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Ben Chananja · 1866-12-15 · 43 (15.12.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
43 (15.12.1866)
Date
1866-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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843 844 ״Non possumus“ Bahn zu brechen und wir wollen wünscheu, daß sich die Hoffnungen, die man an dieselbe durch VaS Heranziehen der ^sonst ganz entfremdeten Jugend an den Gottesdienst knüpft, Ln der Folge bewahrheiten mögen. Vor uns liegt der FassionSbogeu der hiesigen Religionsgemeiude für das kommende Verwaltnngsjahr. ES wird in demselben offen erklärt, daß die Lasten der Gemeinde sich wieder in großen Dimensionen vermehrt haben, ohne daß die Einnahmen in diesem Verhältnisse zugenommen hatten; um das Gleichgewicht herzustellen, wird wieder au die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder appellirt, das heißt, höhere Steuerbeiträge gefordert. ES bietet diese Aufforderung, die wohlgemerkt alljährlich stereotyp bleiben muß — die sprechendste Illustration zu der von unS jüngst verfochtenen Ansicht, daß der Wirkungskreis der Gemeinde ein für ihre Mittel well zu ausgedehnter sei; wenn sie jedoch denselben dennoch nicht verlassen will, so wird eS mit dem stets wachsenden Apell an die Säcke der Steuerzahlenden nicht genügen. Die arme und die Mittelklasse ist ohnehin schon übermäßig in Anspruch genommen und eS bleibt daher der Gemeinde kein anderer Ausweg, als sich an die Mildthätigkeit der Reichern zu wenden und deren in die Gemeindekaffe eiufließeudeu freiwilligen Ueberzahlungen zur Erreichung ihrer Zwecke zu verwenden. Die Stellung, die der Jude den politischen Fragen gegenüber einuimmt, ist hier zu Lande bekanntlich eine ganz andere, als in den übrigen Landern der Monarchie. DaS Ungarnthum aiS Vertreter und Verfechter liberaler Ideen hat stets unsere Sympathien für sich gehabt; das haben wir in Wort und Schrift mit Thal und Blut bestätigt. Ganz anderer Art steht es aber um unsere Glaubensbrüder in Polen und Böhmen, die zwar auch im Strome einer nationalen Bewegung sich befinden, die aber, nicht wissend/ wohin der Strom führt, und beängstiget von dessen heftigen Wellenschlägen sich in begreifbarer Augst au das vvrhandene Gesetz, au die faktisch bestehende Macht klammern, an der sie, wenn auch nicht viel, so doch etwas und das Nothdürftigste erwarten dürfen. Wie es nun immer schwer hält, gegen den Strom zu schwimmen, so auch hier, und die ungelüste Frage, was Ursache und was Konsequenz sei, verbitteit gegenseitig die Gemüther nur desto mehr. Es sind nun Einige zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Aufgeben der Sonderstellung, das Anschließen an das nationale Element der einzige Weg sei, auf welchem eine Verbesserung des bisherigen Verhältnisses angebahnr werden könnte und man beginnt in Lemberg sowol, als auch in Prag an das Jnslebeurufeu ähnlicher Vereine, wie der Izraelita magyar egylet ift, zu denken. Wir hatten Gelegenheit in die an das Präsidium des genannten Vereins gerichteten diesbezüglichen schriftlichen Anfragen einzublickeu, und fanden beiderseits die Ansicht ausgesprochen, daß VaS hierlands herrschende Verhältniß vorwiegend dem Wirken des Magyar Egylet zu danken sei. DieS ist aber ein großer Jrrthum. Die Neigung und Tendenz eines Volkes läßt sich nicht maßregeln; ein Volk läßt sich nicht nach Vorsatz erziehen, selbst dann nicht, wenn die Allgewalt des States sich dieses Ziel vorsteckt und dieser die Schwierigkeiten mit Milliarden׳ zu überwinden weiß. Das lehrt uns das durch 15 Jahre fortgesetzte unglückselige Germauisirnugserperiment Oesterreichs in Ungarn, das lehrt uns das den rasfinirtesteu Nuffifizirungssystemen Widerstand ristende Polen. Und was der Czar aller Neuffen, was das Wiener Ministerium nicht vermocht, das sollte einem kleireu Vereine einiger hundert Menschen, die nur über die rscheibeusten Mittel zu verfügen haben, gelungen sein? ' Der Leser kennt die Fabel von AeoluS und PhöbuS; er Wanderer setzte der Gewalt des Windes noch hartnäckigeren Widerstand entgegen, aber vor deu durchwärmenden Strahlen deö Sonnengottes löste er freiwillig den Mantel. Posen wird eher deutsch sein, als Warschau russisch; der Elsässer wird sterben für die Ehre der granäs nation, aber der Ungar bleibt dabei: extra Uungariam nulla vita. Und so auch mit uns. Ware das Ungarthum nicht liberal, wir hielten nicht mit ihm trotz Magyar Egylet und den Bestrebungen Einzelner. So aber ist der Bestand dieses Vereines nur ein Zeichen mehr der Zeit, nur gleichsam ein Symbol der herrschenden Ansicht, aber nicht der Urheber derselben. Wenn wir daher das Entstehen dieser Vereine in Prag und Lemberg mit Freuden begrüßen, so knüpfen wir doch keine zu sanguinischen Hoffnungen an das Resultat ihrer Bemühuugeu nach innen. Wol aber mögen sie in eutgeg e n g e s e tz r e r Richtung, als Faktum, den unleugbaren Beweis des Willens, sich national zu verschmelzen, liefern und so den ersten schwersten Schritt zur Versöhnung thun, der eigentlich dem Stärkeren gebührte. Wird es ihnen gelingen, auf diesem Wege die Stimme der Gehässigkeit zu beschwichtigen und die erwärmenden Strahlen deS Wohlwollens zum Durchbruch zu bringen, daun wirb auch der tausendjährige müde Wanderer sich gerne deö hemmenden Mantels, — des entzweienden Mißtraueö begeben und Hand in Hanv mit!einem Bruder dieselben Zwecke verfolgen. Nekrolog i -. B. Ljaba, im November. Zu deu Opfern der Cholera in unserer Milte gehörte auch der in jeher Rücksicht brave Lehrer Jakob Richtzeit. Er starb am 22. v. M. 59 Jahre alt. Die Gemeinde ha! der Witwe 200 fl. bewilltgt, und den Beschluß gefaßt, derselben den ganzen Winter hindurch den stipulirteu Gehalt ihres fei. Gatten verabfolgen zu lassen. Dieselbe hat nicht nur für sich, sondern auch für sechs vaterlose unmündige Kinder zu sorgen. Wäre es nicht angezeigt, für diese.,,unglückliche Familie eine Sammlung zu veranstalten? Dersthiesige Herr Rabbiner, sowie der Redakreur des ״B. CH." nehmen jede Gabe au, um dieselbe ihrer Bestimmung zuzuführeu. Mor. Schwarz, ding. Oberlehrer. Rorrejpondenz. Emanzipation und bürgerliche VerlMnijsc. E. Wien, 4 Dezember. Lieber BeuChauauja! Wenn auch Herr Ignaz Kuranda wegen seiner zentralistischen Ricktung in Ungarn für keinen tief blickenden Politiker gehalten wird, so wirst Du hoffentlich doch so gereckt sein, seinen sonstigen trefflichen Eigenschaften Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und anzuerkennen, daß er durch seine publizistische Thätigkeit, sowie durch seine soziale Stellung, die er dieser Thätigkeil verdankt, dem jüdischen Namen Ehre macht, und zu den schönsten Zierden der deutschen Juden gehört. Gestern wurde beim goldeueu Lamm das 25jäyrige Jubiläum seiner journalistischen Thätigkeit gefeiert. Aus der Beschreibung dieser Feier, welche die politischen Journale bringen, werden Viele Trost, Erhebung, Ermunterung schöpfen: wir leben trotz deS Konkordates und trotz der vermehrten Auflage der Jesuiten denn doch in einer fortgeschrittenen Zeit! — Winrerstein hat mit 1000 Gulden eine Kurandastiftung zu Gunsten eines der Unterstützung bedürftigen Journalisten gegründet. Das war ein echt jüdischer Zug: der Koukordiaverein veranstaltete das Mahl und mit Chevramahlzeiken pflegen,wohlthätige Stiftungen verbunden zw fein. Dr. Wolf, die. leben-

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