer 9).״ Mit der Lehre von der Entbehrlichkeit des Opferkultns hängt das Streben N. Jochanans zusammen, die Synagoge mit manchem Prärogative zu beneiden, welches früher nur dem Tempel zu Jerusalem zukam. ׳ Manche waren damit nicht einverstanden, und sie traten seiner Absicht, einen Neujahrstag, der auf einen Sabbath fiel, mit dem Schofar zu feiern, entgegen, indem sie die Frage zuerst erörtern wollten. R. Jochanan vertröstete sie auf eine spätere Diskussion. Nachdem aber das Fest vorüber war, wies er auf die vollendete Thatsache hin und der Streit hatte ein Ende 10). Und Ben Chananja wandelte in den Fußtapfen seines edlen Lehres den Zakkai, indem er die übermäßige Trauer um den Tempel tadelte, die Ueberladung der Liturgie bekämpfte , der Hierachie sich nur mit Widerstreben fügte, und über närrische Chaßidäer, wie über selbstquälerische Pharisäer, unbedingt den Stab brach "). Und da er seine Glaubensbrüder auch nach Außen würdig zu vertreten verstand") und eö selbst aus der Schrift zu deduziren suchte, daß die Frommen aller Nationen der ewigen Seligkeit theilhaftig werden "); so tritt seine ehrwürdige Gestalt uns vor die Seele, so oft wir uns die Ausgabe stellen, für Israels Lehre und Ehre in die Schranken zu treten, das lautere Oel, welches das Judenthum zur Erhaltung seines göttlichen Glaubenslichtes bietet, zu wahren, und den Geist lebendiger, Werke der Liebe schafsender Religiosität zu wecken, und wo er geweckt ist, zu hegen nnd zu pflegen. Ein solches Streben macht seine Freunde nicht zu Frömmlern, wol aber zu Frommen! 7) Ab. d. N. Rath. IV. Vrgl. j. R. Ha-Schan. 1,1. B. das. 18, 8. Midr. Ps. 50. 89. Jlk. Hos. 522. 8) 2 Cor. 5, 21. Rom. 8. 3. 1 Tim. 2, 6. Vrgl. l.Ptr. 1, 18. ף B. B. 10, b. Die Entscheidung R. Joch.'s das. scheint apokryph zu sein. ">) Rosch Ha-Schana 29, b. ") Jer. Ber. 4, 1. B. das. 27. b. Toß. Sota XV, B. B. 60, b. R. Ha-Schana 2. 8. 9. Sota 3, 4. lieber Mech. Beschall. 2. s. Grütz 4, 495. Anm. 6. '*) Ber. R. 64. ") Toß. Sanh. XIII. B. das. 105, a.

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